„It´s gonna be lovely chaotic!“- Meine 10 Monate in Kopenhagen

Nun bin ich schon seit einer ganzen Weile nicht mehr in Kopenhagen und kann nur sagen, dass ich den Flair der Stadt, die breiten Radwege und all die tollen Menschen, die ich in den letzten Monaten kennenlernen durfte, sehr vermisse.


Als ich im letzten August nach Dänemark fuhr, wusste ich nicht wirklich, was mich erwarten würde und war dementsprechend aufgeregt aber auch ein wenig nervös, was sich bald als unbegründet herausstellte, da wirklich jede Person herzlich zu mir war.
Das Jahr war geprägt von der entspannten Gemütlichkeit bzw. der hyggeligen Lebens-einstellung der Dänen und wundervollem Chaos, dass dann doch hin und wieder aus-gebrochen ist.

 

DUK

Das soeben beschriebene trifft vor allem auf unsere Haupteinsatzstelle zu. Das Büro von Danmarks Unge Katolikker ist meistens ein recht beschaulicher Ort, an dem es den Großteil der Zeit kaum etwas zu tun gibt, als mit den Mitarbeitern zu plauschen und frokost (Mittagessen) zu essen.

 

Doch wenn es Aufgaben gab, dann viele auf einmal. Da muss gedruckt, gefaltet, geschnitten, getackert und laminiert werden, hundert kleine Gegenstände warten darauf ordnungsgemäß in Geschenkpapier eingewickelt zu werden, Plakate müssen abgezählt, in Briefumschläge verpackt und frankiert werden. Die Kisten mit Materialien und T-Shirts mussten zu diversen Gelegenheiten aus dem Keller und wieder hinuntergetragen werden. Alles in allem keine schweren, aber häufig, aufgrund der Menge, zeitaufwändige Aufgaben.

Insbesondere bei den Vorbereitungen für das siebzigjährige Jubiläum im September, die
Jugendleiterausbildung im Oktober, die Jahresversammlung im November, den Weltjugendtag im Januar und die Erstkommunions- und Firmwochenenden im Februar und März sowie die
Marienwallfahrten im Mai haben Jule und ich einiges geschafft und gleichzeitig waren dies auch die großen Highlights des Jahres.


Bei jeder dieser Aktivitäten haben wir neue Jugendliche und Erwachsene kennengelernt und
wiedergetroffen. Vor allem durch die lange gemeinsame Zeit in Panama haben sich Freund-schaften entwickelt und gefestigt, wodurch wir Teil dieser eingeschworenen Gemeinschaft von jungen engagierten Menschen werden konnten.  

Mich haben die Sakramentswochenenden, die mit den jährlichen Sommerlagern das „Kerngeschäft“des DUK bilden, besonders beeindruckt und motiviert, mich auch daheim stärker einzubringen.
Von diesen Wochenenden stammt auch das Titelzitat, dass Kim, einer der Büromitarbeiter, im
Hinblick auf das bevorstehende Wochenende mit ca.110 angemeldeten Firmlingen und einem
unterbesetzten Helferteam ohne ein extra Küchenteam (was sonst üblich ist) geäußert hat. Und es war „lovely chaotic“, auch wenn der chaotische Teil überwog. Ansonsten meist doch ziemlich organisiert, wurde den Kindern der Glaube auf spielerische Weise nähergebracht und natürlich sind auch der Freizeitspaß und der Party-Abend nie zu kurz gekommen.

Ømborgen, kurz Øm

Der Ort, wo ein Großteil der eben genannten Termine stattfinden, ist Ømborgen, kurz Øm.

Das Freizeithaus der dänischen Katholiken liegt auf Jütland direkt an einem großen See in idyllischer Einsamkeit und lädt zum paddeln, schwimmen und Sonne genießen ein. Ende April haben Jule und ich uns schweren Herzens davon verabschiedet, da es uns ein zweites Zuhause geworden ist.

 

Unsere Registrierung in Dänemark

Ein wichtiger und für uns ebenfalls sehr chaotischer Teil der ersten Praktikumsmonate war unsere Registrierung im dänischen Zentralen Personenregister.

Mit viel Ruhe von unseren Kollegen im Büro und einigem verzweifelten Humor unsererseits, angesichts der zunächst erfolglosen Besuche
in der Staatsverwaltung, haben wir es aber schlussendlich doch geschafft eine CPR-Nummer zu erhalten. Um weiterem Chaos vorzubeugen haben wir viel überlegt und einen Leitfaden für die nächsten Praktikanten geschrieben.

 

Wie geht's weiter? Unser Feedback

Insgesamt wollten Martin, Kasper, Teresa und Kim immer wieder unsere Meinung und Feedback haben, da wir neben Immanuel die ersten Praktikanten in Dänemark waren. Diese Offenheit und der Wille, die Situation und Erfahrung für die Praktikanten zu erweitern und zu verbessern, haben mir sehr imponiert und unter anderem dafür gesorgt, dass wir ein Fahrrad für die neuen Praktikanten gekauft und uns Gedanken über weitere Arbeitsstellen wie die Caritas gemacht haben. Wann hat man schon Mal die Möglichkeit, auf die Zukunft eines Projektes solchen Einfluss zu nehmen?

 

Das Niels Steensens Gymnasium

Anders als in Deutschland gehen die Schüler in Dänemark bis zur neunten Klasse in die
Grundskole, danach können sie aufs Gymnasium gehen und auch wenn es für die Größe des Landes sehr viele katholische Schulen in Dänemark gibt, so gibt es doch nur ein Gymnasium.

 

Das Niels Steensens war meine Arbeitsstelle, wo ich eine siebte, eine achte und die erste und zweite Gymnasiumsklasse für jeweils drei Wochenstunden im Deutschunterricht begleiten durfte. Die beiden Lehrerinnen Tine und Sannie waren sehr sympathisch und haben mir die Möglichkeit gegeben, hin und wieder auch selber etwas vorzubereiten.


Bei den Kleinen geht es um die Grundlagen der Sprache und wir haben manchmal auch in einem Mischmasch von Deutsch, Englisch, meinen nicht vorhandenen Dänischkenntnissen und mit Händen und Füßen kommuniziert. Über das Jahr ist das deutlich besser geworden und es hat mir viel Spaß gemacht, die Kinder in ihren Fortschritten zu beobachten und hin und wieder Anteil an einem AHA-Moment zu haben.


Die Gymnasiasten waren in meinem Alter und beherrschten die Sprache weitestgehend, weshalb viel thematisch, meistens rund um die deutsche Geschichte der letzten hundert Jahre, gearbeitet wurde, was mir und meiner Leidenschaft für Geschichte entgegenkam. Das Sprachlevel der Schüler war sehr unterschiedlich, aber die meisten konnten sich schon sehr gut mit mir unterhalten, weshalb ich häufiger mit der halben Klasse in ein anderes Zimmer gegangen bin. Dort konnten wir die Aufgaben in etwas schnellerem Tempo lösen als im Klassenverband und die restliche Zeit mit Fragen und kleinen Diskussionen überbrücken. Insbesondere mit den Ältesten hatte ich viel Spaß, auch weil ich mit ihnen auf Klassenfahrt nach Berlin fahren durfte, komplettes Chaos und sitzen in der dänischen Botschaft inbegriffen.

 

Außerhalb der Arbeit

Mit einer Stadtführung und einer Fahrradtour im September haben Jule und ich unsere
gemeinsamen Ausflüge eingeläutet. Immer wieder haben wir uns auf Streifzüge durch die vielen Stadtviertel und Parks (zu denen übrigens auch die Friedhöfe zählen) begeben, auf der Suche nach der besten heißen Schokolade, den besten Zimtschnecken und den ersten Frühlingsblumen.

 

Eine Fahrt nach Malmö haben wir uns natürlich nicht nehmen lassen, genauso wenig wie einen Tag in Roskilde, der ehemaligen Hauptstadt Dänemarks, zu verbringen. Da Jule schon Ende April zurück nach Deutschland gefahren ist, habe ich den Großteil meiner Museumsbesuche allein absolviert und mich von moderner Kunst und dem dänischen Goldenen Zeitalter begeistern lassen. Außerdem durfte Kronborg Slot in Helsingør nicht fehlen, schließlich
haben wir uns im Deutschunterricht wochenlang mit Hamlet beschäftigt, auch wenn der historische Hamlet nie dort gelebt hat.

 

Andere PINler

Im Dezember haben wir vier Tage lang mit Ricarda und Lenja das verschneite Oslo unsicher gemacht, den Weihnachtsmarkt besucht und diverse Schnee-spaziergänge gemacht.

 

Ebenso viel Spaß hatte ich auch im Juni, als ich Hanne in Uppsala besucht habe, wo wir bei unverschämt warmem Wetter und wunderbarem Sonnenschein durch Stadt und Land marschiert sind, den schwedischen Nationalfeiertag begangen und ein paar Aktivisten von Fridays for Future vor dem Parlament in Stockholm gesehen haben.

 

Auch die Mädels aus Island haben wir getroffen, wenn auch in deutlich südlicheren Gefilden. Wir sind uns bei dem Eröffnungsgottesdienst des Weltjugendtages in Panama City über den Weg gelaufen und haben uns über unsere Erfahrungen im Praktikum und in Panama
ausgetauscht.

Der Weltjugendtag war ein weiteres der vielen großen Highlights des Jahres, das mich tief
beeindruckt hat, aber weil ich dazu bereits ausführlich geschrieben habe, halte ich das hier ein
wenig kurz.

 


Dieses Jahr habe ich sehr viel über mich und meinen Glauben, über Dänemark, aber auch über
Deutschland gelernt. Ich bin sehr dankbar für dieses Jahr und die vielen kleinen Momente, die mich am meisten glücklich gemacht haben und immer noch machen. Darauf kommt es offensichtlich auch den Dänen an, die sich für so gut wie alles bedanken, sei es nun die Doppelstunde Deutsch, die Anwesenheit bei einer Fahrt nach Øm, oder dass man schon unbemerkt den Tisch fürs Mittagessen gedeckt hat.

 

Deshalb möchte ich im Stil einer Verabschiedungsrunde des DUK schließen.
Vi ses og tak for en god tur
(Wir sehen uns und danke für die gute Reise.)

Hedwig

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Referentin Missionarische und diakonische Pastoral
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