Ostern und das Ende der Zeit

Marcel Fischer holt Gäste am Flughafen ab
Marcel Fischer holt Gäste am Flughafen ab

Immer mehr realisiere ich die Tatsache, dass sich mein Praktikum hier in Schweden dem Ende neigt. Ende...aber es hat doch gerade erst begonnen, oder nicht?

 

 

Ich weiß noch, als wäre es gestern gewesen, da ich hier am örtlichen Bahnhof ankam und es direkt anfing zu regnen. Gott sei es gedankt bin ich nicht abergläubisch, sonst hätte man es fast schon als Omen deuten können.

 

Die Erinnerung an die Tatsache, dass es enden wird und es nicht von Dauer sein wird, führt dazu, dass ich beginne meine Zeit bewusster zu reflektieren. Was habe ich gelernt, mitgenommen oder abgelegt in Schweden? Wo bin ich gewachsen, wo muss ich noch weiterhin an mir arbeiten?

 

 

Es kommen mehr und mehr Erinnerungen hoch, die anfangs noch sehr verschwommen waren, als wäre es Jahrzehnte her. Doch nun scheint es mir, diese „Flashbacks“ werden immer klarer und klarer und rufen mir all die kleinen großartigen Momente wieder in die Erinnerung, die ich erlebt habe.

 

Exerzitien vor Ostern

 

Diese Erinnerung des Endes habe ich auch in die Exerzitien (eine Art zeitlich begrenzter Rückzug in die Stille, um seine Beziehung zu Gott und zu sich selbst zu reflektieren und zu vertiefen) mitgenommen, die ich in der Woche vor Ostern in Stockholm absolvieren durfte.

Christus war tot. Er war gestorben für uns. Es endete scheinbar. Doch Gottes Verheißungen sind größer, ja großartiger als all unsere Ängste, Erwartungen und Befürchtungen. Es war Gottes Verheißung, die Ihn dazu brachte seinen geliebten Sohn vom Tode zu erwecken und die Macht des Todes für immer zu brechen.

 

Also steht am Ende nicht wirklich das Ende und die Angst. Am Ende siegt das Vertrauen und die Treue. Die Treue, dass Gottes Handeln in dieser Welt alle Erwartungen sprengt, wenn wir ihm unsere Ketten hinhalten. Dabei kommt mir ein bekanntes Kirchenlied in den Sinn, dass auch hier in Schweden gesungen wird, in dem es heißt: Der Tod ist tot, das Leben lebt!

 

Aber was hat das alles bitte mit meinem Praktikum zu tun? Abgehen von der Tatsache, dass ich, dass wir hier als Christen im Norden leben und die Auferstehung der absolute Kern unserer Botschaft ist, ist es auch eine Botschaft der Hoffnung im Kleinen. Nicht nur Tod und Sünde sind vernichtet für alle Zeit. Nicht nur, dass die „Pforten des Himmels“ geöffnet wurden. Nein, die Auferstehung hat auch im Kleinen seine Bedeutung. Denn meine anfängliche Traurigkeit ist vergangen. Natürlich war ich traurig, dass ich diesen Ort wieder verlassen muss. Doch Ostern ruft in mir wieder wach, dass am Ende immer Hoffnung steht. Alles endet irgendwann in dieser Welt, ja wir leben eigentlich schon in der angebrochenen Ewigkeit, also im Ende. So auch mein Praktikum.

 

Trauer oder Freude?

 

Also habe ich jetzt die Wahl: traurig zu sein über das Vergehende oder sich zu freuen über das, was mir hier geschenkt wurde. Denn dieses „Gegebene“ werde ich mitnehmen auf meinem Weg zum Priesteramt. Denn am Ende ist das Sehnen meines Herzens Christus als Priester zu folgen, ihm zu dienen und sein Evangelium vor den Menschen zu bezeugen. Es ist nicht mein Ziel gewesen Schwede zu werden, so erstrebenswert das auch sein mag.

Und es hat mich viel gelehrt, hier gewesen zu sein. Ich habe viel gesehen und erlebt, und viele neue Menschen getroffen.  Ich habe sehr gute, aber auch weniger gute Erfahrungen gemacht. Doch ist das nicht das Leben? Ist es nicht naiv zu meinen, dass sich das Leben in ein Paradies verwandelt, nur weil man in einem anderen Land lebt? Ganz im Gegenteil. Die fremde Sprache, die fremde Kultur (sie ist weit fremder als es erst mal den Anschein hat!), ja die Ferne an sich, sind für jeden jungen Menschen große und wahrscheinlich neue Herausforderungen, die nicht immer im Applaus enden. Manchmal enden diese Herausforderungen auch im zu Boden fallen. Doch Christus lehrt uns, dass es nicht darauf ankommt, dass wir fallen, sondern vertrauend auf Gottes Führung und Erbarmen aufstehen und daraus lernen. In der biblischen Sprache nennt man das Umkehr. Umkehr zu Gott. Jetzt und Hier. Das Heute ist auch der Moment, in dem wir uns entscheiden wieder aufzustehen.

So wachse ich mit dem Leben hier, dass auch schwierig ist, wie es das Leben überall ist. Es gibt Hoch- und Tiefpunkte. Hat man diesen Fakt einfach mal akzeptiert, kann man, kann ich dieses Jahr in Frieden ausklingen lassen: freudig zurückblickend und voll Freude auf das Kommende.

 

 

 

 

 

Schwedische Ostern: eine Inspiration

 

Zuletzt will ich noch etwas über meine Erlebnisse an Ostern in St. Eugenia in Stockholm erzählen.

Zunächst kann ich sagen: ich habe noch nie so viele Menschen in einer Pfarrkirche gesehen. Das ist verrückt: Hunderte kommen zu dem Gottesdienst an den Ostertagen, besonders zu Karfreitag, wenn das gefühlt 100 Kilogramm schwere Kreuz in die Kirche getragen wird. Wenn die Kreuzverehrung plötzlich eine kleine Ewigkeit dauert. Es ist zutiefst beeindruckend zu sehen, wie stark der Glaube der Menschen hier ist. Es ist eine tiefgreifende Erfahrung, ja ich würde sogar sagen, es ist für mich eine Inspiration.

 

Oder wenn in der Osternacht das Osterfeuer IN der Kirchenhalle angezündet wird, wie die Menschen bis zur Eingangstür (20-25 Meter vom Eingang der Kirche selbst) stehen und dort stehen bleiben: drei Stunden lang stehen bleiben und singen, beten und preisen. Es ist inspirierend, wie überzeugend und stark die Menschen die Osterbotschaft hinaus rufen nach dem furchtbaren Terroranschlag in Stockholm. Christus ist erstanden! ER ist wahrhaft auferstanden! Es ist keine Illusion, kein Wunschdenken und kein Traum. Er ist wirklich von den Toten erstanden. Er, der wirklich tot war, lebt nun wieder in Gottes Herrlichkeit. Diese ewige Hoffnung für alle Menschen wird bezeugt von tapferen Menschen, die dem Bösen und dem Schrecken dieser Welt mutig und vertrauend zurufen: Du erzeugst Angst und Schrecken, und ja, es wirkt. Doch am Ende ist deine Macht gebrochen, die Ketten des Bösen sind mit Christi Auferstehung endgültig zerrissen. Denn die Ewigkeit steht uns offen. Sie ist hier. Jetzt.

Was für ein Anblick! Was für eine Glaubensfreude, wenn man sieht wie die Menschen voll Freude ausrufen: Der Herr ist auferstanden, „Hallelühja“. 

Wie kleingläubig ich mir plötzlich vorkam! Doch die Exerzitien gaben mir viel Energie, sodass es mir anderseits die „Energie“ gab ebenfalls voll Freude und ohne jeden Zweifel einzustimmen. Eine Freude, die ich jetzt noch fühlen kann. Eine Freude, die halten wird. Denn Sie ist, wie ich glaube, ein Geschenk des Heiligen Geistes.

 

 

Schöne Grüße aus Uppsala!

- Marcel Fischer

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