Der Blick über den Tellerrand

In Riga mit Sophia und Luzia. (Foto: privat)
In Riga mit Sophia und Luzia. (Foto: privat)

Hier sitze ich nun und schreibe den Abschlussbericht für mein "Praktikum im Norden" von August 2024 bis Juni 2025. Zehn Monate verbrachte ich rund 1000km Luftlinie entfernt von Zuhause - in einem Land, das ich zuvor noch nie bereist hatte und dessen Sprache ich nicht sprach. 

 

Und eines kann ich schonmal sagen: Ich verstehe den Hype der Deutschen um dieses schöne Land im Norden und werde definitiv zurückkommen. 

 

Am 28. August 2024 ging mein Flieger vom Flughafen Köln/Bonn, was zum jetzigen Zeitpunkt nicht einmal ein Jahr her ist. Ich wusste nicht, welche Herausforderungen auf mich warten würden und welche Menschen ich treffen sollte, aber ich war voller Erwartungen und erfüllt von Vorfreude.

Das Leben am Newman

Newman-Institut in Uppsala.
Newman-Institut in Uppsala.

Ich lebte und arbeitete in Uppsala, wo ich dreimal pro Woche das Newman-Institut unterstützte. Zu meinen Hauptaufgaben gehörte das Reinigen der Gästezimmer und die Instandhaltung des Cafés, wozu unter anderem Einkaufen und Vorbereiten zählten. Ansonsten fielen spontan und unregelmäßig verschiedene andere Tätigkeiten an - von der Organisation von Veranstaltungen bis hin zu handwerklichen Aufgaben. Dabei arbeiteten wir regelmäßig mit dem Hausmeister zusammen. Besonders viel Freude hat mir das Kochen und Backen bereitet, zum Beispiel für das Alumniträff oder das Terminsavslutning der gesamten Hochschule am Ende des Frühlingssemesters. 

 

Uppsala als Stadt habe ich sehr ins Herz geschlossen. In meinen Augen hat es die perfekte Größe, ist dazu noch wunderschön und hat durch die Nähe zu Stockholm und dem Flughafen eine tolle Lage in Schweden - also die besten Voraussetzungen, um Schweden zu erkunden. Hier durfte ich bemerkenswerte Menschen kennenlernen, die mein Leben in der schwedischen Studentenstadt bereichert haben. Angefangen von meinen Mitbewohner*innen, einem der buntesten Haufen an Menschen, dem ich je begegnet bin, über die zufälligsten Begegnungen bis hin zu Mitarbeitenden des Newmans, die immer sehr interessiert und offen auf mich zugekommen sind. 

Wo Hilfe auf Hoffnung trifft

Bei meiner zweiten Einsatzstelle stand ich vor der Wahl zwischen der Caritas, einer Anlaufstelle für Geflüchtete in Schweden, und dem katholischen Kindergarten St. Erik in Stockholm. Ich entschied mich für die Caritas - keine falsche Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. 

 

Die Caritas Möteplats ist ein warmer Ort, der vieles ermöglicht. Hier treffen sich geflüchtete Menschen, die zur Zeit hauptsächlich aus der Ukraine und Südamerika kommen. Es werden Sprachkurse angeboten und Termine mit medizinischen Personal und einer Rechtsberatung ermöglicht. Außerdem finden Ausflüge und Museumsbesuche statt, an denen wir als Freiwillige auch teilnehmen konnten. Auch wenn vor Ort nur die Vorbereitung der Fika anfiel, lernte man viele Menschen mit inspirierenden, aber auch tragischen Lebensgeschichten kennen. Durch die Sprachbarriere fiel es mir jedoch leider manchmal schwer mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. 

 

In einem Land, in dem viele Menschen - selbst im hohen Alter - hervorragend Englisch sprechen und Verständigung kein Problem darstellt, war es für mich eine ungewohnte Erfahrung, hier nicht immer durch Worte kommunizieren zu können. Ich habe gelernt, dass Verständigung weit mehr als Sprache ist. Trotz d er Sprachbarriere fanden wir immer Kommunikationswege. 

 

Seit dem Umzug im Januar hatten wir sogar einen Backofen und backten regelmäßig, was mir wirklich Spaß und die Menschen dort glücklich machte. Pieter, einer der Festangestellten, lobte jedes Mal unsere Backkreationen und das, obwohl ich aus sicherer Quelle weiß, dass sie nicht immer ein Gaumenschmaus sind. Aber Improvisation ist eben auch eine Kunst.

 

Schön an dieser Einsatzstelle ist definitiv auch, dass ich dort regelmäßig meine Mitfreiwilligen Ronja und Bendix traf. ich bin sowohl ihnen als auch Emilia sehr für all die geteilten Erlebnisse und die Unterstützung in schwierigeren Monaten dankbar. 

Nicht nur Alltag

Besondere Ereignisse in diesem Jahr waren die "Saco Mässan", und ein Retreat auf Gotland, dass ich begleiten durfte.

 

Bei der "Saco Mässan" präsentieren sich Universitäten und Hochschulen aus ganz Schweden (und teilweise auch Finnland) den Schülerinnen und Schülern, wobei wir natürlich das Newman-Institut vertraten.

 

Sowohl die Arbeit als auch meine Freizeitgestaltung machten es mir möglich Schweden und auch einige weitere Länder Nordeuropas zu erkunden. Als ich im März im Rahmen des Retreats nach Gotland fuhr, hatten wir recht viel Glück mit dem Wetter und so konnte ich die  wunderschöne Altstadt von Visby genießen. Auch wenn ich von Gotland nur einen winzig kleinen Bruchteil gesehen habe, war ich wirklich verzaubert.

 

Meine weiteren Reisen brachten mich unter anderem nach Riga und Tallinn. Diese beiden Städte im Baltikum haben es mir besonders angetan, da ich mich mit niedrigen Erwartungen in das Flugzeug gesetzt hatte. Eine amerikanische Touristin brachte es perfekt auf den Punkt: „I didn ́t know what to expect, but it ́s really beautiful.“

 

Durch Riga wurden Jule und ich von von den dortigen Freiwilligen Sophia und Luzia geführt. Als eindrucksvoll empfand ich besonders den Besuch im Okkupationsmuseum der lettische Hauptstadt. Es hat meinen Blickwinkel auf die Geschichte und Mentalität dieses kleinen Landes verändert, die auch durch den Angriffskrieg Russlands beeinflusst wurde.

Ein weiteres Highlight war das Midsommarfest in Rättvik, das wir gemeinsam gefeiert haben. Es gehört zu einer meiner schönsten Erinnerungen in Schweden. Unser Fest hatte glücklicherweise keinerlei Parallelen zu dem bekannten Film und so aßen wir Erdbeerkuchen und flochten Blumenkränze.

 

In diesem Jahr habe ich so viel erlebt und bin als Mensch gewachsen - es gab viele Höhen, aber auch Tiefen. Ich bin dankbar für jede einzelne Erfahrungen und nehme mir viel für meinen weiteren Lebensweg mit. Für mich persönlich war es die richtige Entscheidung, diesen großen Schritt zu wagen und ich bin stolz, dass ich mich getraut habe.

 

Besonders dankbar bin ich dem „Praktikum im Norden“ auch für die Möglichkeit Menschen kennenzulernen, denen ich sonst nie begegnet wäre. Auch grade in Anbetracht der vielen schlechten Nachrichten, die tagtäglich auf uns einprasseln, hat es mir gezeigt, dass es doch sehr viele korrekte Menschen überall auf der Welt gibt und es sich immer lohnt sie 

kennenzulernen – auch wenn es am Anfang immer Arbeit ist.

 

Stort tack och lycka till!

 

Wiebke

Die Träger des Projekts           Kontakt

Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V. 

Kamp 22 | 33098 Paderborn

Tel.: 05251 29 96 - 0

Fax: 05251 29 96 - 88

E-Mail: 
[email protected]

Web: www.bonifatiuswerk.de

 

Weitere Infos zum Bonifatiuswerk

 

Newman-Institut 

Ricarda Clasen

Projektkoordinatorin

Slottsgränd 6 | 75309 Uppsala

Web: www.newman.se

E-Mail: [email protected]

 

 

 

 

 

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Referentin "Missionarische und diakonische Pastoral"
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Redakteurin "Kommunikation"
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Das Bonifatiuswerk-Praktikanten-Programm wird finanziell vom Erzbistum Paderborn unterstützt.