"Na, wie waren die letzten fünf Monate?"

Anna Maria (Mitte) mit ihren Schwestern über den Dächern Rigas
Anna Maria (Mitte) mit ihren Schwestern über den Dächern Rigas

Die Frage "Na, wie waren die letzten fünf Monate deines Lebens?" kann wohl kaum jemand mit einem Wort oder auch nur einem Satz beantworten. Darum versuche ich es gar nicht erst.

Was ich im folgenden Bericht an Eindrücken beschreibe sind Momentaufnahmen einer erlebnisreichen und wunderbaren Zeit.

Erfahrungen sammeln

Ich habe mich für das Praktikum in Riga entschieden, weil ich Erfahrungen in verschiedenen sozialen Bereichen sammeln wollte. Obwohl ich das Fazit damit schon vorwegnehme: Dieses Ziel habe ich erreicht.

Kerzenwerkstatt

Während meiner Zeit in Lettland habe ich in einer Einrichtung für junge Menschen mit Mehrfachbehinderung gearbeitet. Wie genau der Alltag dort aussieht, habe ich schon mal in meinem Blogeintrag "Candles for the world" beschrieben. Bis zum Ende meines Praktikums habe ich sehr gerne an diesem Ort gearbeitet.

"Burtnieks Crisis Centre"

In meiner zweiten Arbeitsstelle durfte ich bei der Kinderbetreuung mithelfen. Das "Burtnieks Crisis Centre" nimmt Familien, die in Krisensituationen leben für bis zu sechs Monate auf. Im Familienzentrum werden sie von Sozialarbeiterinnen und Sozialmitarbeiterinnen, Psychologinnen und Therapeutinnen betreut und im Alltag begleitet und unterstützt. Während der Gruppentherapiestunden wird eine Kinderbetreuung angeboten.

 

Die Schwierigkeit besteht darin, auf 10 -15 Kinder im Alter von 0-15 Jahren aufzupassen. Oft wurden mir ein oder zwei Kleinkinder zugeteilt, bei denen ich darauf achten sollte, dass niemand versehentlich auf sie steigt. Diese zwei Stunden waren immer eine sehr lebhafte, anstrengende und doch bereichernde Zeit, in denen regelmäßig das Bällebad und sämtliche Regale, Schubladen und Fächer geleert und systematisch auf dem Boden verteilt wurden.

 

Da ich Sozialarbeiterin bin, durfte ich auch einige Male die Mitarbeiterinnen begleiten und konnte so deren Aufgabenbereiche und Arbeitsalltag kennenlernen und Fragen stellen.

Neue Herausforderung

Experimentierstunde in der Sozialisationsgruppe
Experimentierstunde in der Sozialisationsgruppe

In den letzten beiden Monaten bekam ich noch eine neue Stelle zugeteilt. Ich arbeitete in einem Zentrum für Kinder mit Autismus. Dort finden Einzel- und Gruppentherapiestunden für Kinder und Jugendliche statt. Ich durfte eine Sozialisationsgruppe von fünf Jungen im Alter von 6-7 Jahren begleiten.

 

Dort lernte ich nicht nur ein neues Klientel, sondern sogar noch eine neue Sprache kennen. Die Gruppenstunden wurden komplett auf Russisch abgehalten. Ich stellte fest, wie viel mehr Lettisch ich im Gegensatz zu dem mir komplett unverständlichen Russisch verstand. Außerdem machte ich die Erfahrung, dass Sprache gerade im Umgang mit autistischen Kindern keine wichtige Rolle in der Verständigung spielt.

Meine Freizeit

Wenn man nach der Heiligen Messe spontan zum Zwiebelschneiden engagiert wird
Wenn man nach der Heiligen Messe spontan zum Zwiebelschneiden engagiert wird

Neben meinem Arbeitsalltag, den ich individuell festlegen und gestalten konnte, besuchte ich einen Lettisch-Einsteigerkurs, sang in einem Kirchenchor und half bei anfallenden Aufgaben im Kloster mit.

 

Einige Highlights Rigas sind für mich die Parks, die gemütlichen Cafés und kulturelle Angebote wie Opern- und Ballettaufführungen in der lettischen Nationaloper. An einigen Wochenende boten sich Ausflüge ans Meer und in andere Städte des Baltikums an.

Besuche

Die Besuche der anderen Praktikanten sowie von Freunden und Familie boten eine gute Gelegenheit, die Museen und Sehenswürdigkeiten der Stadt zu erkunden. Ein besonderer Ausflug war für mich der "Sunrise Walk" mit einer Wandergruppe aus jungen Leuten, bei der wir gemeinsam 10km am Strand der Rigaer Bucht entlang wanderten.

Weihnachten & Nachtleben mit neuen Freunden

Adventskalender des Studentinnenflures im Kloster
Adventskalender des Studentinnenflures im Kloster

Auch das Weihnachtsfest, das ich im Kloster mit den Schwestern und bei einer Gefängnismesse verbringen durfte, war für mich ein besonderes Erlebnis.

 

Das Nachtleben Rigas und andere Freizeitvergnügungen erkundeten wir Praktikant_innen mit unseren Freundinnen, die wir über die deutsche Schule kennengelernt hatten. An den meisten Sonntagen durften wir typisch lettische Kochkunst bei den Schwestern beim Mittagessen genießen.

Ruhige Momente

Rigaer Straßenbahn
Rigaer Straßenbahn

Und dann gab es noch die Momente, in denen ich einfach durch die Stadt gewandert bin, in der die Gesichter der Menschen und die Häuserfassaden von der Geschichte dieses Landes erzählen. Das verschlossene Schweigen der Menschen in den Bussen und Straßenbahnen wird zur Mittagszeit abgelöst vom lauten Lachen der Schulkinder und lässt den Aufbruch eines gesellschaftlichen Wandels erahnen.

 

Während meiner Zeit in Riga habe ich gelernt, Kaffee mit dem ungefilterten Pulver in der Tasse zu trinken, dass man zu jeder Gelegenheit Kuchen essen kann und man in Riga die Geschäfte offenbar thematisch geordnet in den Straßen ansiedelt.

Ich bin dankbar für die vielen herzlichen Begegnungen, die warme Fürsorge der Schwestern und die vielen Gelegenheiten, Teil der lettischen Gemeinschaft in Alltag und Glaube gewesen zu sein.

 

Anna Maria

Die Träger des Projekts                             Kontakt

 

Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V. 

Kamp 22 | 33098 Paderborn

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Fax: 05251 29 96 - 88

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Web: www.bonifatiuswerk.de

 

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Newman-Institut 

Ricarda Clasen

Projektkoordinatorin

Slottsgränd 6 | 75309 Uppsala

Web: www.newman.se

E-Mail: ricarda.clasen@newman.se

 

 

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Julia Jesse

Referentin Missionarische und diakonische Pastoral
Tel.: 05251 29 96 - 44
E-Mail: julia.jesse@bonifatiuswerk.de



Finanziell unterstützt wird das Bonifatius Praktikanten Programm durch das Erzbistum Paderborn.