Sjáumst Ísland! – Bis bald, Island!

Franziska mit den Kindern der Kinderkrippe
Franziska mit den Kindern der Kinderkrippe

Als ich letztes Jahr im August nach Island kam, hatte ich das Gefühl, ich hätte noch ewig Zeit. Doch dann ging plötzlich alles ganz schnell und ein schöner, aufregender und spannender Tag nach dem anderen zog an mir vorbei. Auf einmal saß ich wieder im Auto zurück zum Flughafen und konnte es immer noch nicht glauben, dass dieses Jahr wirklich schon vorbei sein sollte…

Streitschlichter, Ratgeber, Tröster und Spielkamerad

Meine Hauptaufgabe in Akureyri war die Kinderkrippe. Meistens kümmerten wir uns zu dritt um die neun Kinder und hatten dabei viel zu tun. Wir waren gleichzeitig Streitschlichter, Ratgeber, Tröster und Spielkamerad. Mit Kindern zu arbeiten, war für mich etwas komplett Neues, weshalb ich mein PIN mit einer gewissen Nervosität antrat, die aber glücklicherweise ganz schnell wieder verschwand. Nach den ersten paar Wochen freuten sich die Kinder mich zu sehen und sobald ich mich zu ihnen setzte, wurde ich mit Puppen überschüttet, mir einer Tasse „Kaffee“ angeboten oder ein Auto zugeschubst.

Eine andere Aufgabe im Kloster war das Kartoffelschälen am Morgen. Eine Arbeit, die ich überraschenderweise vermissen werden. Eine halbe Stunde lang saß ich am Küchentisch, schnitt die Kartoffeln in kleine Würfelchen für die Kinder und trank dabei meinen Morgenkaffee. Nebenan werkelte Schwester Selestina in der Küche und schaute manchmal zu mir rein, um mir zu erzählen, wie viele Kinder heute da sein oder welches Essen es heute geben würde. Es war ein sehr entspannter Start in den Tag und ausgerechnet bei dieser alltäglichen Arbeit, spürte ich jedes Mal, dass ich ein Teil der Karmelfamilie und hier wirklich zu Hause war.

Winterzeit

Wahrzeichen von Akureyri: Herz-Ampel
Wahrzeichen von Akureyri: Herz-Ampel

Am Anfang bin ich an meinen freien Nachmittagen viel in Akureyri spazieren gegangen und habe dadurch auch so manche Abkürzung entdeckt. Als ich schließlich durch den deutschen Stammtisch ein paar Freunde fand, machte ich auch öfters Ausflüge außerhalb von Akureyri. Manchmal liehen uns die Schwestern das Auto, wofür ich wirklich dankbar bin. Autofahren im Winter konnte sehr schnell sehr abenteuerlich werden, aber mit Spikes an den Reifen war es die meiste Zeit überraschend einfach. Der Winter in Island, der sich in Akureyri fast ein halbes Jahr langzog, war eine wirklich spannende Zeit. Um die Mittagzeit herum, ließ sich die Sonne kurz über den Bergen blicken, aber länger als zwei bis drei Stunden blieb sie nicht. Dadurch, dass so viel Schnee lag, wirkte es trotz dessen viel heller. Ich fand es einfach toll, die Schneeberge vor meinem Fenster, völlig eingeschneite Autos und meterhohe Schneemauern neben den Straßen zu sehen. Die Kinder wurden mit dem Schlitten zur Schule gebracht und manchmal fuhren sogar Menschen auf Skiern an unserem Haus vorbei. Wenn es stark geschneit hatte, packten die Schwestern die Schneefräse aus und räumten so den Weg zur Haustür frei. Manchmal wurde es echt kalt, aber im Rückblick waren die Wintermonate für mich etwas ganz Besonderes.

Sommerzeit

Im Kontrast zum dunklen, kalten Winter, stand der ewig helle Sommer. An meinem letzten Tag in Akureyri erfüllte ich mir noch einen Wunsch und machte eine Wal-beobachtungstour in der Mitternachtssonne mit. Hier in Deutschland, wenn es um zehn dunkel wird, sehne ich mich manchmal nach den isländischen Sommertagen. Um zwei Uhr nachts waren noch Segelboote unterwegs, Angler standen am Hafen und Leute saßen noch in den Cafés. Allerdings erinnere ich mich dann auch daran zurück, dass ich meine Fenster mit schwarzen Plastiksäcken zukleben musste, weil ich mit Schlafmaske so schlecht schlief und merke, dass ich in Deutschland eigentlich auch ganz zufrieden bin.

Abschied nehmen

Abschied zu nehmen war schwer. Nachdem ich über 2 Wochen verteilt meine Koffer gepackt hatte, meine Schränke, Regale und Wände immer leerer wurden und ich so manches wegschmeißen musste, hatte ich den Eindruck, ich wäre gut vorbereitet. Aber als ich dann in der Tür stand, Gepäck schon verladen, und ich die Schwestern das letzte Mal umarmte, flossen nicht nur bei mir die Tränen. Mein Praktikum in Island ist so unglaublich schnell vergangen.

Dankbar für die Zeit

Akureyri ist mir in den elf Monaten, die ich hier verbracht habe, ans Herz gewachsen und auch die vielen lieben Menschen, die ich dort kennengelernt habe, werde ich sehr vermissen. Ich bin so dankbar für die wundervollen Monate in Island, die Freunde, die ich gefunden habe und vor allem für die Gastfreundschaft der Schwestern und der Gemeinde. Für mich war das Praktikum eine tolle Gelegenheit, Erfahrungen im Ausland, erste Schritt zur Selbständigkeit zu machen und ein aufregendes Land kennenzulernen. Ich habe so viel gelernt und erlebt und ich weiß, dass ich mich mein Leben lang an dieses Jahr erinnern werde!

Takk fyrir mig!!

Franziska

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