"Es leuchtet mein Lied, es betet mein Lied, es liebt mein Lied in - Lettland" - Josephines Abschlussbericht

Josephine Metasch beim Sängerfest in Riga
Josephine Metasch beim Sängerfest in Riga

Ob Vidzeme, Latgale, Zemgale oder Kurzeme alle Teile ergeben ein gemeinsames Lettland. Ein kleines Land im Herzen des Baltikums.

Vor einem Jahr hat aber die Reise nicht in Vidzeme, sondern in Kurzeme, genau gesagt in Liepaja, begonnen. Zusammen mit Greta durfte ich die ersten drei Wochen Meeresluft schnuppern und erstmals ausprobieren, wie es sich denn an der lettischen Küste leben lässt. Arbeiten in der katholischen Grundschule, danach 5 min Fußweg zum Strand und die Seele baumeln lassen. Erstmal ankommen in diesem Land, dass so viel zu bieten hat. Drei Wochen klingen kurz aber realisier für dich selbst, dass nun ein Jahr beginnt in einem unbekannten Land. Zugegeben ich habe vorher noch nie etwas von Lettland gehört , umso mehr habe ich mich einfach dazu entschieden spontan zu sein und das Jahr, sowie auch die Erlebnisse auf mich zu kommen zu lassen. 

Deutsche Sprache in Lettland

Josephine beim Sport mit den Kindern im deutschen Kindergarten in Riga
Josephine beim Sport mit den Kindern im deutschen Kindergarten in Riga

Endlich in Riga - ,,Halli Hallo wir sind jetzt da, Halli hallo wir freuen uns ja!"

...habe ich jeden früh gesungen, im Morgenkreis der Krippe im deutschen Kindergarten von Riga. Die Schule und der Kindergarten werden zurzeit von Kindern aus 20 verschiedenen Ländern besucht. Als Assistentin unterstützte ich seit September 2017 die Pädagogen in der Krippe und Regelgruppe, sowie bei einzelnen Aufgaben auch die Vorschule. Dabei war ich fest im Tagesablauf eingebunden und bekam neben dem praktischen Wissen, auch die pädagogischen Hintergründe durch die leitenden Pädagogen gelehrt. Eine Besonderheit in diesem Kindergarten ist auch die Sprache, denn neben Lettisch, Englisch und Russisch wird ein Schwerpunkt auf die deutsche Sprache gelegt. Diese sollen die Kinder spielerisch erlernen, um sich auf die Herausforderungen des zukünftigen Berufslebens im europäischen und globalen Arbeitsmarkt vorzubereiten und sich bilingual verständigen zu können. Dadurch hatte ich neben den normalen Praktikumsinhalten auch die Möglichkeit einen Schwerpunkt auf die Sprache zu legen und die Internationalität der Kinder zu erleben. 

Weitere pädagogische Erfahrungen gesammelt

Josephine (rechts) mit den Besuchern den Tageszentrum "Paaudzens"
Josephine (rechts) mit den Besuchern den Tageszentrum "Paaudzens"

Eine weitere pädagogische Einrichtung ist das Tageszentrum ,,Paaudzens“, in welchem ich ab Oktober 2017 arbeitete. Gegensätzlich zum Privatkindergarten, ist diese zweite Arbeitsstelle ein Jugendzentrum für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche aus Riga, die nach der Schule einen Rückzugsort suchen und pädagogische sowie schulische Hilfe benötigen. Neben den Studenten habe ich die dort Vorort arbeitende FSJ-lerin kennengelernt , mit der ich viele Projekte zusammen organisierte. Zu meinen Aufgaben zählten die Unterstützung sowie Betreuung der Kinder und Leitung einer kleinen Sängergruppe.

Durch die eindrückliche Gegensätzlichkeit der Praktikumsstellen zeigt sich natürlich auch die „soziale Schere“ der Gesellschaft. Es wurde mir sehr deutlich bewusst, dass die verschiedenen Lebensumstände und Situationen zu unterschiedlichen Verhaltensmustern und Entwicklungsmöglichkeiten führten. 

Deutschkurs für Senioren
Deutschkurs für Senioren

Da Greta Ende Februar aus Lettland abflog, war ich nun an der Reihe den Deutschsprachkurs für Senioren weiter zu führen. Ob es Kreuzworträtsel, die Fußball WM oder Leseübungen mit Max und Moritz waren: es hat mir sehr viel Spaß gemacht den liebevollen Menschen, die ich dort kennengelernt habe, die deutsche Kultur etwas näher zu bringen.

 

Nach 7 Monaten im deutschen Kindergarten wurde es mal Zeit für etwas Neues und wie der Zufall es so wollte, brauchte eine junge Familie meine Hilfe. Ab April durfte ich mich in einem lettischen Kindergarten um ein 1 ½ jähriges Pflegekind kümmern. Aufgrund seines schon im Babyalter harten Schicksals, fiel es ihm schwer laufen zu lernen.

Innerhalb von 2 Monaten zu sehen, wie schnell sich doch ein Kleinkind entwickeln kann, war eine echt tolle Erfahrung. 

In meinem letzten Monat habe ich auch in einem Tageszentrum für Erwachsene mit Behinderungen gearbeitet. Dabei beinhaltete meine Arbeit die Vorbereitung von Spielen und kognitiven Aufgaben, die die Klienten für ihre Weiterbildung benötigten. 

Ein zweites Zuhause gefunden

Josephine mit ihrer Mentorin Sr.Hannah (2.v.r.) und den drei anderen Dominikanerinnen
Josephine mit ihrer Mentorin Sr.Hannah (2.v.r.) und den drei anderen Dominikanerinnen

Mein Zuhause für das Jahr war das Kloster der Dominikanerin von Bethanien in Riga . Vier Schwestern, alle mit unterschiedlichen Charakteren, waren jederzeit, egal in welchen Lebenssituationen für mich da. Zu dem Klosterleben gehörte es auch, bei kleineren Aufgaben mitzuhelfen. Egal ob Bänke in der Kapelle rücken oder Fenster putzen: in Gesellschaft von einer Schwester war es immer lustig. 

Sie haben mit mir gelacht und mir auch öfters einen guten Rat gegeben. Dafür danke ich allen Schwestern, besonders aber auch meiner Mentorin Schwester Hannah. 

Freizeitgestaltung mit einem Höhepunkt

Josephine am Fluss Daugava in Riga
Josephine am Fluss Daugava in Riga

Meine Freizeit bestand in den meisten Fällen entweder daraus, das Wetter am Strand oder an der Daugava zu genießen oder im Frauenchor "Balta" zu singen.

Ich habe noch nie so professionell gesungen. Es war aber ein sehr großer Spaß die lettische Sprache, durch das Singen mit den lettischen Studenten kennenzulernen.

Der Höhepunkt für mich war Anfang Juli im - Dziesmas svetkus - mitzusingen . Eine von 15.000 klinkt nicht besonders, aber wenn man in der 1. Reihe steht, hinter sich schaut und sieht wie ein Land, dass in der Vergangenheit viel mitmachen musste, trotzdem stolz ist die Hymne zu singen, rührt einen zu Tränen. 

Josephine vor dem Dom in Riga
Josephine vor dem Dom in Riga

Es gibt so viel, wofür ich dankbar bin und so viele Menschen, den ich danken möchte.

Ich hätte nie gedacht, dass ich in dieser kurzen Zeit so viel erlebe und lernen würde, von Menschen, über Menschen und über die Diaspora in Lettland. Wie die Menschen sich es dort trotzdem schön machen und damit glücklich sind. Danke an Greta, mit der ich die ersten sechs Monate so viel erleben durfte . Danke an die vier Dominikanerinnen von Bethanien in Riga . Danke an die Menschen, die ich durch meine Praktikumsstellen kennenlernen durfte. Danke denen, die mir dieses Jahr ermöglicht haben.

Es war einzigartig!

Paldies !

 

,,Dzied, mana dvēsele dzied caur tūkstoš balsīm klusi. Dievs manā dvēselē dzied, kas zvaigznēm piebirusi. Raud, mana dvēsele raud par Staburaga mēmām sāpēm. Raud, mana dvēsele raud, tā raud Vidzemē. 

Mirdz mana dziesma, Lūdz mana dziesma, Mīl mana dziesma

- Latvijā!"

("Es singt meine Seele, sie singt durch tausend Stimmen ganz leise. Gott selbst singt ein Lied in mir, Sterne ziehen in mir ihre Kreise. Es weint meine Seele, weint stumm wie der Fels unterm Stausee.Es weint meine Seele, sie weint in Vidzeme. Es leuchtet mein Lied, es betet mein Lied,

es liebt mein Lied in - Lettland.")

Die Träger des Projekts                               Kontakt

Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V. 

Kamp 22 | 33098 Paderborn

Tel.: 05251 29 96 - 0

Fax: 05251 29 96 - 88

E-Mail: info@bonifatiuswerk.de

Web: www.bonifatiuswerk.de

 

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Anna Nick

Projektstelle des Bonifatiuswerkes am Newman-Institut 

Slottsgränd 6 | 75309 Uppsala 

Telefon: +46 70 312 62 50

E-Mail: anna.nick@newman.se

Web: www.newman.se

 

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Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, wenden Sie sich gerne direkt an:

 

Julia Jesse

Referentin Missionarische und diakonische Pastoral
Tel.: 05251 29 96 - 44
E-Mail: julia.jesse@bonifatiuswerk.de



Finanziell unterstützt wird das Bonifatius Praktikanten Programm durch das Erzbistum Paderborn.