
Der Winter war in Riga einfach magisch. Die ganze Stadt war seit dem Nationalfeiertag hell erleuchtet, jeder Baum und jeder Park waren sowohl in der Innenstadt als auch im nahegelegenen Park unseres Wohnviertels mit Lichterketten geschmückt – was uns den tristen Winter ein wenig erhellte.
Wir haben uns den Winter durch einen Besuch bei einem Candlelight-Konzert und in der Oper aber auch selbst ein wenig erhellt und mit Leben gefüllt.
Die -20 Grad, die uns lange Zeit begleitet haben, mussten wir irgendwie nutzen: wir sind Schlitten gefahren, Schlittschuh gelaufen und ich habe meine ersten Versuche beim Langlaufen gewagt - und so wurde die kalte Jahreszeit zu einem richtig schönen Bilderbuch Winter.
Das Wetter und die Kultur
Ach, und Strandbesuche gehören hier im Winter auch dazu. Es muss schließlich ausgiebig genutzt werden, wenn man die Ostsee vor der Haustür hat.
Jetzt reicht es mir aber auch mit dem Winter, und ich bin bereit für den Frühling. Wenn der Frühling genauso schön wird, wie der erlebte Herbst des letzten Jahres, dann wird er wunderschön. Dieser Meinung sind die Letten auch, deswegen haben wir letztes Wochenende das "Meteni-Festival" gefeiert, um das Ende des Winters und den Beginn des Frühlings einzuläuten. Dies ist zwar ein eher heidnisches Fest, das auf die Bronzezeit zurückgeht, es wurde aber dem christlichen Kalender angepasst und wird um Aschermittwoch gefeiert.
An diesem Fest kann man gut sehen, dass wir uns in einer Diaspora Region befinden, im Baltikum sind "Mikeldiena" im Herbst und "Meteni" im Frühling, sowie Mittsommerfeste jene Tage, die den Rhythmus des Jahres bestimmen, und es wird sich dabei an der Sonne und dem Wetter orientiert. Dies sind andere Faktoren als in unserem Heimatland, wo christliche Feste den Rhythmus des Jahres bestimmen.
Oh, wie schön ist Riga
Einsatzstellen in Riga schenken Menschen Hoffnung

Der Alltag kann im Winter sehr eintönig sein. Neben der Kerzenwerkstatt und dem Autismus-Zentrum arbeiten wir deshalb seit Neustem auch bei den Mutter Teresa Schwestern, denen wir in der Suppenküche aushelfen. Dies ist ein sehr schöner Arbeitsplatz, ich habe sogar das Gefühl, dass meine Arbeit wertvoll ist.

Ich glaube da machen wir genau das, was Jesus gepredigt hat: Wir dürfen den Alten, Kranken und Bedürftigen ein bisschen Unterstützung bei ihren Grundbedürfnissen geben.
Riga bietet in der Tat einen sehr wertvollen Freiwilligendienst. Alles, was wir tun, entspricht meiner christlichen Vorstellung, den Ausgegrenzten und Benachteiligten einen Platz in der Gesellschaft zu ermöglichen.
"Das Ausland hat mich nochmal neu erwachsen werden lassen"
Ein kleines Fazit, nachdem ich mittlerweile sechs Monate im Ausland lebe: Der Anfang war aufgrund vieler Sprachbarrieren und kultureller Missverständnisse hart, nachdem sich das jedoch nach und nach gelöst hatte, wurde es immer besser. Im Ausland zu leben, hat mich nochmal neu erwachsen werden lassen und mich in meiner Persönlichkeit gestärkt. Inzwischen fühle ich mich in dieser Stadt wirklich richtig frei und habe viele Dinge gemacht, die ich so zu Hause nicht gemacht hätte, weil man sich in einer fremden Stadt über solch einen Zeitraum doch traut, Dinge zu wagen und mutig zu sein. Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrungen und möchte diese für nichts auf der Welt eintauschen.




