Magdalena Overberg - Rückblick auf ein Dreivierteljahr Schweden

Ende August letzten Jahres kam ich im spätsommerlichen Schweden an. Nach ein paar Tagen bei den Praktikanten in Uppsala zog ich dann nach Stockholm, wo ich im fünften Stockwerk über der Kirche St. Eugenia mein Zuhause für sieben Monate fand. Nach Schweden gekommen bin ich um dort in die Pfarrei St. Eugenia kennenzulernen und dort mitzuarbeiten.

 

St. Eugenia

Vor meinem Aufbruch nach Stockholm hab ich ja schon gehört, dass die katholische Kirche in Schweden recht klein ist, doch dann kam ich in diese ziemlich große Kirche, in der auch noch ziemlich viel los ist: jeden Werktag zwei Messen und am Sonntag gleich fünf, bei denen die große Kirche auch noch ziemlich voll besetzt ist. Beim Hochamt am Sonntag und der Messe auf Englisch werden sogar noch Stühle im Kirchenfoyer aufgestellt. Man muss aber auch dazusagen, dass das das Einzugsgebiet der Pfarrei ziemlich groß ist. Mir hat dort mal jemand erzählt, sie hätte es nicht so weit zur Kirche, nur 20 Minuten mit der U-Bahn. Ich für meinen Teil finde das schon recht weit, ich habe in Deutschland bisher immer fußläufig zur nächsten Kirche gewohnt.

 

 

Gemeindeleben und viele Aufgaben

In Schweden begann gerade das neue Schuljahr und so fingen viele Dinge gerade wieder an, sodass ich gut einsteigen konnte. Die Katechesegruppen (ich berichtete), die Studentengruppe, die Vorlesungsreihe „katolska kyrkans lär och liv“, die Proben im Jugendchor der Gemeinde, die Arbeit beim Caritas Mötesplats und das Semester am Newman Institut in Uppsala, wo ich einzelne Kurse belegt habe. Aus diesen Bereichen entwickelte sich dann eine relativ feste Woche. In meiner schwedischen und in der englischen Katechesegruppe konnte ich selbst viel gestalten und (mit-) vorbereiten. In der Studentengruppe (Catholic University Chaplaincy) war ich ja selbst Teil der Gruppe und konnte zusätzlich etwas zuarbeiten wie die Fika vorbereiten und das Programm mitplanen. Umgangssprache ist immer das Englische, da so viele ausländische Studierende dabei sind.

 

Der Schwedisch-Unterricht beim Mötesplats Caritas
Der Schwedisch-Unterricht beim Mötesplats Caritas

Bei der Caritas war es als Praktikantin das Wichtigste, zuverlässig von Anfang bis Ende da zu sein, einen Überblick über die praktischen Dinge zu behalten und damit die Leiterin, Schwester Christina zu entlasten. Ich habe viele Dinge wie die Anleitung der Ehrenamtlichen, die Gespräche mit Gästen, den Einkauf und Vorratshaltung , die Kinderbetreuung, Kopien für den Schwedisch-Unterricht und ähnliches übernommen. Gerade im im Nachhinein würde ich sagen, dass das die wichtigste Aufgabe war, immer zuverlässig bis zum Ende dazu bleiben

 

In den letzten Wochen habe ich selbst begonnen, unseren Gästen etwas Schwedisch zu vermitteln. Dies war oft herausfordernd, gerade mit den unterschiedlichen Voraussetzungen der Teilnehmer, aber es hat mir auch sehr viel Freude bereitet kleine Lernfortschritte begleiten zu können.

 

Bei der Vorlesung „katolska kyrkans lär och liv“ (Lehre und Leben der katholischen Kirche) habe ich hospitiert und hier einige Menschen kennengelernt, die sich für die katholische Kirche interessieren und ihr vielleicht beitreten werden. Aber auch einige langjährige Katholiken kamen regelmäßig dazu, bei diesem Angebot können alle etwas über den Glauben lernen und vertiefen.

 

Der Jugendchor in St. Eugenia war für mich keine Praktikantenaufgabe, sondern meine Freizeit. Die Proben und Auftritte haben mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe eine ganze Reihe Freunde gefunden.

 

Schnell hatte ich bei meinen verschiedenen Aufgaben eine Reihe von Bekannten gemacht, die ich öfter traf. St. Eugenia war es ganz klar „meine“ Gemeinde, ich habe ja sogar über der Kirche gewohnt. Mein Weg führte automatisch mehrmals täglich durch das große Foyer der Kirche, sodass ich oft mitbekommen habe, wie viel eigentlich immer in der Gemeinde los ist; fast jeden Tag treffen sich verschiedene Gruppen. Die Marienkapelle in der Kirche, das Café und der Buchladen stehen fast den ganzen Tag offen.

 

 

Mein Eindruck ist, dass in der großen Gemeinde wirklich viele verschiedene Leute einen Platz finden können. Trotzdem ist eine große Gemeinde, die sich vor allem am Sonntag zur Messe und Kirchencafé trifft. Hier kommen alle zusammen, junge und alte Menschen, Schweden und viele Einwanderer, Menschen, die in der katholischen Kirche groß geworden sind und Konvertiten..

 

Das Hochamt wirkte immer sehr feierlich, viele Menschen kommen recht früh und manchmal konnte man den Kirchenmusiker noch ziemlich aufgeregt rumlaufen sehen. Einiges wirkte traditioneller als in Deutschland, was vor allem auffällt: es wird mehr Latein gesungen und es gibt jeden Sonntag Weihrauch. Auch die Gemeinde wirkt recht „konzentriert“ wenn man es so beschreiben möchte; man verbeugt sich öfter (und tiefer!), und viele freuen sich immer besonders über eine schöne Predigt.

 

In und rund um Stockholm

Neben alledem konnte ich auch noch viel unternehmen und vom Land sehen, rund in und um Stockholm. Dank der Wohnlage direkt am Kungsträgården konnte ich immer mal wieder durch Gamla Stan, die Altstadt spazieren oder ab und an eins der vielen Museen besichtigen. Aber auch weiter entfernte Orte durfte ich bereisen, ich war während meines Praktikums in Vadstena, Göteborg, beim Papstbesuch in Malmö, in Oslo, Helsinki und natürlich über Silvester in Riga.

 

 

Gerade in der Abschiedszeit ist mir bewusst geworden, welche vielen Menschen ich kennenlernen durfte, denen es sehr wichtig wahr sich von mir zu verabschieden, obwohl sieben Monate eigentlich ja gar nicht so lang sind und sehr schnell vorüber gehen können.

Ich bin froh, dass ich die lebendige Kirche Schwedens kennenlernen durfte, die mich aufgenommen hat und in der ich mich sehr zu Hause fühlen konnte.

 

Ich hoffe, dass ich einen kleinen Beitrag dort leisten konnte und diejenigen, die in Katechese und Diakonie verantwortlich sind, etwas entlasten konnte. Letztendlich war mein persönlicher Gewinn unendlich größer als das, was ich geben konnte, ich fühle mich bereichert um viele neue Freunde, die Erfahrung einer internationalen Kirche, viele gute Gespräche, dank der ich im Glauben wachsen durfte und nicht zuletzt kann ich jetzt einigermaßen Schwedisch.

Besonders freue ich mich nun darauf, bald wieder in Stockholm zu Besuch zu sein. Stockholm, vi ses snart!

 

Magdalena Overberg  

 

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