Ein Wechselbad der Gefühle

Antonia, kannst du mir in der Küche einen Tee machen? Mir geht´s nicht so…“

So simpel begannen vier Tage voller Tee, Knackebrør, Gemüsebrühe und Bettruhe. Meine Mit-Praktikantin Antonia und ich hatten uns, auch noch zeitgleich, einen Magen-Darm-Virus eingefangen. Und was für einen. Ohne zu viel in die Tiefe gehen zu wollen: es war eine unschöne Zeit, die durch das viele Liegen und Nachdenken und Nichtstun auch das Heimweh anregte.

 

"This is home"

Kranksein ist nie toll, aber in einem fremden Land, ohne den Komfort von eigenem Bett und Eltern, die stets mit neuen Zwieback-Lieferungen vor der Tür stehen, ist Kranksein, noch unangenehmer. Doch Antonia und ich hätten uns keinen besseren, fremden Ort zum Kranksein, wünschen können. Während Sr. Dana noch mein Bett mit neuer Bettwäsche versorgte, sagte sie: „It´s okay, you´ll be better soon. This is home.“ Ein Satz, der mich sehr berührt hat, und sich auch in den nächsten Tagen nur bestätigte. Es wurde Tee gekocht, Haferbrei angerührt und Cola gekauft. Alle Schwestern haben mich sehr umsorgt, und allein die Gewissheit, dass man sich so um mich kümmert, ließ es mir besser gehen.

 

Verkaufsberatung beim åpen dag

Bald war glücklicherweise auch dieses Gefecht ausgefochten und in der darauffolgenden Woche gab es sehr viel zu tun. Der åpen dag (der „Tag der offenen Tür“ im Katarinahjemmet) wurde vorbereitet und das heißt vor allem eins: Backen. Insgesamt neun verschiedene Plätzchensorten und sechs verschiedene Arten von Konfekt und Pralinen stellten wir her, um sie dann Samstag an den Mann zu bringen.

 

Dabei durfte ich helfen, Plätzchen zu empfehlen, Preise abzurechnen und Auskünfte über die Zutaten zu geben, was gar nicht so einfach war. Mit Fragen vom „Einsteigerlevel“ („Wie viel kostet nochmal diese Marmelade?“) bis zum „Masterlevel“ (wie z.B.:“Ist das denn auch glutenfrei?“) konnte ich jedoch wunderbar mein Norwegisch auf die Probe stellen. Und die Stressbeständigkeit, denn die Besucher kamen gerne im Pulk. Um dann nicht den Kopf zu verlieren und zu vergessen, wer welche Plätzchen kaufen wollte, und vor allem, wie viel man dafür bezahlen muss, war nicht einfach.

Ein besonderer Zufall

Dieser Tag war anstrengend, aber er hat uns auch glücklich gemacht, denn der große Besucherstrom war ein Erfolg für die Arbeit des Klosters. Kurz darauf folgte einer meiner bisher schönsten Abende in Oslo:

 

Schon vor einigen Monaten hatte ich herausgefunden, dass immer am ersten Freitag im Monat ein Taizé-Gebet in Oslo stattfindet. Ich freute mich wie wahnsinnig auf dieses Gebet, war auch, vor lauter Aufregung und Begeisterung, eine halbe Stunde zu früh da. Allein an dieser Schilderung merkt man, dass Taizé für mich ein sehr besonderer Ort ist. Drei Mal durfte ich schon die unvergleichliche Stimmung miterleben, besondere Menschen kennenlernen und friedvoll-asketische Gottesdienste feiern. Diese Lieder endlich wieder in einer Gemeinschaft zu singen und das in der Stadt, die ich so ins Herz geschlossen habe und Heimat nennen kann, war ein wunderschönes Gefühl. Als ich mich nach dem Gebet in die Liste für den Aufbau für das nächste Gebet eintrug (und mich auch reichlich an den bereitgestellten Pepperkake, diesen ungemein leckeren norwegischen Pfefferkuchen bediente), sprach mich einer der Organisatoren an und erzählte mir, dass er einen deutschen Vater habe. Eine Situation, die einem hier in Norwegen schon mal unterkommen kann.

 

Die Verbindung, die sich jedoch dann zwischen uns beiden herstellte, war jedoch außergewöhnlich: nach ein paar Minuten stellten wir fest, dass seine Tante, die in Deutschland wohnt, an meinem ehemaligen Gymnasium Religionslehrerin ist. Sie gründete dort vor vielen Jahren einen Schüler-Bibel-Kreis – und den leitete ich zusammen mit zwei Freundinnen später bis zum Abitur…!

 

Pfefferkuchen beim Familientag

Am Tag darauf traf ich ein paar der Teilnehmer des Taizé-Gebets gleich wieder, denn im Katarinahjemmet stand der Familientag an. Für die Eltern wurde ein Vortrag über das Thema „Gender und Religion“ gehalten, während die Kinder von uns Freiwilligen betreut wurden. So dekorierten wir Pfefferkuchen, sangen zusammen Weihnachtslieder, sprachen darüber, warum im Advent Kerzen angezündet werden, und mussten manchmal auch ein paar Tränen der kleinen Besucher trocknen.

Um uns von diesen beiden Events zu erholen, fuhren wir am Tag darauf ins Norsk Folkemuseum, ein Freilichtmuseum für norwegische Kulturgeschichte. Wir sahen traditionelle Tänze, Häuser aus verschiedensten Regionen und Jahrhunderten und aßen norwegische „Donuts“ und Pfannkuchen. Am Nachmittag fuhren wir auf den Hollmenkollen, genossen die wunderschöne Aussicht und standen das erste Mal auf Langlaufskiern. Wir schlugen uns wacker.

 

Gänsehaut im Zug und ein Stück Heimat

Vor vier Tagen war es dann endlich soweit: meine beste Freundin, Hanna, kam mich aus Deutschland besuchen. Eine wunderbare Abwechslung von den stets kurzweiligen Arbeiten im Kloster und im Pfarrbüro. Ich hatte mich sehr gefreut, Hanna vom Bahnhof abzuholen und hatte verschiedene Möglichkeiten recherchiert, um günstig zum Bahnhof zu kommen. Als ich dann jedoch zum falschen Bahnhof gefahren war und anstelle von erwarteten 8 Euro ganze 20 Euro für einen Sonderzug zahlen musste, war jegliche gute Laune verflogen. Ich ärgerte mich wahnsinnig über mich selbst und darüber, dass ich so unnötig viel Geld ausgeben musste. Missmutig setzte ich mich in den Zug und starrte aus dem Fenster. Doch als wir langsam aus dem Bahnhof ausrollten, erstreckte sich ein wunderbares Bild vor meinen Augen: eine schneebedeckte Landschaft, wie aus dem Bilderbuch zog an mir vorbei. Die Sonne ging langsam unter und ließ die Tannen glitzern, sanfte Hügel hoben sich aus dem Boden, nur um dann wieder hinter einer Wand aus Bäumen zu verschwinden. Mir ging das Herz auf! Das schönste war jedoch, auf dem Rückweg wieder durch dieses wahrgewordene „Winter Wonderland“ zu fahren und Hanna neben mir zu wissen. 

 

Ausblick auf Weihnachten und Silvester im hohen Norden

Oslo's Oper
Oslo's Oper

Nun sitze ich gerade in einem Café auf Bogstadveien, einer Einkaufsstraße in Oslo, und schreibe diesen Blogeintrag.

Bald geht es für Antonia und mich nach Vadstena, zum Weihnachten feiern, und für meine Freundin Hanna wieder Richtung Deutschland.

 

Von Hanna Abschied zu nehmen und damit auch ein Stück Zuhause wieder gehen zu lassen, ist nicht einfach und macht mich jetzt schon etwas traurig, gerade so kurz vor Weihnachten. Aber ich freue mich auf die Erfahrung, das Fest im Wohnheim eines sehr alten und traditionsreichen Klosters in Schweden zu verbringen. Und ich bin gespannt zu erfahren, wie ich Weihnachten ohne Familie und Hund erleben werde. Aber auch darauf zu hören, wie es den anderen „PINlern“ so geht.

 

 

Ich wünsche mir für alle Praktikanten und ihre Familien, wo auch immer auf der Welt sie feiern mögen, ein schönes Fest, mit Heiterkeit und Plätzchen und vielleicht sogar ein wenig Schnee.

Claire

 

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