Die Y-Kirche - Tag 28

Am nächsten Morgen liefen wir um neun Uhr los, denn die Besitzer von Nøgar Voll hatten im Pilgerzentrum von Rennebu Waffeln für uns vorbereitet. Und die durften natürlich nicht kalt werden. Bis zu Pilgerzentrum waren es nur wenige Kilometer und wir waren schnell, weil ausgeruht. Mit Thomas gingen wir vorher noch einmal einkaufen und dann genossen wir eine Stunde lang frische Waffeln.
So etwas Gutes hatten wir schon lange nicht mehr gegessen, denn man konnte die Waffeln mit verschiedenen Dingen bestreichen. Darunter Orangenmarmelade, Erdbeermarmelade, Schokoladencreme und Brunost. Oh Gott war das gut.
Nachdem wir satt waren, führte uns der Hofbesitzer von Nøgar Voll, der uns die Waffeln serviert hatte, zur Rennebu-Kirche und gab uns eine ausgiebige Führung.

Damit war die Rennebu-Kirche eine der ersten wirklich offenen Kirchen, die wir auf dem Weg aufgefunden hatten. Es machte uns glücklich die alten holzgezimmerten Hallen zu betreten, die schon Leute betreten hatten, die Zeiten erlebt hatten, von denen wir nur aus dem Geschichtsunterricht wissen. Doch lasst mich euch mehr über jene Kirche erzählen.
Die Rennebu-Kirche ist eine der letzten dreißig Y-Kirchen in Norwegen und damit noch seltener als die Stabkirchen. Die Y-Kirchen wurden von einem deutschen Architekten entwickelt und gebaut und heißen deshalb so, weil Schiffe und Altarraum zueinander stehen wie ein "Y". Wir waren beeindruckt von dem fremdartigen Baustil, der die Dreifaltigkeit symbolisiert und mir persönlich echt gut gefiel. Doch auch diese Kirche mussten wir verlassen und so waren wir gegen 11 Uhr wieder on the road.

Und dann kamen wir zu einem Hof, der uns überraschen sollte, überraschen sollte wie kein anderer zuvor, denn auf einer großen Weide hielt der Bauer zwei Elche, was für uns drei Deutsche natürlich absolut großartig war. Lange standen wir am Gatter und beobachteten die großen Tiere mit den Augen eines kleinen Jungen vor dessen Nase eine große Tafel Schokolade auftaucht. Ein unglaubliches Erlebnis.
Während wir weiterliefen schrieb ich mit Tiziana auf dem Handy und fragte sie, wo sie gerade sei. Sie antwortete, dass sie kurz hinter Ringebu wäre und zusammen mit einer netten Japanerin liefe. Als ich das hörte, sagte ich sofort den anderen Bescheid und gemeinsam beschlossen wir auf unsere kleine Freundin zu warten.

Wir machten eine Stunde Pause bis Tiziana uns mit der Japanerin, die sich als Hiromi vorstellte, einholte. Von diesem Moment an liefen wir dann wieder zusammen. Glücklich wieder vollständig zu sein und schnell waren wir auch mit Hiromi befreundet, denn sie war echt nett. Gemeinsam liefen wir durch das wunderschöne Orklatal in Richtung Skaun und bewunderten die tolle Natur um uns herum. Nach einigen Stunden machten wir gemeinsam Mittagspause auf einer leeren Weide und aßen zusammen typische norwegische Lebensmittel, wie das Kartoffelbrot Lumpa oder dem Braunen Ziegenkäse Brunost. Doch wir blieben nicht lange allein, denn die Bewohner der Weide waren doch zu Hause. Wir hatten sie nur nicht gesehen, weil sie hinter einem Hügel gegrast hatten. So kam es, dass plötzlich eine ganze Kuh-Herde auf uns zu kam und alsbald neugierig an unserem Essen roch. Respektvoll wichen wir erst zurück, obgleich die Tiere ja nicht gerade klein waren, doch schlussendlich stellten sie sich dann als absolut harmlos heraus und während wir sie fütterten, machte Hiromi viele viele Fotos. So wie das Japaner eben so machen ;)

Thomas und wir wollten bis Meldal laufen und so war der Gang zur Herberge von Hiromi und Tiziana eigentlich nur für eine kleine Pause mit den beiden gedacht. Doch auf dem Hof Segard Hoel gefiel es uns so gut, dass wir einstimmig beschlossen zu bleiben. Thomas kam sogar noch auf die tolle Idee den Besitzer zu fragen, ob man vielleicht ein Zelt im Vorgarten aufstellen könne und nach einigen Telefonaten willigte er tatsächlich ein.
Wir zahlten nur 100nok für die Nacht im Zelt und konnten aber trotzdem alles nutzen, was Tiziana, Thomas und Hiromi nutzten. Küche, Dusche, Waschmaschine. Wir waren alle glücklich und zum Abendbrot machte Felix Würstchen mit Spiegelei, was den Aufenthalt in der Herberge zu einem der wirklich schönen machte.

Am nächsten Morgen wachten wir spät auf und während wir drei uns verschlafen Frühstück machten, waren Tiziana, Hiromi und Thomas schon vor uns gegangen. Nur einen Zettel hatten sie uns hinterlassen, auf dem sie fragten, ob wir gut geschlafen hatten und erzählten, dass sie schon um 9 Uhr gestartet waren. Wir kamen erst um 12 Uhr los und liefen dann, noch etwas verpennt, zum Olavsweg zurück. Der Tag verlief ereignislos und das einzig interessante waren die schöne Natur und ein echt gutes Mittagessen In Meldal.
Die Sonne brannte wieder einmal und als wir hinter Meldal den Hang hinauf sollten, kam mein Kreislauf ganz schön ins Strudeln. Doch auch diese Hürde meisterten wir und so kam es, dass wir nach 18 Kilometern schon den Ort erreichten, der das Ende unseres Tagesmarsches bezeichnen sollte.

Denn wir hatten am Wegesrand eine Hütte entdeckt, die breite Bänke für Isomatten und eine Feuerstelle bot, was perfekt für uns war. Auch in Anbetracht der Tatsache, dass wir sehr wohl wussten wie teuer Trondheim werden würde und, dass wir, wenn wir nicht langsamer liefen, viel zu früh dort ankommen würden. Es wäre schade, müssten wir dann noch einmal aus Trondheim raus, weil wir nicht genug Geld hätten.
Doch von der windigen und schlaflosen Nacht in jener Hütte möchte ich morgen erzählen und bis dahin verabschiede ich mich und Grüße euch auch von Felicia und Felix.

Bis bald,
Konrad

 

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