1½ Jahre am Newman Institut in Uppsala

Ruth Henkenius berichtet von ihren Erfahrungen

Ruth (links) mit ukrainischen Erasmus-Studentinnen.
Ruth (links) mit ukrainischen Erasmus-Studentinnen.

Im Februar 2015 begann ich mein einjähriges Praktikum über das Bonifatiuswerk am Newman Institut in Uppsala. Anders als bei meinem ersten Praktikum in 2014, welches ein halbes Jahr dauerte, bin ich dieses Mal nur zu 50 % Praktikantin. Die restliche Zeit habe ich mit einer Arbeitstätigkeit innerhalb eines neuen Projektes am Newman Institut ausgefüllt. Das Newman Institut ist eine vom Jesuitenorden gegründete Hochschule für Theologie, Philosophie und Kulturwissenschaften. Sie liegt im Zentrum der wunderschönen Universitätsstadt Uppsala und ist die einzige katholische Hochschule in Skandinavien. Nicht nur aufgrund dessen ist das Newman Institut ein ganz besonderer Ort. Gegenüber vom Newman Institut liegt die kath. Kirche St. Lars mit ihrem Gemeindehaus und dem Haus der Mariaschwestern. 

Jeden Tag wird in St. Lars eine Messe gefeiert. Die Sonntagsmorgen Messen, an denen ich für gewöhnlich teilgenommen habe, waren jedes Mal sehr gut besucht, sodass jeder Platz in der Kirche besetzt war und für einige Messbesucher nur ein Stehplatz blieb. Das Kirchenbild, welches ich von der katholischen Kirche in Uppsala bzw. Schweden habe, ist bunt, lebendig, modern, wachsend und alltäglich. Dazu mag es vielleicht merkwürdig klingen, dass ich die Schwedischen Katholiken als „frommer“ bezeichnen würde, als die Katholiken in Deutschland. Aber so war mein Eindruck.

Meine Aufgaben und Verantwortlichkeiten am Newman Institut waren sowohl als Praktikantin als auch als Teil eines Arbeitsprojektes sehr vielfältig. Da das Newman Institut und die Gemeinde St. Lars von den Jesuiten in unterschiedlichen Bereichen geführt wird, wurde ich für meine Aufgaben am Newman Institut überwiegend von ihnen mitgenommen und angeleitet. Regelmäßig wurde ein Abendessen im sogenannten „Finrum“ zu Deutsch „schöner Raum“ von der Redaktion der katholischen Zeitschrift „Signum“ abgehalten. Meistens habe ich mit einer/m anderen Praktikantin/en Essen vom Cateringservice in Empfang genommen oder abgeholt und den langen Tisch im hell erleuchteten, mit Kronleuchter ausgestatteten „Finrum“ gedeckt.

Seit 2014/2015 besitzt das Newman Institut ein Waldstück in der Nähe von Uppsala, welches unter anderem für ein neues Projekt als Lehrmittel am Newman Institut genutzt werden soll. Seit Beginn meines Praktikums bin ich dort schon öfter mit Pater Philip, einigen Studenten und Praktikanten gewesen, um umgefallene Bäume, die Pater Philip vorher mit der Motorsäge zerkleinert hat, aus dem Wald zu transportieren. Das hat trotz der körperlichen Anstrengung jedes Mal einen „Heidenspaß“ gemacht.

Im Juni 2015 überzeugte mich Pater Philip, gemeinsam mit ihm, Pater Fredrik und meiner Kollegin Malin an einem Kurs zum Erwerb des Motorsägenführerscheins teilzunehmen. Bis dahin dachte ich eigentlich, dass Motorsägen doch eher etwas für Männer sind. Naja, aber hätte ich da gewusst, wie viel Spaß es macht mit einer Motorsäge zu arbeiten, hätte Pater Philip mich keine Sekunde überzeugen müssen. Das Waldstück liegt in der Nähe von Uppsala und dort wollten wir durch das Abholzen einiger Bäume sowohl für den Erhalt des Waldes als auch für die Produktion von Feuerholz für die kalten Winter in Marieudd sorgen. Ein Motorsägenführerschein in Schweden – das war mit Abstand das Verrückteste was ich in diesem Jahr gemacht habe. Seit 2015 ist es in Schweden gesetzlich verboten ohne Führerschein eine Motorsäge zu benutzen. Also alle schwedischen Waldarbeiter und die, die es werden wollen, müssen ab diesem Zeitpunkt einen Motorsägenführerschein machen, so wie wir.

Ende Juni haben Patricia und ich uns mit Pater Christoph und Pater Ulf auf den Weg nach Gotland zur sogenannten „Almedalswoche“ gemacht. Die jährliche „Almedalswoche“ oder auch Politikerwoche genannt ist eine große Veranstaltung bei der sich schwedische Parteien sowie Interessensorganisationen, Unternehmen und zahlreiche Medien in Visby, der Hauptstadt Gotlands treffen, um sich dort über Politik und Gesellschaftsfragen auszutauschen.

Pater Christoph meinte, Gotland würde in dieser einen Woche rund 30.000 Besucher erwarten. Und das Newman Institut hatte ebenfalls einen Stand oder besser gesagt ein ganzes Zelt, um dort an drei Tagen Diskussionsrunden über verschiedene Themen anzubieten. Neben dem Erkunden von Visby und den zahlreichen Eindrücken der turbulenten Almedalswoche, haben Patricia und ich uns um Kaffee und Tee, sowie an einem Abend um Fingerfood gekümmert. Zahlreiche Almedalsbesucher und Gemeindemitglieder der ca. 100 Katholiken auf Gotland haben wir in dieser Zeit kennenlernen dürfen. Bei einem so riesen großen schwedischen Event dabei zu sein, war einfach ein fantastisches Erlebnis. Nach den drei Arbeitstagen haben Patricia, Pater Christoph und ich noch einen entspannte Ausflug zur Südspitze Gotlands und auf die Insel Fårö, die nördlich von Gotland liegt, gemacht.

Desweiteren gehörte zu meinen Aufgaben am Newman Institut die Vermietung und Instandhaltung des Sommerhauses Marieudd, sowie die Mithilfe bei der Gestaltung und Durchführung der Einführungswoche für die neuen Austauschstudentinnen aus der Ukraine. In dieser Einführungswoche im Januar 2016 waren wir unter anderem in Marieudd, bei sage und schreibe -25 Grad! Bevor wir überhaupt nach Marieudd aufbrechen konnten, musste unser Hausmeister mit einem weiteren Angestellten erstmal den Kofferraum unseres Autos, mit Hilfe eines „Föhns“, enteisen. Das war ebenfalls ein einmaliges Erlebnis!

Bei all meinen Tätigkeiten hatte ich eine Menge Spaß und durfte unglaublich viele, liebe und interessante Menschen kennenlernen, die ich sicher nie vergessen werde. Ich bin sehr dankbar für all diese Erfahrungen, die mein Leben bereichert haben!

- Ruth Henkenius

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