Abschlussbericht von Sarah Didden

Sarah Didden (2. v. r.) und ihre Mitpraktikanten mit ihren Praktikums-Urkunden.
Sarah Didden (2. v. r.) und ihre Mitpraktikanten mit ihren Praktikums-Urkunden.

Drei Monate habe ich in Schweden, genauer gesagt in Uppsala, gelebt und gearbeitet. Für drei Monate bin ich in eine ganz neue Welt, fast in ein neues Leben eingetaucht und konnte meinen gewohnten Alltag hinter mir lassen und mir hier etwas Neues aufbauen. Abgesehen davon, musste ich auch die katholische Kirche in Deutschland hinter mir lassen. Fast jeder Dritte ist in Deutschland katholisch, nur 1,5 % sind es in Schweden. Viele Katholiken in Schweden sind Einwanderer und Konvertierte.

Den einen Teil meines Praktikums im Norden habe ich im Pastoralcentrum Johannes Paulus II gemacht. Dort sind verschiedene Arbeitsgruppen und Ausschüsse wie die Caritas, der katholische Schulrat, die katholische Zeitschrift, Missio und einige mehr vertreten. Hier habe ich bei KPN (Katolska Pedagogiska Nämnden) mitgeholfen. Das Besondere daran ist, dass es glaube ich keine vergleichbare Stiftsorganisation in Deutschland gibt, da die Situation des Religionsunterricht an Schulen in Schweden ganz anders ist. In Schweden gibt es keinen konfessionellen Religionsunterricht an Schulen. KPN hat deshalb den Auftrag des Bischofs, die lebenslange Katechese im Bistum zu unterstützen und zu entwickeln, vor allem durch die Herausgabe von katechetischen Materialien und durch Fortbildungen ehrenamtlicher Katecheten.

Sarah Didden (links) mit Ulrika Erlandsson.
Sarah Didden (links) mit Ulrika Erlandsson.

KPN hat sechs Mitarbeiter, die für alle 44 Gemeinden in Schweden zuständig sind und diese bzw. die Katecheten dort unterstützen. Für die Kinder und Jugendlichen gibt es in Schweden von der 1. bis 9. Klasse das Angebot, regelmäßig am Katechetenunterricht teilzunehmen. Auch Fahrten und Ausflüge werden hierüber für die Kinder angeboten. Ulrika Erlandsson, Vorsitzende von KPN, lobt das hohe Engagement der Laien und ihren fantastischen Einsatz. Denn ohne ihre Arbeit wäre Katechese im Bistum Stockholm, dem einzigen in Schweden, nicht möglich. „Die Gemeinden in Schweden haben eine sehr hohe Verantwortung für die religiöse Schulung der Kinder und die Einführung in den Glauben. Das müssen die Priester hier nicht alleine schaffen, sondern ihnen stehen die ehrenamtlichen Katecheten zur Seite“, hat mir Ulrika Erlandsson erzählt.

Katholische Kirche zeigt Präsenz.
Katholische Kirche zeigt Präsenz.

Die Wichtigkeit und Wertschätzung der Katecheten habe ich während meines Praktikums wirklich spüren können. Eine meiner Aufgaben war es, ein Katechetenheft zum Thema „Heilige“ zu digitalisieren und neu zu layouten. Die Hefte sind sehr liebevoll gestaltet und KPN legt wirklich wert auf Details. Die Bilder müssen stimmig zum Text sein und sollen den Inhalt des Textes unterstützen und lebendiger machen. Einige Bilder werden dort sogar selber extra für die einzelnen Hefte gezeichnet. Doch nicht nur das Aussehen, sondern auch der Inhalt und die Vermittlung sind sehr wichtig. Spielerisch, und einfach, aber dem Alter entsprechend, werden den Kindern die einzelnen Themen in den Heften näher gebracht. Diese Hefte sind aber auch besonders für die Katecheten hilfreich, da sie einen Leitfaden vorgeben, die Themen bereits aufgearbeitet sind und sich auch viele Bastel- und Spielideen finden lassen. KPN ist es wichtig, dass sich die Katecheten unterstützt fühlen bei ihrer Arbeit.

Ich selber habe mich bei KPN direkt wohl und herzlich willkommen gefühlt. Trotz der teilweise vorhandenen Sprachbarrieren, haben sich alle um mich gekümmert, waren sehr interessiert und haben meine Arbeit dort wertgeschätzt. Abgesehen von dem Katechetenheft, das ich überarbeitet habe, habe ich beim Verschicken von Bücherpaketen in einzelne Gemeinden geholfen und eine Spielesammlung für Kinder für die neue Homepage von KPN erstellt.

Sarah Didden (links) mit Lena Puscher am Grill.
Sarah Didden (links) mit Lena Puscher am Grill.

Ein Highlight während meines Praktikums bei KPN war auf jeden Fall das Sommerabschlussfest mit dem Bischof. Hier kamen alle kirchlichen Mitarbeiter des Bistums Stockholm zusammen, haben mit dem Bischof Messe gefeiert und gemeinsam gegrillt. Die Stimmung insgesamt war total fröhlich und gut, und ich glaube, dass jeder Mitarbeiter wusste, wie sehr seine Arbeit geschätzt wird und wie wichtig diese auch für die katholische Kirche in Schweden ist. Der Bischof hat sich sehr „volksnah“ gegeben und mit jedem geredet und wusste genau, welche Mitarbeiter neu waren und welche schon länger für die katholische Kirche arbeiten.

Sarah Didden (links) im Secondhandladen Erikshjälpen.
Sarah Didden (links) im Secondhandladen Erikshjälpen.

Mein zweites Praktikum habe ich wie alle Praktikanten in Uppsala im Secondhandladen „Erikshjälpen“ gemacht. Der Laden ist auf die Spenden von anderen Leuten angewiesen und verkauft ihre gebrauchten Sachen wieder weiter. Neben Kleidung gibt es dort auch Kinderspielzeug, Haushaltswaren, Elektrowaren, Bücher, DVDs, Möbel und einiges mehr. Mitten im Laden wird zusätzlich noch ein kleines Café betrieben, was bei den Kunden sehr beliebt ist. Die Erlöse des Ladens gehen an Hilfsprojekte in Schweden und Afrika. Erikshjälpen hat zwar primär nichts mit der katholischen Kirche zu tun, doch die soziale Einstellung und das ehrenamtliche Engagement sind auch hier zu finden. Viele der Mitarbeiter kommen mehrmals die Woche für ein paar Stunden, ohne dafür bezahlt zu werden. Abgesehen davon, dass das ganze Konzept hinter Erikshjälpen sehr sozial ist, sind auch die Mitarbeiter untereinander sehr aufgeschlossen und freundlich zueinander, obwohl man dort einen wirklich bunt zusammengewürfelten Haufen an Mitarbeitern vorfindet. Neben den Festangestellten befinden sich dort Praktikanten aus verschiedenen Ländern, Studenten, die besonders im Sommer mithelfen, Leute mit körperlicher oder geistiger Behinderung, aber auch Menschen, die Sozialstunden ableisten müssen oder im Gefängnis saßen. Erikshjälpen möchte für alle eine Arbeitsstätte bilden, um zu zeigen, dass wirklich jeder und jede Hilfe gebraucht wird.

„Diaspora“, habe ich gedacht als ich nach Schweden kam, „ob die Kirche da wohl voll wird? Ob pastorale Mitarbeiter da überhaupt viel Arbeit haben? Können die Katholiken in solch einer Minderheit überhaupt zu ihrem Glauben stehen?“

Diaspora? Wird da die Kirche voll?
Diaspora? Wird da die Kirche voll?

JA! Katholik zu sein, ist in Schweden auf der einen Seite sicher nicht einfacher als in Deutschland, allein schon aus dem Grund, dass die Gemeinden über das ganze Land verteilt sind und es sein kann, dass man 80 bis 100 km oder teilweise mehr von der nächsten Gemeinde entfernt ist. Dennoch sind die Kirchen in der Sonntagsmesse sehr gut besucht und es geht lebendig zu. Die Katholiken hier habe ich als sehr fromm wahrgenommen, aber auch so, dass sie sehr zu ihrem Glauben stehen und damit auch gerne rausgehen und anderen „Nicht-Katholiken“ davon erzählen. Im Schnitt ist die Kirche hier sicher etwas jünger, was wohl auch mit den Einwanderern und Konvertierten zusammenhängt. Als „multikulti“ hat auch Ulrika Erlandsson die katholische Kirche hier in Schweden beschrieben.

"Ich konnte hier wirklich unglaublich viel mitnehmen aus dem Gemeindeleben und natürlich auch aus meinem Praktikum in Stockholm."
"Ich konnte hier wirklich unglaublich viel mitnehmen aus dem Gemeindeleben und natürlich auch aus meinem Praktikum in Stockholm."

Ich konnte hier wirklich unglaublich viel mitnehmen aus dem Gemeindeleben und natürlich auch aus meinem Praktikum in Stockholm im Pastoralcentrum Johannes Paulus II. Die katholische Kirche ist in Schweden im Wachstum, und die Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer sind hoch motiviert, dieses Wachstum zu steigern und anhalten zu lassen. Es ist durchaus möglich in solch einer Religionsminderheit zu leben und trotzdem ein aktives und buntes Gemeindeleben zu führen und den Glauben noch weiter zu verbreiten. Diaspora in Schweden – ich habe es mir ganz anders vorgestellt und wurde von der Überzeugung, Freude und Gemeinschaft der katholischen Kirche Schwedens positiv überrascht!

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