
Hinter dem Tor zur Welt der Fjorde – was verbirgt sich dahinter wirklich?
Dieser Satz war nicht nur die Überschrift meines Zwischenberichts im Januar, sondern diente mir irgendwie auch als persönliche Leitfrage während meines Praktikums in Bergen. Zehn Monate später und um einige Erfahrungen reicher, fällt es mir deutlich leichter, diese Frage zu beantworten.
Ein kleiner Rückblick

Aber der Reihe nach: Meine Einsatzstelle in Bergen war das St. Paul Gymnasium. Neben der Organisation von Klassenfahrten, Abschlussklausuren und verschiedenen Events waren meine Mitpraktikanten Robert, Friedrich, Anselm und ich auch im Deutschunterricht eingebunden – sowie als Aufsichten für Vertretungsstunden und Klassenarbeiten. Auch wenn wir viel Zeit in unserem Büro verbracht haben, konnte man sich stets darauf verlassen, dass unser Hausmeister Paul uns mit Aufträgen versorgte, die angeblich "nur fünf Minuten" dauern sollten – in Wirklichkeit aber oft in ein kleines Ganzkörper-Workout ausarteten.
Abseits der Arbeit hieß es dann: Runterfahren, den Kopf freibekommen – und schauen, inwiefern das Wetter die Freizeitgestaltung zuließ. So ging es für uns regelmäßig in das kleine Fitnessstudio der Schule. Jeden Mittwoch stand zudem eine Runde Fußball mit den Lehrern des Gymnasiums auf dem Plan – eine gute Gelegenheit, die Kolleginnen und Kollegen auch mal abseits des Lehrerzimmers kennenzulernen.
Hoch hinaus

Nicht zu vergessen – und vor allem nicht zu übersehen – sind natürlich die sieben Hausberge, die das Stadtbild der alten Hansestadt prägen. Das Besteigen eines dieser Wahrzeichen ist nur zu empfehlen. Auch nach der Arbeit habe ich oft meine Wanderschuhe geschnürt, um den einen oder anderen Sonnenuntergang von einem der Gipfel zu bestaunen.
Irgendwann reichte uns ein einzelner Berg nicht mehr – "Sieben auf einen Streich" war der Plan. Voller Motivation machten wir uns also an einem schönen Juni-Morgen auf den Weg. Obwohl das Wetter mitspielte, waren die Wegverhältnisse alles andere als ideal: matschige Pfade, Geröllfelder, und die schiere Anstrengung forderten ihren Tribut. Um hier nichts zu beschönigen: Für mich war nach dem fünften Berg Schluss. 25 Kilometer und rund 1.600 Höhenmeter in knapp 6,5 Stunden waren genug für meine Beine um den Streik auszurufen.
Ein schwedisches Highlight

Eine mindestens ebenso anstrengende, aber wesentlich lohnendere Wanderung unternahmen wir im Mai: Mit einer Gruppe von neun Praktikanten aus Turku (Finnland) und Oslo machten wir uns auf zur weltberühmten Trolltunga. Steile Anstiege, Schnee und ein fieser Sturm, der nachts mit Regen über unsere Zelte hinwegfegte – doch die Stimmung blieb gut. Der Blick über die Fjorde war jede Mühe wert.
Neben dem Leben in Bergen sind mir besonders die vielen Reisen in Erinnerung geblieben, die ich während des Praktikums unternehmen durfte.
So waren wir mehrfach im nördlich gelegenen Trondheim im Einsatz – zum Beispiel in der Spülküche oder als Caterer. Ein echtes Highlight waren auch die Ausflüge nach Schweden: Weihnachten verbrachten wir in der Einsatzstelle in Vadstena, die Zeit "zwischen den Jahren" in Uppsala. Für viele von uns war es das erste Weihnachtsfest fernab von Zuhause – doch die gemeinsame Zeit im schwedischen Winter war eine schöne Art, die Feiertage zusammen mit fast allen Praktikanten zu verbringen.
Quer durch Europa

Auch im Rahmen von Klassenfahrten war ich unterwegs – hier halfen wir nicht nur bei der Organisation, sondern auch bei der Durchführung. Im September reiste ich mit der Sportklasse nach Danzig ins Trainingslager. Da ich genau zu dieser Zeit krank wurde, beschränkten sich meine Aufgaben allerdings weitgehend auf das Fotografieren und das Durchzählen der Schüler im Bus. Trotzdem waren der Ausflug in die Innenstadt von Danzig und an die Ostsee wirklich schön. Anfang Mai machten wir uns mit einer kleinen Schülergruppe auf den Weg nach Lourdes. Die Schülerinnen und Schüler sollten dort im Rahmen des Programms "Dienste für Andere" – einem Projekt des Gymnasiums zur Förderung ehrenamtlichen Engagements – in einem Spital mithelfen.
Für mich war diese Reise aus vielen Gründen ein echtes Highlight. Nach den vielen Wochen des Norwegisch-Lernens konnte ich mich gut mit den Schülerinnen und Schülern verständigen – was mir half, die norwegische Mentalität noch besser zu verstehen. Mit den Schwestern, die das Spital leiteten, und mit den französischsprachigen Patienten konnte ich außerdem meine Französischkenntnisse wieder auffrischen.
Ganz besondere Begegnungen

Besonders waren aber vor allem die vielen Begegnungen in Lourdes: Im Spital trafen Menschen aus ganz Europa zusammen, um im Rahmen ihrer Krankenwallfahrt versorgt zu werden. Auf den Fluren kam man schnell ins Gespräch, und das Gemeinschaftsgefühl war in der ganzen Stadt spürbar.
Spätestens bei der Lichterprozession eines Abends erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Begegnungen – ja, ich glaube, das ist es, was ich hinter dem Tor zur Welt der Fjorde gefunden habe. Ich habe viele interessante Menschen kennengelernt, unzählige Geschichten gehört und neue Freundschaften geschlossen. Die Zeit in Norwegen hat mich ganz nebenbei auch in meiner Studienwahl bestärkt: Ab Oktober werde ich Gymnasiallehramt studieren.
Abschließend bleibt mir nur, mit vielen schönen Erinnerungen auf das Jahr in Bergen zurückzublicken. Es war eine tolle Zeit im hohen Norden – und ich kann jedem, der die Chance hat, nur empfehlen: Nutzt sie. Geht raus in die Welt. Es lohnt sich!



