Ein halbes Jahr Vadstena, ein halbes Jahr Uppsala

Patricia Albers berichtet von ihrem Aufenthalt in Vadstena und Uppsala:

„Bleib bloß nicht da!“ - das habe ich vor meiner Abreise nach Schweden oft gehört. Der ein oder andere meiner Freunde und Verwandten fragte sich wohl, warum ich nach dem Beenden der Schule unbedingt in einem Kloster arbeiten musste. Denn in genau so einem begann mein Praktikum im August 2014, ich arbeitete ein halbes Jahr im Birgittakloster in Vadstena. Es gehörte schon ein bisschen Mut dazu, sich für ein Jahr nach Schweden zu wagen, schließlich kannte ich zuvor weder Land noch Sprache. Im Gästehaus des Klosters habe ich gemeinsam mit einer anderen Praktikantin des Bonifatiuswerkes gearbeitet. Es kamen allerdings immer wieder ehemalige Praktikanten zu Besuch, die einerseits ihre Erfahrungen mit uns teilen konnten und andererseits fleißig mit angepackt haben, wenn das Haus mal wieder ausgebucht war. Durch den täglichen Kontakt mit den Schwestern habe ich mich in dieser Zeit auch sehr stark mit meinem eigenen Glauben auseinandergesetzt. Außerdem lädt auch Vadstena selbst, wunderschön am Vätternsee gelegen, dazu ein, immer wieder innezuhalten und sich Zeit für sich zu nehmen. Vor allem im langen und dunklen schwedischen Winter kamen mir der Ort und das Kloster wie eine eigene kleine Welt inmitten der Schnelligkeit und Lautstärke der heutigen Zeit vor.

Das Gästehaus der Birgitta-Schwestern.
Das Gästehaus der Birgitta-Schwestern.
Die "Skyline" von Vadstena.
Die "Skyline" von Vadstena.

Als Praktikant habe ich mit den Gästen im Gästehaus gelebt und hatte so natürlich auch viel Kontakt mit den verschiedensten Gruppen - vom Ikonenmalkurs über Heiligen Tanz bis zu Besinnungswochenenden. Vor allem letzteres verlangte auch uns Mitarbeitern einiges ab, wir mussten wie die Teilnehmer in Stille arbeiten, nur in der Küche darf während dieser Zeit gesprochen werden.
Im Gästehaus wird jeden Tag aufs Neue ein Ort geschaffen, an dem der Glaube gelebt werden kann. Die Mitarbeiter und Schwestern waren dabei für mich wie eine große Familie. Ich werde den Kontakt, so wie viele Ehemalige, aufrechterhalten und sicher immer sehr gerne wiederkommen.

Kanu-Tour auf dem Vättern-See.
Kanu-Tour auf dem Vättern-See.

Patricia während einer Modenschau im Erikshjälpen Second Hand Shop.
Patricia während einer Modenschau im Erikshjälpen Second Hand Shop.

Die zweite Hälfte meines einjährigen Aufenthalts in Schweden habe ich in Uppsala verbracht. Uppsala ist die viertgrößte Stadt Schwedens, vom kleinen Vadstena in die große weite Welt sozusagen. Meine Arbeit teilte sich hier in drei Teile auf. An drei Tagen in der Woche arbeitete ich im Erikshjälpen-Second-Hand. Diese Ladenkette wird von einer Stiftung getragen und erzielt ihre Einnahmen durch den Verkauf von geschenkten Waren. Der gesamte Gewinn wird sozialen Projekten in aller Welt zur Verfügung gestellt. Viele der Mitarbeiter stellen sich als Volontäre neben ihrer eigentlichen Arbeit zur Verfügung. Kunden, sowie Mitarbeiter haben die verschiedensten Nationalitäten, sowie soziale Hintergründe. Hier habe ich die geballte schwedische Gesellschaft getroffen. Das ist manchmal schwierig, meistens aber einfach nur unglaublich spannend.
Ich selbst habe hier hauptsächlich im Café des Ladens gestanden. Ich hatte die Möglichkeit sehr eigenverantwortlich zu arbeiten und habe zum Beispiel die wöchentlichen Lebensmittelbestellungen übernommen.
Der Laden ist nur jeden zweiten Tag geöffnet. An den geschlossenen Tagen wird alles aufgeräumt, Waren sortiert und Regale aufgefüllt. An diesen Tagen habe ich in der Spielzeugabteilung gearbeitet. Das Sortieren der ankommenden Spielsachen war stets begleitet von lautem „Oh, wie süß!“ oder auch etwas leiserem „Was macht man denn damit?“ Beinahe täglich begannen neue Kollegen, sodass wir immer wieder den Arbeitsablauf erklären mussten, das kann ich mittlerweile mit relativ fließendem Schwedisch ganz gut.

An den Wochenenden half ich in der katholischen Gemeinde St. Lars. In Schweden gibt es in den Schulen keinen konfessionsgebundenen Religionsunterricht. Die katholischen Kinder werden von der 1. Klasse bis zur Firmung in der Kirche über ihren Glauben unterrichtet. Hierbei habe ich die Katecheten unterstützt. Zum einen mit sehr praktischen Dingen, wie Essen machen oder dem Aufbauen von technischen Geräten, zum anderen aber auch, indem ich von der katholischen Kirche in Deutschland berichten konnte. Einer der Priester hier sagte mir einmal, ich würde durch diese Arbeit zum Glaubensvorbild für die Kinder, nicht nur in der Messe, sondern auch im Alltag. In Uppsala sind über 80 Nationalitäten in der katholischen Gemeinde vertreten. So können nicht alle Kinder von Anfang an Schwedisch, das erschwert die Bedingungen im Unterricht natürlich erheblich. Interessant wurde es auch immer, wenn die Eltern ihre Kinder abholten. In dem ganzen Sprachengemisch verstand ich häufig kein Wort. Über Ostern findet in der Nähe von Stockholm jedes Jahr ein Familienlager für interessierte Familien aus der Gemeinde statt. Ich übernahm dabei die Kinderbetreuung und wieder konnten wir, wenn auch nur zeitweilig, einen Ort für den Glauben schaffen.

Trditionelles Floßrennen an Valborg, der schwedischen Walpurgisnacht.
Trditionelles Floßrennen an Valborg, der schwedischen Walpurgisnacht.
Die Küste von Gotland.
Die Küste von Gotland.

Der dritte Teil meiner Arbeit spielte sich am Newman-Institut, der einzigen katholischen Hochschule in Nordeuropa, ab. Ich war für die Betreuung einer Gästewohnung zuständig und habe ansonsten bei verschiedenen Veranstaltungen, wie dem Semesterabschluss oder der Almedalen-Woche auf Gotland unterstützt. Diese Arbeit brachte auch einige Reisen mit sich, sei es zu einer Seminarfahrt in das nördlichere Schweden oder in das fast schon kitschig schwedische Ferienhaus Marieudd in der Nähe von Stockholm. So konnte ich immer wieder neue, aufregende Seiten von Schweden kennenlernen.
Abschließend kann ich sagen, dass das Jahr für mich viel zu schnell vergangen ist. Ich würde ein solches Praktikum immer wieder machen! Ich durfte tolle Erfahrungen für mein weiteres Leben machen: Ich habe gelernt, selbständig zu leben; weiß, wie es ist, sich im Ausland einzufinden und habe mindestens zwei Orte gewonnen, die sich wie „Zuhause“ anfühlen. Und wer weiß, vielleicht kann man Schwedisch ja auch noch mal irgendwo gebrauchen.

 

- Patricia Albers

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