Frühlingsgefühle im Norden

Schüler beim Musikcontest "Lautstark" in Tartu.
Schüler beim Musikcontest "Lautstark" in Tartu.

Langsam kommt auch nach Tartu der Frühling, obwohl der offizielle Frühlingsbeginn schon über einen Monat zurückliegt. Am 20. März kam – wie so oft zu Beginn des Unterrichts – die Frage auf: "Welche Jahreszeit haben wir?" Die Antwort war klar: Frühling. Gleichzeitig wurden schon die ersten passenden Gedichte herausgekramt – passend zum Vorlesewettbewerb, bei dem einige unserer Schülerinnen die verschiedenen deutschen Gedichte wirklich zu ihrem Besten gegeben haben. Für mich als eines der Jurymitglieder war es nicht leicht, einen Gewinner*in auszuwählen.

Alltag in der Schule

Die Jahreszeit startete direkt mit einem besonderen Ereignis. Gemeinsam mit meiner Mitfreiwilligen Johanna begleiteten wir unsere Fünftklässlerinnen zum Musikcontest "Lautstark". Eigenständig ging es quer durch Tartu, wo die Schülerinnen ihre einstudierten deutschen Lieder präsentierten. Im Vorfeld hatten wir sie im Unterricht bei der Aussprache unterstützt. Auch in den anderen Klassen klappt die Zusammenarbeit inzwischen immer besser, und man freut sich richtig, wenn man die Fortschritte bei den Schüler*innen sieht.

Deutsch im Kindergarten

Im Kindergarten helfen wir immer mal wieder aus. Wir begleiten die Gruppen zu verschiedenen Veranstaltungen und helfen den Kindern beim An- und Ausziehen. Es ist schön zu sehen, wenn man den Erzieherinnen eine kleine Hilfe sein kann und die Kinder sich über unsere Anwesenheit freuen. In den letzten Wochen und Monaten übernahmen Johanna und ich häufig eigenständig die Planung und Durchführung der Deutsch-AG. Spielerisch und möglichst einfach bringen wir den Kindern erste deutsche Wörter näher.


Ein besonderes Highlight und zugleich der Abschluss war der Geburtstag von "Hans Hase", dem Maskottchen, das die Kinder beim Lernen begleitet. Im Deutschen Kulturinstitut kamen die Kinder zusammen, und wir haben den Geburtstag spielerisch sowie mit vielen Liedern und Tänzen gefeiert – ein krönender Abschluss.

Besuch aus der Heimat

In der Karwoche bekam ich Besuch von meiner Familie und konnte ihnen Estland zeigen: das mittelalterliche Tallinn, an der schönen Ostsee gelegen. Die Esten nennen sie aufgrund ihrer geografischen Lage übrigens Westsee.

In dem Restaurant "Olde Hanse" in Tallinn wurden wir in die Zeit zurückversetzt und konnten einen Einblick in das mittelalterliche Leben gewinnen. Auch in Tartu wurden die vielen kulturellen Möglichkeiten genutzt. Wir waren im Nationalmuseum, das einen interessanten Einblick in die Geschichte Estlands bietet. Die Tage mit meiner Familie in Tartu gaben mir auch die Möglichkeit, mein doch anderes Leben hier etwas näherzubringen. Mein Bruder hat mich sogar für einen Tag in der Schule und im Kindergarten begleitet – "ein sehr interessanter Einblick", wie er sagte.

Über die Feiertage ging es für uns nach Riga, mit einigen Abstechern in kleinere, schöne Orte in Lettland. Ostern habe ich während dieser Tage ganz anders wahrgenommen: den Kreuzweg in einer Andacht in der Schule auf Estnisch, die Osternacht am Samstagnachmittag auf Englisch – anders als in Deutschland, wie ich es kenne, aber doch irgendwie gleich. Es war schön, dass meine Familie bei mir war und wir gemeinsam andere Kulturen kennenlernen konnten.

Frühling und Freizeit

Die Tage werden länger und auch wärmer. Nach einem intensiven Winter, lernt man so etwas noch mehr zu schätzen. Mitte März hatten wir auch das Glück, mit eigenen Augen Polarlichter in Tartu zu sehen – das war schon ein kleines Highlight.
Tagsüber verbringen Johanna und ich oft Zeit zusammen. Wir genießen die Sonnenstunden auf der Grünfläche unseres Wohnheims. Ab und an bereiten wir uns gemeinsam auf unsere Läufe im Mai vor. Die Parks und Wege entlang des Flusses bieten sich ideal dafür an. Abends spielen wir immer öfter Billard – sei es in unserem Wohnheimkomplex oder mit Freunden in einer Bar.

Dank des "PiN"-Programms haben wir die Möglichkeit, viele neue Orte und Kulturen kennenzulernen. So konnte ich gemeinsam mit Johanna und Marika Anfang April Luisa und Frederike auf Island besuchen. Zwischen der beeindruckenden Landschaft, die zum Teil noch verschneit war, einer Menge Wasser und Wasserfällen, Wanderungen durch die Berge und viel Autofahren, hatten wir sehr viel Spaß und konnten die Frühlingsferien in vollen Zügen genießen.

Jule Marie

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