"Es hat mich an den richtigen Ort verschlagen!" - Abschlussbericht von Hannah Olbrich

Hannah Olbrich bei der Feier der Sommersonnenwende
Hannah Olbrich bei der Feier der Sommersonnenwende

Ich habe im letzten Jahr zehn Monate in Lettland verbracht. Mehr durch Zufall und den Rat einer Freundin hatte es mich dorthin verschlagen.

Ich wusste nicht genau was auf mich zukommt und schon gar nicht wie ich mit der neuen Lebenssituation klarkommen würde. Arbeiten, statt lernen, selber kochen, statt nur Tischdecken und völlig neue Dinge entdecken, statt jeden morgen den gleichen Weg zur Schule zu fahren. Doch genau so ein kleines Abenteuer habe ich gesucht.

Das besondere an dem Praktikumsort Riga ist, dass ich wirklich komplett frei war in dem was ich gemacht habe.  Dadurch habe ich viel Verschiedenes ausprobiert.

Praktikumsbeginn in Estland

Zunächst einmal war ich für sechs Wochen in Estland einem Nachbarland Lettlands. Dort habe ich im katholischen Gymnasium Tartus gelebt und gearbeitet. Während meiner Zeit dort habe ich die Deutschlehrerinnen in ihrem Unterricht und den verschiedenen Deutsch-AG’s unterstützt. Auch gelegentliche Vertretungen, dann auf Englisch, und in der Schulküche helfen gehörten dazu. Abgesehen davon ist Tartu eine Studentenstadt mit vielen Erasmusstudenten und ich habe mich in der Stadt auf Anhieb wohl gefühlt. Auch die nette Altstadt und der Schnee im Oktober haben dabei geholfen.

Junge Leute - alte Leute

Das Rathaus in Tartu, Estland
Das Rathaus in Tartu, Estland

Wieder zurück in Riga ging das Praktikum erst richtig los. Begonnen habe ich im deutschen Kindergarten. Dadurch, dass es ein „deutscher“ Kindergarten ist, war die Sprache kein Problem und ich habe mich schnell zurecht gefunden. Kindergärtnerin ist ein Beruf,  der nur allzu leicht unterschätzt wird. Doch nach ungefähr einem halben Jahr, in dem ich genau das gearbeitet habe wie meine Kolleginnen dort, wird mir das nie passieren. Doch die süßen Kinder und die netten Kollegen entschädigen einen für die Arbeit mehr als genug.

 

Fast zeitgleich habe ich begonnen im Familienzentrum der katholischen Kirche zu arbeiten. Ich habe dort für die gesamte Dauer meines Praktikums Deutschunterricht für Senioren gegeben. Alterstechnisch war das der genaue Gegensatz zum Kindergarten. Ohne jede Erfahrung darin wie man unterrichtet, sieht man mal von den 12 Jahren als Schülerin ab, habe ich dort angefangen. Am Anfang war ich doch immer sehr aufgeregt vor den Stunden. Reicht das Material das ich vorbereitet habe? Ist es zu schwierig, was ich geplant habe? Ist es vielleicht viel zu langweilig? Doch mit der Zeit habe ich mir darüber keine Gedanken mehr gemacht. Ich wusste ungefähr worauf es ankommt. Ich bin vielleicht keine perfekte Lehrerin gewesen, aber ich habe mein Bestes gegeben und meinen ganzen Kurs ins Herz geschlossen. Spätestens nach meiner kleinen Abschiedsfeier, konnte ich mit Gewissheit sagen, dass das auch auf Gegenseitigkeit beruhte.

Das Highlight des Jahres: Taizé-Treffen zu Silvester

Zusätzlich zu meinen „normalen“ Praktikumsstellen kam letzten Winter noch die Vorbereitung des Taize-Treffens dazu. Zu diesem Jugendtreffen über Silvester kamen 12 000 Jugendliche aus ganz Europa. Ein so großes Treffen muss natürlich von langer Hand geplant werden. Dabei halfen unter anderem auch viele Freiwillige die in Riga lebten oder immer noch leben. Es gab eigentlich immer etwas zu tun, sei es nun Flyer sortieren, Liedhefte falten, dem Transportteam unter die Arme greifen oder auf dem Weihnachtsmarkt zu singen und Gastfamilien für die Teilnehmer zu finden. Taizé hat einem im langen kalten Winter Lettlands immer mit einem heißen Tee und einem netten Gespräch empfangen. Meine besten Freunde in Riga habe ich im Vorbereitungscenter für das Treffen kennengelernt. Das Treffen selber war natürlich einer der Höhepunkte meines Praktikums! Wer mehr darüber wissen möchte findet dazu einen Blogeintrag

Flüchtlingsarbeit in Lettland

Die letzten vier Monate in Lettland habe ich noch einmal etwas komplett Neues gemacht. Ich habe im Drosa maja gearbeitet. Dabei handelt es sich um eine NGO, die gegen Menschenhandel arbeitet und zudem mit der Flüchtlingsarbeit in Lettland betraut ist. In Lettland gibt es im Vergleich zu Deutschland sehr wenige Flüchtlinge, nämlich nicht einmal 200. Man muss aber auch bedenken, dass Lettland selber nur 2 Millionen Einwohner hat. Dort habe ich erst einmal den Mentoren über die Schulter geschaut. Die Mentoren helfen bei allem was mit Bürokratie und Anträge ausfüllen zu tun hat, bei Arztbesuchen und bei der Beschaffung von Kleidung. Außerdem bringen sie ihre Klienten zu den Integrationskursen im Drosa Maja. Und genau bei all diesen Dingen habe ich zuerst zugeschaut und dann begonnen selber aktiv zu werden. Ich habe Gruppen zu Terminen ins Stadtzentrum gebracht, war mit ihnen in der Bank oder habe geholfen die kleinen Kinder während der Integrationskurse ihrer Eltern zu bespaßen. In Deutschland habe ich vorher nie mit Flüchtlingen gearbeitet oder viel Kontakt gehabt, da ich mit Schule und der Jugendarbeit in der Gemeinde genug zu tun hatte. Demnach war das alles komplettes Neuland für mich. Aber die Arbeit dort hat mir sehr viel Spaß gemacht, da ich viele nette Leute kennen gelernt habe und das Gefühl hatte an einer Stelle zu helfen wo die Unterstützung in Lettland nicht da ist.

”Es hat mich an den richtigen Ort verschlagen”

Die letzten Wochen in Lettland war ich auf zwei katholischen Freizeiten. Es ging los mit einer Woche Kinderfreizeit und dann folgten fünf Tage Jugendfreizeit. Solche Freizeiten kannte ich schon aus Deutschland, wenn auch ohne tägliche Messe und ein so eng getaktetes Programm. Doch mir haben Freizeiten schon immer Spaß gemacht und es war der krönende Abschluss meines Jahres! Natürlich begleitet von chronischem Schlafentzug.

 

Über Lettland selber kann ich nur sagen, dass es ein tolles Land ist. Es ist nicht ganz so perfekt wie Skandinavien, nicht ganz so bombastisch wie Russland und nicht ganz so reich wie Deutschland, aber es ist einfach nur wunderschön und jede Reise wert!

Ich war oft unterwegs, weil es viel gibt, was eine lange Busfahrt wert ist. Sei es nun der Badestrand des Ostseebads Jurmala, das zugefrorene Meer, die Nationalparks, die Stadt die aus nur einer Kreuzung besteht und natürlich Riga selber.

 

Rückblickend kann ich sagen, dass es mich genau an den richtigen Ort verschlagen hat!  

- Hannah Olbrich

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