Gemischte Gefühle beim Zurückkehren

Hitzewelle im Mai – ganze 20 Grad und Sonne für eine Woche (Foto: privat)
Hitzewelle im Mai – ganze 20 Grad und Sonne für eine Woche (Foto: privat)

Vor drei Wochen bin ich aus Island zurückgekommen, aber trotzdem fühlt es sich noch ein wenig seltsam an, wieder zu Hause zu sein. Einerseits kommt es mir vor, als wäre ich gerade erst zurückgekommen. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, Island schon vor Ewigkeiten verlassen zu haben. Die Reise mit der Fähre war wieder ziemlich anstrengend und ermüdend und während ich noch dabei war, mich davon zu erholen, hatten wir in Deutschland Temperaturen von fast 40 Grad. Da habe ich mich ehrlich gesagt oft nach Island zurückgewünscht. Am Badesee ließ es sich aber doch ganz gut aushalten und inzwischen habe ich mich wieder an die höheren Temperaturen gewöhnt. 

Der Alltag auf Island

Im Second Hand Laden Hertex (Foto: ich)
Im Second Hand Laden Hertex (Foto: ich)

Meine Aufgaben haben sich über das Jahr nicht allzu sehr verändert: Morgens bin ich immer zuerst in die Küche gegangen und habe geschaut, ob dort etwas zu tun war. Dann gab es einige Aufgaben, die ich immer an bestimmten Wochentagen erledigt habe, wie zum Beispiel das Staubsaugen in der Kirche oder die Betten in den Gästezimmern zu beziehen. Da wir aber selten Gäste hatten, musste ich das nicht so oft tun.

 

Im Dezember habe ich zusätzlich jeden Tag Plätzchen mit den Schwestern gebacken, was mir große Freude bereitet hat. Zum Mittag habe ich immer mit den Schwestern gegessen und bin danach zu Hertex gelaufen, dem Second-Hand-Laden, wo ich gearbeitet habe. Dort habe ich gespendete Kleidung sortiert oder Preise dafür bestimmt. Es war manchmal sehr lustig zu schauen, was für Sachen die Leute in dem Laden abgegeben haben. Oft konnte ich etwas Schönes finden, was ich dann gekauft habe. 

 

Natürlich war diese Arbeit nicht immer spannend, aber ich habe mich gut mit den anderen Mitarbeitern verstanden und wir haben uns in der Kaffeepause immer gerne unterhalten. Einmal im Monat gab es dort ein Freiwilligen-/ Mitarbeitertreffen, bei dem wir gemeinsam zu Abend gegessen und ein Quiz gemacht oder lustige Spiele gespielt haben. 

 

Nach der Arbeit war ich häufig spazieren oder im Schwimmbad, wo ich mich einfach in das heiße Wasser gelegt habe und vor allem während der letzten zwei oder drei Monate die Sonne genießen konnte. Abends habe ich mich meistens mit Freundinnen getroffen und wir haben zusammen Eis gegessen, gestrickt oder sind im Wald spazieren gegangen. Ich habe es sehr genossen, dass meine engsten Freundinnen nur 15 Minuten zu Fuß von mir entfernt wohnten und wir uns fast jeden Abend treffen konnten. Das fehlt mir jetzt ein bisschen.

Besser als erwartet

v. l. n. r.: Sarina, Farina und ich bei einem Ausflug zum Wasserfall Dettifoss (Foto: privat)
v. l. n. r.: Sarina, Farina und ich bei einem Ausflug zum Wasserfall Dettifoss (Foto: privat)

Ich kann mich nicht mehr genau an meine Erwartungen an das PiN erinnern, aber es kam definitiv besser als ich dachte. Vor meiner Ankunft dachte ich beispielsweise, dass ich mindestens ein paar Wochen brauchen würde, um andere Leute in meinem Alter kennenzulernen und Freunde zu finden. Da ich aber vorab schon den Kontakt zur lokalen Au-pair-Gruppe bekommen hatte, habe ich schon nach wenigen Tagen gute Freunde gefunden

 

Auch mit meiner Mitpraktikantin Amanda, die 6 Stunden entfernt in Reykjavík gewohnt hat, hatte ich viel Kontakt. Vor allem am Anfang, aber auch später haben wir uns immer gerne ausgetauscht. Wahrscheinlich bräuchte man ein paar Tage, um sich all unsere Sprachnachrichten anzuhören. Ein paar Mal haben wir uns sogar gegenseitig besucht und wir sind an Weihnachten und zum Zwischenseminar auch immer zusammen gereist. Das war sehr schön! Generell habe ich viel mehr gemacht und erreicht als erwartet: Nicht nur kann ich mich fast normal auf Isländisch unterhalten, sondern habe unzählige Ausflüge und Reisen durch ganz Island und sogar in andere PiN-Länder unternommen, womit ich in dem Ausmaß nicht gerechnet hatte. 

Es gibt vieles, das ich nun vermissen werde, denn mir ist Island sehr ans Herz gewachsen und mir kam die Zeit viel zu kurz vor. Sicherlich werde ich noch ein paar Mal zu Besuch kommen und vielleicht verbringe ich ja mal ein Auslandssemester in Reykjavík. Schließlich werde ich Skandinavistik und Linguistik studieren, da sollte das auf jeden Fall möglich sein :).

 

Annamaria

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