Ganz schön heiß - Tag 27

Am Nächsten Morgen hieß es wieder früh aufstehen, denn wir hatten schließlich beschlossen, die frühen Morgenstunden zu nutzen. Das war übrigens besonders wichtig an Tagen wie jenem, die vor Hitze nur so glühten. Das spürte man besonders auf der Straße der Langeweile, die den Wald gegen Mittag verließ um durch weite Felder weiter zu laufen, was bedeutete, dass wir der Mittagshitze erbarmungslos ausgesetzt waren und drohten wehrlos zu verbrennen. Doch die 50+ Sonnencreme, die wir aus Deutschland mitgebracht hatten, rettete uns.
Nach zwei Stunden in brennender Hitze erreichten wir endlich den Wald und zwei Kilometer später einen weiteren tollen Ort auf dem Pilgrimsleden. Denn am Wegrand hatte jemand eine Hütte aufgestellt, die total toll eingerichtet war und in der Pilger umsonst schlafen konnten. Wir beschlossen dort unsere Mittagspause zu machen und während wir Butterbrote aßen, begutachteten wir die Ausstattung des kleinen Hauses aufs Genauste. Was es da alles gab. An den Wänden hingen alte Pfannen und Töpfe, während neben mir auf einer Bank eine riesenhafte Teekanne stand, die man mit bestimmt 20 Litern Wasser füllen konnte. Mit Begeisterung entdeckten wir auch die Feuerstelle, über die sich ein Metallarm erstreckte, an dem eine vom Feuer geschwärzte Teekanne hing, die aber kleiner war, als die neben mir. Felix konnte nicht widerstehen und zündete ein Feuer an, denn neben der Feuerstelle gab es auch noch einen kleinen Holzschuppen, der neben der Pilgerhütte stand.

Lange standen wir noch um das Feuer herum und schauten andächtig in die Flammen hinein. Für einen kurzen Moment wirkte es so, als würden sich alle unsere Erlebnisse in den orangenen Flammen widerspiegeln. Die Erlebnisse von nun schon dreieinhalb Wochen der Wanderung. Wir verließen die Hütte nur ungern, denn es hatte geregnet und wir wussten nicht, ob es noch einmal anfangen würde. Zum Glück tat es dies fürs Erste nicht und so liefen wir zügig weiter. Wir passierten das Langklopp Fjelgård und waren nun schon fast bei der Herberge, in der Thomas geschlafen hatte. Plötzlich aber hörten wir Stimmen hinter uns und als wir uns umdrehten, sahen wir zwei Pilger hinter uns, die wir noch nicht kannten. Gespannt warteten wir auf sie und schnell erkannten wir, dass es sich um eine Frau und einen Mann handelte, die uns schon ihre Begrüßungen entgegenriefen als sie sich uns näherten. „You must be this young pilgrims from Germany!“, sagte die Frau ganz glücklich. „Yes I think so. But how do you know of us. We are so famous?“, fragte ich und lachte. „Tiziana was telling a lot about you. We met her yesterday before IMI-Stølen“, antwortete mir die Pilgerin deren Name Sahra war. Ihr Freund hieß Michelle und die beiden waren aus Milan, einer Stadt in Italien. Es war toll wieder neue Menschen kennen zu lernen, gab es doch wieder so viel zu erzählen und so wurde die Straße der Langeweile für einen kurzen Moment interessant. Kurz, weil die beiden Italiener uns nur bis nach Hæverstolen begleiteten, der Herberge, in der Thomas die letzte Nacht verbracht hatte. Danach hieß es Abschied nehmen, was wir wieder mit dem alt bewährten Satz "See you on the road" taten.

Und dann hatten wir es geschafft. Denn hinter Hæverstolen endete die Straße der Langeweile und der Olavsweg führte zurück auf abenteuerliche Waldwege, die uns zurück in das Märchenland Norwegen brachten, das wir so liebten. Lange liefen wir, überquerten Zauntreppen und scheuchten Schafe vom Weg, die uns einfach nicht vorbei lassen wollten.
Thomas hatte gesagt, er würde heute die Nacht in Nøgar Voll verbringen, einer Herberge, die zu den schönsten am Olavsweg zähle. Das mussten wir natürlich ausnutzen und so buchten wir drei Betten und frisch motiviert den letzten Teil unseres Tagesmarsches antraten. Nøgar Voll lag kurz vor Rennebu und war tatsächlich wunderschön. Glücklich betraten wir nach einer dreistündigen Wanderung den gemütlichen Hof. Thomas hatte uns schon am Eingang begrüßt und als wir von den Besitzern zu einem kleinen Gartentisch geführt wurden, wurden wir noch von Kathrin und Mathias begrüßt, den beiden Pilgern aus Potsdam. Mensch, hatten wir uns lange nicht gesehen. Dementsprechend gab es viel zu erzählen und während wir von all unseren Erlebnissen erzählten, servierte die Hofbesitzerin Eis und Kaffee.
Wir kamen auch auf das Angeln zu sprechen und der Mann von der Hofbesitzerin, der Hobbyangler war, wollte just an jenem Mittwochabend Angeln gehen. Da musste Felix natürlich dabei sein und durch Zufall hatte der nette Norweger sogar eine zweite Angelausrüstung, mit der Felix schon nach wenigen Minuten ausgestattet und bereit für richtiges norwegisches Angeln war. Während er mit dem Hofbesitzer in Richtung Fluss ging, zeigte ich dessen Frau unseren Blog, die ganz begeistert davon war und uns sicher immer noch verfolgt. Der restliche Abend war schön und ruhig und auch, wenn Felix dann doch nichts gefangen hatte, waren wir alle zufrieden. Auch weil wir Thomas wiedergetroffen hatten.

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Kommentare: 1
  • #1

    Judith Voce (Dienstag, 25 August 2015 22:15)

    Schön, euren Blogg weiter zu verfolgen. Da weiß ich, was mich nächstes Jahr erwartet.

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