Nordlichter statt Weihnachtsstern

Ende Oktober bin ich mit der Jugendgruppe der Gemeinde zu einer kleinen Hütte außerhalb von Reykjavik zum alljährlichen Jugendcamp gefahren.
Durch den Kontakt mit den Jugendlichen konnte mir ein besseres Bild über das Aufwachsen in einer religiösen Diaspora machen, welches teilweise sehr unterschiedlich zu dem ist, was ich aus Deutschland kenne.
Z. B. ist mir aufgefallen, dass die Menschen hier im Umgang mit der Kirche ein sehr viel engeres, aber auch ein sehr viel lockereres Verhältnis haben. So ist z.B. nach einem Sonntagsgottesdient auch mal eine Schneeballschlacht mit dem Priester oder den Schwestern drin.

Erkunden des Landes

Zusammen mit meinen Eltern, die mich für ein paar Tage besucht hatten, habe ich mir mehr vom Land und der Natur angesehen. Besonders beeindruckt haben mich die verschiedenen Wasserfälle und der Gletscher Langjökull, welcher der zweitgrößte Islands ist (noch...).

Wallfahrt nach Skálholt

Am Gedenktag von Jón Arason, dem 7. November, pilgerte ich zusammen mit 20 Anderen ins verschneite Skálholt. Jón Arason war der letzte isländische Bischof vor der Reformation, welcher am 7. November 1550 den Märtyrertod starb, als er wegen seines Glaubens in Skálholt enthauptet wurde.
Zu seinem Gedenken leitete Sr. Jakob einen Gebetsgottesdienst vor seinem Denkmal und las anschließend die Messe in der Skálholtsdómkirkja.

Isländisch Kurs

Ende Dezember habe ich erfolgreich meinen Isländischkurs abgeschlossen. Da habe ich auch zwei gute Freunde von mir kennengelernt, mit denen ich öfter am Wochenende was unter-nehme. Isländisch zu sprechen fällt mir immer leichter, auch weil es viele Ähnlichkeiten zum Deutschen aufweist. Einkaufen oder im Restaurant etwas bestellen schaffe ich in der Regel ohne Probleme und auch den Gesprächen beim Mittagessen kann ich teilweise schon folgen.

 

Wir sind im Winter angekommen

Der erste Schnee fiel Anfang November. Da musste ich leider auch feststellen, dass in Island die Straßen und Bürgersteige weder geräumt noch gestreut werden.

Es gibt in Reykjavik zwar ein paar Straßen, die mithilfe einer Fußbodenheizung Eis- und Schneefrei gehalten werden, dies sind aber hauptsächlich die zwei Haupteinkaufsstraßen, wo sich vor allem Touristen aufhalten oder wichtige Abschnitte vor Krankenhäusern, Altenheimen oder dem Parlament.

Da der Schnee durch heftige Temperaturunterschiede, teilweise von -10°C auf +7°C in einem Tag und dann wieder zurück, schmilzt und direkt wieder gefriert, bilden sich riesige Eisplatten auf den Straßen. Das ist der Grund, weshalb ich seit knapp zwei Monaten nur noch von A nach B rutsche und innerlich bete mich nicht hinzulegen. Zum Leiden meiner Knie gelingt mir das nicht immer. Mein Arbeitsweg ist da auch nicht wirklich eine große Hilfe, der geht nämlich steil den Berg hinauf, wobei bergab das größere Übel ist.

 

Aufmuntern tun mich dann allerdings die Nordlichter, die ich jetzt im Winter immer häufiger zu Gesicht bekomme.

Weihnachtsparadies

Zudem wurde Reykjavik seit Anfang November in ein wahres Weihnachtsparadies verwandelt. An und zwischen jeder Straßenlaterne hängen Lichterketten, Tannenzweige oder riesige Glocken und es wurden auf so gut wie jeder freien Fläche beleuchte Tannenbäume aufgestellt.

Die Geschäfte hielten sich auch nicht zurück, viele stellten geschmückte Tannenbäume auf ihre Dächer oder hingen sie an der Fassade auf. Auch konnte man in der ganzen Stadt Projektionen von den dreizehn isländischen Weihnachtstrollen wiederfinden und eine bestimmt 2m große Installation aus Lichterketten von der Weihnachtskatze rundete alles ab.

Man könnte meinen die Isländer versuchen der Dunkelheit durch Lichterketten zu entfliehen.

Weihnachten in Akureyri

Am 21. Dezember habe ich mich auf den Weg nach Akureyri gemacht, damit ich Weihnachten nicht alleine in Reykjavik verbringen muss.

Da durch den vielen Schnee im Norden Islands alle Straßen gesperrt waren, blieb mir nur das Flugzeug. Als ich nach einem sehr turbulenten Flug endlich in Akureyri gelandet war,

wurde ich liebevoll von Schwester Marcelina und Franzi in der Halle des kleinen Flughafens erwartet. Ich hatte ja schon Schnee in Reykjavik erlebt, die Massen in Akureyri toppten allerdings alles. Ich konnte mich auf weiße Weihnachten freuen!

Zwischen 3m hohen Schneebergen zeigte Franzi mir die Stadt und wir verbrachten die Tage bis Weihnachten damit Kekse zu backen, Schlittschuh zu laufen, unseren Kellereingang stets von den Massen an Schnee freizuhalten (da wir sonst nicht mehr rausgekommen wären) und zusammen versuchten wir mehr oder weniger uns das Ukulele Spielen beizubringen.

Da der 24. Dezember der einzig wirklich schneefreie Tag war, nutzten wir die Chance der freigegebenen Straßen und machten uns auf zum Goðafoss Wasserfall. Auf dem Weg dahin sah man noch die Folgen des Schneesturms, wie z. B. umgekippte Stromleitungen, die zwischendurch ganze Dörfer im Dunkeln ließen.

Angekommen am Goðafoss, erwarteten uns charmante -16°C.

Als wir am späten Abend zur Christmette in der kleinen verschneiten Kirche ankamen, platzte die schon aus allen Nähten. Es waren doppelt so viele Besucher da, wie zu einem normalen Gottesdienst. Es war für mich eine ganz neue und besondere Erfahrung, einen (Weihnachts-)Gottesdienst in einer so kleinen Gemeinschaft und Kirche zu feiern, da ich nur meine großen Gemeinden aus Hannover und Reykjavik kenne.

Nach dem Gottesdienst haben wir noch mit Sr. Jürgen und den Schwestern eine Kleinigkeit gegessen und Geschenke ausgetauscht.

Am nächsten Tag sind wir mit Sr. Jürgen in das nächste Dorf gefahren und haben, was für ein isländisches Dorf schon sehr viel ist, für die 15 Personen den Weihnachtsgottesdienst nachgeholt.

Am 28. Dezember hieß es dann, nach weiteren Wanderungen durch eine teilweise hüfthohe Schneelandschaft, ade Akureyri. Franzi begleitete mich über Silvester mit zurück nach Reykjavik.

 

Jetzt freue ich mich auf meine letzten zwei Monate im isländischen Winter, bevor es mich dann in das hoffentlich etwas windstillere Schweden zieht. Und damit ein frohes und gesegnetes Jahr 2020!

Amelie

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