Hannes Reinhardt war ein Jahr in Norwegen

Mehr als ein Jahr ist nun schon seit meinen Abiturprüfungen vergangen und zehn Monate sind ins Land gezogen, seitdem ich hier in Bergen in Norwegen ankam.

Damals, Anfang August, machte ich mich vom sommerlichen Deutschland auf nach Norwegen. Mit dem Flugzeug flog ich von Berlin nach Oslo und fuhr von dort mit der Bergensbanen quer durch das Land über die Hochebene der Hardangervidda nach Bergen, von dessen Bahnhof mein Mentor Herr Lukas CanReg. mich abholte.

Daraufhin brachte er mich in das Kloster der Augustiner-Chorherren, wo ich die nächsten zehn Monate leben sollte. Im Kloster leben neben den beiden Chorherren Alois, der gleichzeitig der Pfarrer der Pfarrei St. Paul ist, und Lukas, auch mehrere Studenten und mittlerweile mein Mitpraktikant Fabian.

Schnell stellte ich fest, dass in der Pfarrei St. Paul einiges anders als in einer typischen deutschen Pfarrei ist. Schon die Zusammensetzung der Gemeindemitglieder zeigt dies deutlich. Nur ungefähr zehn Prozent der Katholiken in Bergen sind ethnische Norweger. Der Rest besteht aus verschiedenen Einwanderergruppen, wie den Polen, Vietnamesen, Tamil, Philipinos und Lateinamerikanern. Dass in der Pfarrei viele verschiedene ethnische Gruppen vertreten sind, führt dazu, dass es mittlerweile sieben Sonntagsmessen in verschiedenen Sprachen gibt. Neben ihren Messen pflegen die Gruppen aber auch ihre eigenen Treffen in der Krypta von St. Paul, in der am Sonntag nach dem Hochamt um 11 Uhr auch das Kirchencafé stattfindet.

Die Gemeinde St. Paul nach der Sonntagsmesse.
Die Gemeinde St. Paul nach der Sonntagsmesse.

Mein Chef Lukas, der neben seiner Stelle als Kaplan in der Pfarrei Schulseelsorger der katholischen Grundschule und des katholischen Gymnasiums Bergen ist, nahm mich gleich zu Beginn meines Praktikums mit in das Gymnasium, welches zu diesem Zeitpunkt in ein neues Gebäude umzog. Aufgrund des Umzuges gab es dort viel für mich zu erledigen. Viele Möbel mussten durch das Haus transportiert werden und viele Tafeln mussten an den Wänden angebracht werden. Dabei war ich sehr erstaunt, wie modern das Gymnasium eingerichtet wurde. So viele digitale Tafeln, die außerdem mit Soundsystemen für Schwerhörige ausgerüstet waren, war ich aus meiner Schule nicht gewohnt. Außerdem wurden mit dem neuen Schuljahr zahlreiche neue Schulbücher angeschafft. Die Rezeptionistin Ragnhild war mir sicher dankbar, als ich für sie mehrere hundert Bücher mit Strichcodes, Schulstempeln und einem Umschlag versah.

Doch nicht nur in der Schule konnte ich helfen, sondern auch der Haushälterin des Klosters, Jolanta. Oft gingen wir gemeinsam einkaufen und auch beim Putzen des Klosters konnte ich ihr behilflich sein.

Die meiste Freude bereitete mir aber die Zusammenarbeit mit Herrn Lukas, der neben seiner Tätigkeit als Schulseelsorger auch Deutschlehrer am Gymnasium ist. Als sein Helfer durfte ich zum Beispiel Plakate für die Schulmessen gestalten. Und wenn er auf Reisen war, durfte ich auch seine zwei Deutschklassen im Gymnasium unterrichten. Im Büro konnte ich ihm bei der Vor- und Nachbereitung des Unterrichtes helfen und mit vielen kleineren Tätigkeiten, wie bei der Organisation von Schüleraustäuschen, für die er zuständig ist, der Anfertigung von kleinen Kopien der Schulikone als Abschiedsgeschenk für die Abiturienten oder im Belegwesen des Klosters.

Im November reiste ich außerdem gemeinsam mit den Ministranten der Pfarrei und Herrn Lukas nach Stift Klosterneuburg bei Wien, dem Heimatkloster der Chorherren Alois und Lukas, die von dort nach Bergen entsendet wurden. In Österreich waren wir unteranderem Teil des Pontifikalamtes mit Kardinal Schönborn zum Fest des heiligen Leopold und besuchten Wien.

Aber das Leben in Bergen bestand nicht nur aus Arbeit. In den ersten vier Monaten ging ich jeden Morgen um acht Uhr zu Gunnar, einem Diakon der Pfarrei St. Paul, und ließ mir von ihm die Grundzüge der norwegischen Sprache erklären. Leider wurde er im Dezember 2014 krank und ich konnte seinen Unterricht nicht weiter besuchen und lernte von da an, indem ich Norwegisch sprach, las und hörte. Mitte April versuchte ich mich daraufhin am Bergenstest, einem norwegischen Sprachtest, der die Voraussetzung für die Aufnahme eines Studiums oder einer Arbeit in Norwegen ist und bestand ihn.

Die Stadt Bergen ist außerdem für seine sieben Stadtberge bekannt, von denen ich fünf bestieg. Am schönsten ist dabei die Wanderung vom Fløyen über Rundemanden und den Gebirgskamm Vidden zum höchsten Berg der Stadt.

Zu den schönsten Momenten des Praktikums gehören natürlich auch die gemeinsamen Abendessen in der Hausgemeinschaft, bei denen es immer lustig zugeht. Vorher muss natürlich gekocht werden, wobei sich alle einmal abwechseln oder auch zusammen kochen.

Norwegen bei Sonnenaufgang.
Norwegen bei Sonnenaufgang.

Bald muss ich Abschied nehmen. Abschied von einem Land, dessen Sonnen- und Schattenseiten ich gesehen habe und das ich doch lieben gelernt habe. Abschied von einer Stadt, in der es jeden Tag zu regnen scheint und auf deren Berge ich jeden Tag voll Sehnsucht schaue. Abschied von den Menschen, die manchmal so verschlossen erscheinen und doch so liebenswürdig sind, wenn man sie erst einmal näher kennengelernt hat.

Norwegen, ich werde dich vermissen!

 

- Hannes Reinhardt 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Die Träger des Projekts                               Kontakt

Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V. 

Kamp 22 | 33098 Paderborn

Tel.: 05251 29 96 - 0

Fax: 05251 29 96 - 88

E-Mail: info@bonifatiuswerk.de

Web: www.bonifatiuswerk.de

 

Weitere Infos zum Bonifatiuswerk

 

Anna Nick

Projektstelle des Bonifatiuswerkes am Newman-Institut 

Slottsgränd 6 | 75309 Uppsala 

Telefon: +46 76 421 36 31

E-Mail: anna.nick@newman.se

Web: www.newman.se

 

Weitere Infos zum Newman-Institut

 

Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, wenden Sie sich gerne direkt an:

 

Julia Jesse

Referentin Missionarische und diakonische Pastoral
Tel.: 05251 29 96 - 50
E-Mail: julia.jesse@bonifatiuswerk.de



Finanziell unterstützt wird das Bonifatius Praktikanten Programm durch das Erzbistum Paderborn.