Vi sees Norge! Abschlussbericht aus Oslo

Elske ist nach 10 Monaten Norwegen zurück in Deutschland (Foto: Tabea Gerd-Witte)
Elske ist nach 10 Monaten Norwegen zurück in Deutschland (Foto: Tabea Gerd-Witte)

Mit den Worten Vi sees! ("Wir sehen uns") habe ich mich nach fast 10 Monaten in Norwegen von allen Freunden und Bekannten verabschiedet. Aber das heißt nicht, dass es ein Abschied für immer sein wird. Ganz im Gegenteil möchte ich auf jeden Fall nochmal wieder nach Norwegen zurückkommen, um das wunderschöne Land weiter zu bereisen und all die netten Menschen, die ich während meines Praktikums im Norden dort kennengelernt habe, wiederzusehen.

Als ich mich im September letzten Jahres ins Flugzeug gesetzt habe, wusste ich noch gar nicht so richtig, was mich erwarten würde.

Wenn man erst 19 Jahre alt ist, kommen einem 10 Monate in Norwegen wie eine sehr lange Zeit vor, aber jetzt, wo ich schon wieder Zuhause bin, kann ich sagen, dass die Zeit wie im Flug vergangen ist und ich viele neue Erfahrungen sammeln konnte. Als Franka und ich in Oslo angekommen sind, mussten wir auf Grund der Corona-Pandemie zunächst für 10 Tage in Quarantäne, in denen wir uns gegenseitig und die Stadt auf gemeinsamen Spaziergängen schon mal näher kennenlernen konnten. Als wir dann Mitte September endlich ins Katarinahjemmet einziehen konnten, wurden wir dort von allen herzlich willkommen geheißen.

Der Alltag im Katarinahjemmet

Das Katarinahjemmet ist ein Kloster, in dem neun Dominikanerinnen wohnen. Gleichzeitig fungiert es aber auch als Studentenwohnheim und Gästehaus. Neben den rund 20 Studentinnen und Schülerinnen waren auch drei Freiwillige aus Norwegen da, sodass immer einiges im Haus los war und ich schnell Anschluss gefunden habe. Besonders gefreut hat mich am Anfang, dass nicht alle Studentinnen und Schülerinnen Norwegerinnen waren, z.B. gab es auch Mädchen, die aus Frankreich, den USA oder Deutschland kamen. Somit hatte das Haus eine sehr internationale Atmosphäre und beim Mittagessen wurde viel Rücksicht darauf genommen, dass Franka und ich in den ersten Wochen kein Norwegisch verstanden.

Arbeitsalltag im Katarinahjemmet

Unsere Arbeit im Katarinahjemmet bestand hauptsächlich aus Putzen und Essen vorbereiten. An einem Tag in der Woche habe ich unserer vietnamesischen Köchin in der Küche geholfen. Am Anfang war es sehr schwer für mich, mich mit ihr zu verständigen, da ich noch kein Norwegisch sprach und sie kein Englisch. Aber die wichtigsten Vokabeln habe ich schnell gelernt und nach einiger Zeit hat es mir viel Spaß gemacht, mit ihr in der Küche zu arbeiten, mich mit ihr zu unterhalten und besonders, ihre vietnamesischen Gerichte zu probieren!

 

Nach einem halben Jahr haben Franka und ich auch angefangen, an der Rezeption zu arbeiten. Neben den Zimmerreservierungen rufen dort auch häufig Menschen mit den verschiedensten Anliegen an. Das war für mich oft herausfordernd, besonders da es am Telefon noch schwerer ist, eine fremde Sprache zu verstehen. Aber zum Glück sprechen die meisten Norwegerinnen und Norweger sehr gutes Englisch. Nach einiger Zeit habe ich es dann doch geschafft, manchmal ganze Telefonate auf Norwegisch zu führen und war dann sehr stolz auf mich.

Stricken mit Schwestern und Studentinnen (Foto: Sr Ane-Elisabet)
Stricken mit Schwestern und Studentinnen (Foto: Sr Ane-Elisabet)

Arbeit in der Gemeinde St. Johannes

Besonders Spaß gemacht hat mir die Arbeit in der Gemeinde St. Johannes. Dort habe ich jeden Mittwoch die Pfarrsekretärin unterstützt, indem ich z.B. wichtige Ereignisse wie Taufen, Erstkommunionen und Firmungen in das Kirchenbuch eingetragen habe. Immer wieder gab es aber auch besondere Aufgaben für mich zu erledigen, wie zum Beispiel das Gestalten der Urkunden für die Erstkommunionkinder, das Verpacken von über 700 Briefen für die Gemeindemitglieder oder das Bügeln der eingesammelten Gelder aus der Kirchenkollekte. Außerdem haben im Pfarrbüro zwei weitere Mädchen in meinem Alter gearbeitet, mit denen ich mich sehr gut verstanden habe.

Mittags haben wir oft mit allen anwesenden Angestellten und Priestern Lunch gegessen, manchmal waren wir hier nur zu viert, manchmal sogar zu zehnt oder mit noch mehr Menschen. Dabei konnte man sich über verschiedenste Dinge austauschen: Von der Arbeit in der Gemeinde bis hin zu den Rezepten des oft asiatischen Essens.

 

Dabei wurde mir auch immer wieder die Internationalität der katholischen Kirche in Norwegen vor Augen geführt. Die Mehrheit der Katholiken in Norwegen hat einen Migrationshintergrund und kommt ursprünglich aus Ländern wie z.B. Polen, Vietnam oder von den Philippinen. Da immer mehr Katholiken nach Norwegen ziehen und es oft länger dauert, bis sie vom Staat registriert werden, ist es schwer einzuschätzen, wie viele Katholiken es in Norwegen wirklich gibt. Man geht davon aus, dass es ca. vier Prozent der Bevölkerung sind. Somit konnte ich also nicht nur in die norwegische Kultur eintauchen, sondern habe einen Einblick in ganz verschiedene Kulturen erhalten.

Norwegisch lernen

Ein wichtiger Bestandteil meiner Zeit in Norwegen war es natürlich, die Landessprache zu erlernen. Dazu haben Franka und ich zunächst an einem von den Schwestern finanzierten Intensivkurs teilgenommen, in dem wir die Grundlagen schnell gelernt und gemerkt haben, dass es tatsächlich viele Ähnlichkeiten zur deutschen und englischen Sprache gibt. Einmal in der Woche haben wir auch für die Caritas bei einem Norwegisch-Kurs für spanischsprachige Menschen mit geholfen, wenngleich diese "Hilfe" hauptsächlich daraus bestand, am Kurs teilzunehmen. Ab November fand der Kurs dann leider nur noch online statt, wodurch unsere Gruppe stark reduziert wurde, wir aber auch intensiver lernen konnten. Für viele der Spanier und Lateinamerikaner war der Kurs nämlich größtenteils eine Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen und der Fokus lag nicht unbedingt darauf, perfektes Norwegisch zu lernen.

Am besten lernt man die Sprache, wenn man sie einfach spricht!
Am besten lernt man die Sprache, wenn man sie einfach spricht!

Eine weitere große Hilfe war Schwester Mette, die mit Franka und mir auf dem Gang wohnte. Die lebensfrohe Schwester, die mit ihren 80 Jahren die älteste im Katarinahjemmet ist, macht es sich jedes Jahr zur Aufgabe, den deutschen Freiwilligen beim Norwegischlernen zu helfen. Und auch bei uns hat sie da natürlich keine Ausnahme gemacht! Jeden Freitag haben Franka und ich uns daher mit ihr zusammengesetzt, um ein wenig auf Norwegisch zu lesen und zu sprechen.

 

Bei zufälligen Treffen auf dem Gang hatte Schwester Mette immer eine kleine Norwegisch-Lektion oder einen Ratschlag fürs Leben parat. Wenn man Norwegisch sprechen möchte, ist aber der beste Tipp, es einfach zu machen! Auch wenn es am Anfang sehr befremdlich ist, eine Sprache zu sprechen, in der man nur wenige Vokabeln kann, hilft es am besten dabei, sie zu lernen. Norwegerinnen und Norweger freuen sich oft, wenn man es einfach versucht und sind immer bereit, fremde Wörter zu erklären.

Ut på tur i Norge

Sonnenaufgang auf dem Holmenkollen
Sonnenaufgang auf dem Holmenkollen

Während meiner Zeit in Norwegen habe ich Oslo als eine wunderschöne Stadt kennengelernt, die als Hauptstadt mit ihrer Lage am Oslofjord alles bietet, was man sich wünschen kann und die trotzdem nicht von Menschenmassen überfüllt ist. Mit ihren knapp 700.000 Einwohnern ist sie im Vergleich zu manchen deutschen Großstädten nämlich noch einigermaßen überschaubar. Da die Stadt in einem Tal zwischen hohen Hügeln liegt hat man von jeder höher gelegenen Stelle eine schöne Aussicht auf die Skyline von Oslo. In der ersten Zeit war ich sehr beeindruckt von den vielen verschiedenen Aussichtspunkten, da ich dies von zu Hause, wo es überwiegend sehr flach ist, nicht gewohnt war. Ich werde es sehr vermissen, abends "noch mal schnell" in den Ekebergpark oder auf den Holmenkollen, einem 371 Meter hohen Berg nordwestlich der norwegischen Hauptstadt, zu fahren, von wo aus man den Sonnenuntergang über der Stadt genießen kann.

Außerdem vermissen werde ich die Mischung aus vielen Altbauten wie dem Nationaltheater, der Festung Akerhus oder dem Schloss und gleichzeitig markanten Neubauten wie dem Opernhaus oder der Skisprungschanze auf dem Holmenkollen. Mit vielen Grünflächen bietet die Stadt den Bewohnern die Möglichkeit, draußen Sport zu machen oder sich auch mal in Badesachen in den Park zu legen. Der weitläufige Vigelandspark liegt direkt um die Ecke des Klosters und beeindruckt mit über 200 Stein- und Bronzeskulpturen des Künstlers Gustav Vigeland zu jeder Jahreszeit. Allerdings wirkte er an schneelosen Wintertagen ohne seine Blumenpracht etwas trostlos und ich habe mich gefreut, als Ende Mai dann endlich wieder die ersten Blumen blühten!

Ausflüge in die norwegische Natur und das Umland

Auch wenn Oslo so viele schöne Ecken zu bieten hat, vergisst man in der Metropole oft, dass man sich eigentlich in einem Land mit hohen Bergen, tiefen Fjorden und dichten Wäldern befindet. Zum Glück reicht oft schon eine 20 minütige U-Bahn Fahrt, bis man sich in den umliegenden Wäldern befindet!

 

Zusammen mit unserer Mentorin Schwester Ane-Elisabet haben wir mehrere kleine Ausflüge unternommen. Wir waren zum Beispiel mit allen Freiwilligen zusammen in Fredrikstadt und in Tønsberg, beides Städte, die am Oslo Fjord liegen und die ich dank ihres mittelalterlichen Flairs als "koselig" ("gemütlich") bezeichnen würde. Im Mai waren wir zusammen mit Schwester Katarina in Valdres, einer bergigen Region im Nord-Westen von Oslo. Dort haben wir an einem Tag sogar Jotunheimen besucht, ein Nationalpark und gleichzeitig Skandinaviens höchstes Gebirge! Ich war sehr von der Schnee- und Eismasse im Mai beeindruckt und besonders davon, dass es zur selben Zeit mit 10 Grad eigentlich gar nicht so kalt war. Verrückte Wetterphänomene, die ich aus Deutschland nicht kenne!

Ein Besuch in Bergen

Elske und Franka besuchen die Bergen Praktikanten (v.l.: Paul, Elske, Franka, Tim, Jonas)
Elske und Franka besuchen die Bergen Praktikanten (v.l.: Paul, Elske, Franka, Tim, Jonas)

Natürlich haben Franka und ich auch unsere Mitpraktikanten Paul, Jonas und Tim in Bergen besucht. Nachdem wir an einem Tag im strömenden Regen die Stadt besichtigt haben, sind wir am nächsten bei schönstem Sonnenschein auf den Fløyen, einen der sieben Stadtberge, gestiegen und haben dort die schöne Aussicht auf die Stadt und den Fjord genossen. Der Austausch mit den Praktikanten in Bergen und auch den anderen "PiN-Praktikanten" hat mir sehr gut getan, da ich gemerkt habe, dass viele die gleichen Erfahrungen machen und nicht immer alles so ist, wie man es sich vorgestellt hat.

Mitternachtssonne in Tromsø

In meinem letzten Monat in Norwegen bin ich noch mit einer Freundin nach Trondheim und Tromsø gereist, wo wir schon auf der Zugfahrt nach Trondheim die Sicht auf die Natur genießen konnten. Am meisten beeindruckt hat mich die Mitternachtssonne in Tromsø. Um diese in voller Pracht zu genießen sind wir am Abend auf einen der umliegenden Berge gestiegen. Dort wurden wir von einer Masse an Schnee und Eis überrascht und der Weg entpuppte sich als sehr viel anspruchsvoller als erwartet, da die "Sherpatreppe", die wir für den Aufstieg nutzen mussten, komplett verschneit war.

 

Nach ca. zwei Stunden Wandern bzw. Klettern hatten wir es aber tatsächlich bis zur Aussichtsplattform geschafft und wurden dort nicht enttäuscht: Die Sonne stand noch hoch am Himmel und schien mit unglaublich hellem Licht auf die Stadt und die Berge. Auch um Mitternacht war es noch sehr hell und es fühlte sich so an, als wäre es Nachmittag. Auf dem Rückweg nach unten haben wir Plastiktüten, die wir als Sitzunterlagen mitgenommen hatten, als Schlitten umfunktioniert und sind so mehr nach unten gerutscht als gestiegen. Die Mitternachtssonne zu sehen, war für mich auf jeden Fall eines meiner Highlights während meiner Zeit in Norwegen. Ein unvergessliches Erlebnis!

Höhen und Tiefen gehören dazu

Natürlich war nicht immer alles perfekt während meiner 10 Monate. Kurz vor Weihnachten hatte ich mir die Achillessehne gerissen und war dadurch für einige Zeit sehr eingeschränkt. Das hat mir den langen Winter mit seinen sehr kurzen Tagen noch viel länger erscheinen lassen. So schön die Stadt im Sommer ist, desto trauriger wirkt sie im Winter, der auch Ende März noch nicht vorüberzugehen scheint.

 

Oft wusste ich gar nicht, was ich mit meiner freien Zeit anstellen sollte. Glücklicherweise haben sich alle im Katarinahjemmet gut um mich gekümmert und ich habe immer jemanden gefunden, der zu einem Film- oder Spieleabend oder für einen kurzen Spaziergang bereit war. Besonders eingeschränkt waren Franka und ich durch die Corona-Pandemie, sodass wir z.B. gar nicht alle Arbeitsstellen in Oslo antreten konnten. Auf Grund der Pandemie waren die Schwestern verständlicherweise auch sehr vorsichtig, was das Reisen in Norwegen betraf. Dass ich am Anfang meiner Zeit kaum die Möglichkeit hatte, etwas außerhalb von Oslo zu sehen, fand ich schon sehr schade. Aber zum Glück sind die Zahlen im Frühling so weit gesunken, dass ich doch noch Einiges erleben konnte.

Ein Praktikum in Oslo? Eine klare Empfehlung!

Rückblickend kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, diese Zeit im Ausland verbracht zu haben, da es mir sehr geholfen hat darüber klar zu werden, was mir persönlich wichtig ist und wie ich meine Zukunft gestalten möchte. Ich möchte mich beim Bonifatiuswerk dafür bedanken, dass das Praktikum im Norden auch in diesen Zeiten stattfinden konnte und kann es nur wärmstens weiterempfehlen!

Elske

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