Ardievu Rīga - Auf Wiedersehen Riga

Ausblick auf den Märlarensee bei einem Spaziergang beim Zwischenseminar in Marielund (Foto: Privat)
Ausblick auf den Märlarensee bei einem Spaziergang beim Zwischenseminar in Marielund (Foto: privat)

Als ich erfahren habe, dass ich meinen Freiwilligendienst in Riga verbringen würde, konnte ich mir nur wenig darunter vorstellen. Außer dass ich wusste, wo Riga ungefähr liegt und dass es die Hauptstadt von Lettland ist, hatte ich zuvor nur wenig Berührungspunkte mit dieser Stadt, die ich inzwischen sehr in mein Herz geschlossen habe, als auch von meiner gesamten Zeit im "Praktikum im Norden" (PiN).

Wintermonate und Frühlingstage

Silvester gemeinsam mit den anderen PiNlern in Schweden. (Foto: privat)
Silvester gemeinsam mit den anderen PiNlern in Schweden. (Foto: Privat)

Die ersten Wochen meines Freiwilligendienstes waren geprägt durch eine erste Orientierung und das Einleben sowohl in drei verschiedenen Einsatzstellen (Autismus-Tageszentrum, integrative Kerzenwerkstatt, Deutsche Schule Riga) als auch in meinem alltäglichen Umfeld. Bereits im Oktober hat mich meine Familie besucht und ich durfte erste Reiseeindrücke in Lettland und Estland sammeln. Die dunklen Herbstwochen gingen durch schöne Erlebnisse wie den Nationalfeiertag, den Besuch einer Mitfreiwilligen und einige Adventsaktivitäten schnell vorüber und so dauerte es nicht lange bis zum ersehnten gemeinsamen Weihnachts- und Neujahrsfest mit allen PiNlern in Schweden, an das ich gerne zurückdenke. Der Abschied fiel nicht schwer, denn bereits einen Monat später sahen wir uns zum Zwischenseminar in Marielund wieder. 

 

Nach der kalten Winterzeit wurde es langsam, wenn auch teilweise schleichend, wieder heller und wärmer, sodass ich den Frühling in Riga besonders genossen habe. An einem der ersten sonnigen Tage habe ich mit Luzia gemeinsam einen Ausflug an den nahe gelegenen Strand in Jurmala unternommen und dort einen wunderschönen Sonnenuntergang angesehen. In Riga haben wir die vielen Parkanlagen bei gutem Wetter genutzt, um uns z. B. mit Freunden zu treffen und gemeinsam Karten zu spielen oder nach der Arbeit ein Buch zu lesen. Die lang ersehnten Frühlingstage boten sich an, um Ausflüge in die Umgebung zu unternehmen, wie in das Städtchen Cēsis im Gauja-Nationalpark oder zu einem Tulpenfest in Litauen mit unserer Mentorin. 

Zeit zum Reisen

Der breiteste Wasserfall Europas.
Der breiteste Wasserfall Europas.

Die wärmeren Monate eignen sich auch gut zum Verreisen – das dachten sich zumindest meine Mitfreiwillige Luzia und ich, als wir unsere Reise durch Lettland für Mai planten. Wir sahen uns schon in der Ostsee baden und am Strand sonnen, hatten aber nicht mit dem lettischen Wetter gerechnet. 

 

Obwohl wir zeitweise 13 Grad und Regen hatten, gehört die Lettlandreise mit zu den Highlights meines Auslandsjahres. Wir waren insgesamt in drei verschiedenen Städten: Liepaja, Ventspils und in Kuldīga. Besonders gut hat mir die Küste von Liepaja und das Städtchen Kuldīga gefallen. In dem kleinen Ort gibt es neben dem süßen mittelalterlichen Zentrum auch den breitesten Wasserfall Europas. Den sogenannten "Ventas Rumba" haben wir natürlich auch bestaunt und es uns nicht nehmen lassen, ein Stück über den Wasserfall zu laufen. Die Reise war für Luzia und mich eine schöne Gelegenheit, mehr von Lettland zu erkunden und das Land so ein Stück besser kennenzulernen. 

 

Während meines PiNs bin ich im gesamten Baltikum und in Skandinavien viel herumgereist und hatte die Möglichkeit, dabei viele meiner Mitfreiwilligen an ihren Einsatzorten zu besuchen, und kann nun von mir behaupten, alle baltischen und skandinavischen Hauptstädte gesehen zu haben (außer Reykjavik).

Herausforderungen

Ausblick aus meinem Zimmer ins Grüne.
Ausblick aus meinem Zimmer ins Grüne.

Natürlich lief während meines Aufenthaltes nicht immer alles rund und es gab auch die eine oder andere Hürde, die ich überwinden musste. 

Ich war – wie viele andere auch – das erste Mal für eine längere Zeit von zuhause entfernt und im Alltag auf mich alleine gestellt. So musste ich lernen, einerseits mehr Verantwortung für mich selbst zu übernehmen, aber auch für andere Menschen, sei es bei einem der Workshops im Autismus-Tageszentrum oder bei der Betreuung der Kinder in der deutschen Schule. 

 

Eine der größten Herausforderungen war für mich die Kommunikation, da das Englische gerade in den mittleren sowie älteren Bevölkerungsgruppen nicht so verbreitet ist. So musste ich gerade im sprachlichen Umgang mit manchen Kollegen kreativ sein und mir z. B. mit Übersetzungs-Apps oder mit Mimik und Gestik behelfen. Mit der Zeit habe ich mich an die Situation angepasst und auch immer öfter erlernte Phrasen aus meinem Lettischkurs anwenden können. Viele Letten sprechen jedoch Englisch, sodass es im alltäglichen Leben selten zu Problemen kam. 

Persönliche und kulturelle Begegnungen

Besuch von Jule aus Estland zur Weihnachtszeit. (Foto: Privat)
Besuch von Jule aus Estland zur Weihnachtszeit. (Foto: privat)

Im Umgang mit den autistischen jungen Erwachsenen im Tageszentrum bedurfte es einer einfühlsamen und sensiblen Kommunikation, oftmals auch nonverbal, um den verschiedenen Bedürfnissen und Eigenheiten der Menschen gerecht zu werden. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit habe ich mich sehr wohl in diesem Umfeld gefühlt und viele schöne Begegnungen und Erfahrungen mit ihnen gemacht. 

 

Im privaten Bereich bin ich sehr dankbar, dass ich Luzia als meine Mitfreiwillige an meiner Seite hatte und wir uns sehr gut verstanden haben. Unsere Freundschaft war und ist eine Bereicherung für mich. In unserer Freizeit haben wir uns in der deutschen Gemeinde in Riga zu Hause gefühlt. Durch den sonntäglichen Besuch in der Petrikirche und dem dazugehörigen Kirchencafé durften wir viele neue Kontakte zu Gemeindemitgliedern und anderen Freiwilligen in Riga knüpfen. Auch dadurch konnten wir einige Freundschaften schließen und uns mit anderen Leuten in ähnlichen Situationen austauschen. 

 

Auf verschiedene Art und Weise konnten wir auch zu Einheimischen Kontakt aufnehmen. Dies gelang uns am einfachsten über unsere Einsatzstellen.

 

Uns war es ein besonderes Anliegen, Einblicke in die lettische Kultur und Tradition zu gewinnen. So habe ich mit Luzia an traditionellen Tanz- und Singveranstaltungen sowie an verschiedenen nationalen Feier- und Festtagen teilgenommen. 

 

Ein besonderes Highlight meines Riga-Aufenthaltes war das Mitfeiern des lettischen Mitsommerfestes "Ligo", das mir die Möglichkeit bot, mich bei Musik und Tanz von meinen Freunden und dem Land zu verabschieden. 

Riga im Schnee.
Riga im Schnee.

Insgesamt blicke ich auf ein erlebnisreiches und erfülltes Jahr zurück, welches mich sehr geprägt hat und an das ich mich noch lange erinnern werde. 

Ich bin sehr dankbar, dass ich viele neue Erfahrungen und Erlebnisse machen durfte und Teil der großartigen PiN-Gemeinschaft bin.  

 

Neben den vielen schönen menschlichen Begegnungen habe ich auch das Land und die Stadt Riga in mein Herz geschlossen und mir fest vorgenommen, dort wieder hinzureisen. 

  

In diesem Sinne

 

Ardievu Rīga – Auf ein baldiges Wiedersehen Riga

Sophia

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