Ta det lugnt! - Immer mit der Ruhe!

Wir (Katharina und Anna) hatten ja bereits angekündigt, dass es in dieser Woche wieder für uns auf Reisen ging. Dieses Mal war unser Ziel „Stiftelsen Berget“ in Rättvik in der schwedischen Region Dalarna, wo die bekannten roten Holzpferde herkommen. Die drei Tage waren für uns auf verschiedene Weise lehrreich. Üben konnten wir uns auf den Gebieten: öffentliche Verkehrsmittel in Schweden, Geduld und Gelassenheit. „Ta det lugnt! – Immer mit der Ruhe!“ – dieses Motto der Schweden konnten wir selbst erproben. Denn schon der Beginn unseres Ausflugs war spannend. Aufgrund eines Zugunfalls war nämlich von Montagmorgen bis Mittwochabend beinahe der gesamte Zugverkehr in der Region Uppsala/Stockholm eingestellt. Dazu ein kleiner ironischer Kommentar unserer Praktikantin Katharina:

>>Von Erfahrungen mit dem schwedischem Bahnverkehr - das Stichwort ist Geduld.

Die Fahrt nach Rättvik sollte keine Ewigkeit in Anspruch nehmen, eigentlich zumindest. Andererseits, wie sollte man denn herausfinden, ob man Nerven wie Drahtseile hat, wenn es um Verspätungen und Zugausfälle geht. Im Gegensatz zur Deutschen Bahn, die wenigstens Bescheid gibt, wann der Ersatzbus für den ausgefallenen Zug kommt und regelmäßig die Minutenzahlen erhöht, wenn die Verspätung andauert, standen wir uns wortwörtlich so lange die Beine in den Bauch, dass die Gemütslage von unwissender Ungeduld zu Gleichgültigkeit umschlug. Der Bus kam um die Zeit, zu der wir, laut Zugfahrplan, in Rättvik hätten ankommen sollen und holte eine Gruppe ab, die mittlerweile aus drei nicht abgefahrenen Zügen bestand. Sieben Reisestunden später, nach zweimaligem Umsteigen und enormer Planlosigkeit war die Tagestour dann beendet.

Es grüßt, die Geduld. Expertentraining seitens der Deutschen Bahn.<<


Die St. Davids Kapelle in Berget.
Die St. Davids Kapelle in Berget.

Der einzige Trost auf dieser ewig dauernden Reise war allerdings die wunderschöne Aussicht aus den Busfenstern. Denn in Dalarna zeigt sich Schweden von seiner besten Seite mit roten Häusern, vielen Wäldern und Seen. Als wir unser Ziel endlich erreicht hatten, wurden wir sehr herzlich von den Mitarbeitern auf „Stiftelsen Berget“ empfangen.

 

„Stiftelsen Berget“ ist eine ökumenische Kommunität, die seit 1994 in Form einer Stiftung besteht. Sie betreibt zum einen ein Retreat- und zum anderen ein Meditationshaus, in denen das ganze Jahr lang verschiedene Kurse angeboten werden. Auch die Jesuiten aus Uppsala und Bischof Anders sind dort häufig zu Besuch oder bieten selber Kurse an. Wir haben drei Tage lang im „St. Davidsgården“, dem Retreathaus gewohnt und durften auch ein wenig in das Programm der Retreat-Gäste hineinschnuppern. Was nicht immer so leicht war, denn es hieß für uns: 48 Stunden lang fast ausschließlich stillschweigend verbringen! Eine interessante Erfahrung, die man mit sich selbst macht.

 

Der Tagesablauf sieht so aus: Wecken durch Glocken und Gesang, Messe, Frühstück, Tagesimpulse, Gebet, Mittagessen, freie Zeit, Bibeleinführung oder Vortrag, Gebet, Abendessen, Zeit für sich, Teestunde, Gebet. Das gesamte Haus bietet eine sehr ruhige Atmosphäre, die einem die Außenwelt völlig vergessen lässt und das ständig brennende Feuer im Kamin verbreitet eine sehr gemütliche Atmosphäre. „Stiftelsen Berget“ besteht zudem aus verschiedenen kleineren und größeren Nebengebäuden und liegt etwas abgelegen umgeben von viel Wald und in Nähe des Siljansees. Wunderschön und etwas schwer zu beschreiben! Die Stimmung dort muss man wohl am besten selbst einmal erleben. Es war wirklich einmalig und beeindruckend.

 

Katharina und ich haben auch ein wenig mitgearbeitet und draußen Laub zusammengekehrt. Hier leben immer mehrere Praktikanten, die für mehrere Monate oder ein Jahr in der Küche und im Garten mitarbeiten. Zudem hatten wir die Gelegenheit uns mit ein paar Mitgliedern der Kommunität „Heilige Dreifaltigkeit“, die „Berget“ betreibt, zu unterhalten. Die Kommunität schreibt hier in der kirchlichen Presse Schwedens zur Zeit nämlich Schlagzeilen, da alle Mitglieder nächstes Jahr Ostern zum katholischen Glauben konvertieren werden und auch ihr Priester zum katholischen Priester geweiht werden wird! Fast ein wenig unglaublich, wenn man überlegt, dass hier in Schweden eine Diaspora-Situation herrscht und in Deutschland gerade wohl eher das Gegenteil geschieht. Auch nach längerer Zeit in Schweden finde ich die hohe Zahl der Konvertiten hier immer wieder erstaunlich!


Nachdem wir uns 48 Stunden in „Ta det lugnt!“ üben konnten, fanden unsere neuen Kenntnisse von Gelassenheit und Geduld bei Antritt der Rückreise nach Uppsala sofort praktische Anwendung. Während wir 48 Stunden lang ohne Internet, Zeitung, Radio und Gespräche von der Außenwelt abgeschirmt verbracht hatten, mussten wir leider feststellen, dass die schwedische Bahn in dieser Zeit ihre Probleme nicht lösen konnte… die Züge fuhren immer noch chaotisch, aber alles schien zumindest etwas mehr organisiert. Und so hatte uns nun bereits nach vier Stunden und dreimaligem Umsteigen Uppsala wieder. Wir nehmen es mit Gelassenheit und Geduld ;-)


„Ta det lugnt!“ – vielleicht eine kleine Inspiration für jeden von uns! In diesem Sinne wünschen wir eine ruhige Woche! Bis zum nächsten kleinen oder großen Abenteuer,

 

Anna & Katharina

 

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