
Wenn mich jemand fragt, wie ich mein Praktikum in Riga beschreiben würde, dann wahrscheinlich so: chaotisch, wunderschön, manchmal anstrengend, oft lustig - und definitiv eine der besten Entscheidungen meines Lebens.
Eigentlich dachte ich vor dem PIN, dass ich "einfach nur" ein soziales Praktikum im Ausland machen würde. Am Ende war es aber viel mehr als das. Ich habe nicht nur in verschiedenen sozialen Einrichtungen gearbeitet, sondern auch unglaublich viele Menschen kennengelernt, neue Kulturen erlebt, Freundschaften geschlossen und ziemlich viel über mich selbst gelernt.
Mein Alltag zwischen Kerzenwerkstatt, Autismuszentrum und Suppenküche

Während meines Praktikums war ich in mehreren Einrichtungen in Riga tätig. Unter anderem habe ich in einer Kerzenwerkstatt gearbeitet, in der Menschen mit Behinderung beschäftigt werden. Dort wurde gegossen, gelacht, verpackt und manchmal auch einfach gemeinsam Musik gehört. Ich hätte vorher nie gedacht, dass man so viel Zeit mit Kerzen verbringen kann - oder dass Wachs wirklich überall landen kann.
Außerdem habe ich in einem Autismus-Zentrum mitgearbeitet. Dort war jeder Tag anders. Manche Tage waren total ruhig, andere eher laut und voller Energie. Gerade dort habe ich gelernt, wie wichtig Geduld, Struktur und kleine Gesten sein können. Die Kommunikation lief oft ganz anders ab als gewohnt - manchmal ohne viele Worte, aber trotzdem unglaublich ehrlich.
Ein weitere Teil meines Praktikums war die Arbeit in einer Suppenküche zusammen mit Ordensschwestern. Dort haben wir Essen für Bedürftige und Wohnungslose vorbereitet, ausgegeben und mit Menschen gesprochen, die oft einfach jemanden brauchten, der zuhört. Die Schwestern haben mich extrem beeindruckt. Trotz ihres oft stressigen Alltags waren sie immer ruhig, herzlich und humorvoll.
Riga wurde schnell mehr als nur eine Stadt

Riga selbst hat mich komplett überrascht. Die Stadt ist irgendwie gleichzeitig ruhig und lebendig. Morgens Kaffee in kleinen Cafés, abends Candle-Light-Konzerte oder spontane Barbesuche - langweilig wurde es eigentlich nie.
Ich war auf Volkstanzabenden, bei Basketball-, Volleyball- und Eishockeyspielen und habe gelernt, dass die Leute im Baltikum vielleicht erst etwas zurückhaltend wirken, aber unglaublich herzlich sind, wenn man sie kennenlernt.
Besonders lustig war oft die Kommunikation. Mein Lettisch bestand gefühlt aus fünf Wörtern, aber irgendwie hat trotzdem alles funktioniert. Gerade durch Missverständnisse sind dabei viele lustige Situationen entstanden, die mir im Herzen bleiben.
Reisen, Freundschaften und ganz viel Norden

Vor allem in Erinnerung bleiben mir die ganzen Reisen, Abenteuer und Ausflüge, die ich gemacht habe. Neben dem Praktikum bin ich unglaublich viel gereist. Ich war in Estland, Litauen, Finnland, Schweden, Norwegen und sogar Island. Jede Reise war anders, aber überall hatte ich diese Gefühl von Freiheit und Abenteuer.
Vor allem die internationalen Freundschaften bedeuten mir unglaublich viel. Man lebt plötzlich mit Menschen aus verschiedenen Ländern zusammen, spricht über Gott und die Welt, reist alleine oder mit Menschen, die man eigentlich noch gar nicht lange kennt, und erlebt Situationen, die man zuhause wahrscheinlich nie erlebt hätte. Manchmal braucht es nur ein paar Monate im Ausland, um sich selbst besser kennenzulernen. Und genau das ist passiert.
Herausforderungen gab es natürlich auch

Natürlich war nicht immer alles leicht. Gerade am Anfang waren die Sprachbarriere und die neue Umgebung manchmal überfordernd. Es gab Tage, an denen ich an Zuhause gedacht habe und manchmal das Gefühl hatte, dort etwas zu verpassen. Aber dann habe ich mich schnell wieder daran erinnert, was ich hier eigentlich gerade erleben darf - und dass zuhause danach immer noch auf mich wartet.
Aber genau daran wächst man irgendwie. Ich habe gelernt, offener auf Menschen zuzugehen, spontaner zu sein und auch mal Dinge einfach auszuprobieren, ohne alles perfekt planen zu müssen.
Ich habe gemerkt, dass ich ziemlich anpassungsfähig bin - aber auch, dass ich manchmal zu viel nachdenke.
Kirche, Gemeinschaft und neue Perspektiven
Die katholische Kirche vor Ort habe ich ganz anders erlebt als erwartet: viel direkter, nahbarer und aktiver. Vor allem die Arbeit mit den Schwestern hat mir gezeigt, wie viel Glaube durch Taten ausgedrückt werden kann. Auch das Bonifatiuswerk habe ich als starke Unterstützung wahrgenommen. Ohne das "PIN" hätte ich diese Erfahrungen wahrscheinlich nie gemacht.
Das Praktikum hat definitiv Einfluss auf meine Zukunft. Ich habe meinen Horizont auf jeden Fall stark erweitert und bin unendlich dankbar, dass ich den Schritt gewagt habe, aus meinem Heimatdorf herauszukommen und offener für Neues zu werden.
Was ich am meisten vermissen werde? Definitiv die Menschen. Das gemeinsame Reisen und zusammen die Welt zu entdecken. Riga mit seinen kleinen Cafés, der Altstadt und der besonderen Atmosphäre. Und dieses Gefühl, dass irgendwie immer etwas Neues passiert.
Würde ich das PIN weiterempfehlen?
Zu 100 Prozent. Nicht, weil immer alles perfekt war - sondern genau deswegen. Man lernt, selbstständiger zu werden, andere Kulturen wirklich kennenzulernen und erlebte Dinge, die man nie vergessen wird.
Für mich war Riga nicht einfach nur ein Praktikumsort. Es wurde für einige Monate ein Zuhause. <3






