Hej då Uppsala! Servus Uppsala!

Nach vier Monaten ist Martin Rosenberger zurück in München

Wie, du gehst nach Schweden? Diese Frage verbunden mit einem kritischen Blick wurde mir im Vorfeld meines Schwedenaufenthalts unzählige Male gestellt. Nichtsdestotrotz tauschte ich den Schreibtisch in meinem Büro in München für vier Monate gegen ein Leben als Praktikant des Bonifatiuswerkes in Uppsala, der viertgrößten Stadt Schwedens. Drei Tage die Woche war ich dabei im Erikshjälpen Second-Hand Shop, denn das katholische Newmaninstitut als Kooperationspartner mitbetreibt, tätig und zwei Tage in der Woche habe ich im Newmaninstitut selbst mitgearbeitet.
Vom Erikshjälpen Second-Hand Shop war ich gleich auf den ersten Blick sehr positiv überrascht. Mit seinen deutschen Namensvettern ist er kaum vergleichbar. Es handelt sich vielmehr um ein richtiges kleines Gebrauchtwarenkaufhaus, in dem sich in freundlicher Atmosphäre alles findet, was man braucht – oder auch nicht unbedingt benötigt, es aber trotzdem in seinen Einkaufskorb legt. Nicht nur das Einkaufen im Laden, sondern vor allem auch das Arbeiten mit Kollegen aus der halben Welt hat großen Spaß gemacht. Ob Kasse, Beratung in der Möbelabteilung, Warenauslieferung oder Spendenannahme, die unterschiedlichen Einsatzgebiete hatten alle Ihren Reiz. Vor allem aber war es ein gutes Gefühl zu wissen, dass die getane Arbeit auch etwas bringt. Denn die Erlöse aus den Verkäufen kommen Kinderhilfsprojekten in Schweden und der ganzen Welt zu Gute. Zwar merkte man, dass viele Kunden wenig damit anfangen können, dass eine kirchliche Institution wie das Newmaninstitut Mitbetreiber des Geschäfts ist, der Shop wird dennoch von Jahr zu Jahr besser angenommen. Andererseits konnte es ein Kunde, mit dem ich ins Gespräch kam, gar nicht verstehen, dass wir keine Ikonen im Verkauf hatten, wir wären doch schließlich ein „kirchliches Geschäft“.


Die Arbeit am Newmaninstitut, der einzigen katholischen Hochschule Schwedens, lässt sich am besten beschreiben mit: „Jeder Tag brachte etwas Neues.“ Neben meiner Arbeit als „HiWi“ in der Bibliothek standen auf meiner To-do-Liste u.a. auch Holzhacken am hochschuleigenen Ferienhaus, Blumen pflanzen, Pakete abholen oder auch einmal die Klausuraufsicht übernehmen. Das größte Projekt am Newmaninstitut war aber sicherlich die Organisation eines Treffens des Jesuitenordens im Juli. Dabei kamen alle europäischen Rektoren und viele Dekane von Hochschulen, die vom Jesuitenorden geleitet bzw. betreut werden, in Uppsala zusammen. Ziel des Treffens war es, die wissenschaftliche Hochschularbeit und Forschung der verschiedenen europäischen Provinzen der Jesuiten zu koordinieren und gemeinsame Forschungsschwerpunkte festzulegen. Zusammen mit dem Planungsstab der europäischen Jesuitenprovinzen in Brüssel war ich hierbei für die organisatorische Umsetzung vor Ort in Uppsala verantwortlich. Viel Arbeit, aber noch sehr viel mehr Spaß prägten diese Tage, die ich auch im Nachhinein nicht missen möchte.

Die Teilnehmer der Jesuiten-Koferenz.
Die Teilnehmer der Jesuiten-Koferenz.

Doch was macht die katholische Diaspora in Schweden eigentlich aus? Der evangelisch-lutherischen Kirche Schwedens gehören rd. Zwei-Drittel der Einwohner des Landes an – wirkliche Bedeutung kommt dem Glauben der Menschen aber meist nicht mehr zu. Die katholische Gemeinde von Uppsala „St. Lars“ zählt hingegen nur rd. 3.000 Mitglieder. Sie kommen aus über 70 unterschiedlichen Nationen. Diese Vielfältigkeit lässt sich auch im Gottesdienst erleben. Kurz gesagt erscheint mir die Gemeinde in Uppsala recht bunt und jung. Was aber ganz besonders ins Auge fällt: Die drei Sonntagsgottesdienste sind sehr gut besucht. So gut, dass, wer zu spät kommt, sich teils mit einem Stehplatz zufrieden geben muss! Auch meine Begegnung mit dem äußerst volksnahen und sympathischen Bischof des Bistums Stockholm, Anders Arborelius, fügt sich gut in dieses Bild einer lebendigen und offenen Kirche in der Diaspora.

Einige Kirchen in Schweden:

Kennzeichnend für katholische Kirchen in Schweden ist ihre oftmals moderne, frische Architektur mit einem lichtdurchfluteten Altarraum, eine eher bescheidene Ausschmückung des Innenraums und fehlende Glockentürme − ein krasser Gegensatz zu den vielen prunkvollen und reich verzierten Barockkirchen wie ich sie kenne. Ungewöhnlich ist es aber auch nicht, dass ein Wohnhaus zur Kirche umgewidmet wird (wie etwa in Värnamo) bzw. eine Kirche aufgrund der Bauvorschriften von außen nicht auf den ersten Blick als solche erkennbar ist, wie etwa die Kirche der Gemeinde St. Eugenia in Stockholm.

Viele schöne Erinnerungen werden auch an unsere Fahrradwallfahrt mit dem Ziel Kopenhagen bleiben. An zehn Tagen radelten wir insgesamt etwas mehr als 750 Kilometer. Tägliche Pilgerimpulse begleiteten uns dabei auf unserem Weg zum jeweiligen Tagesziel und regten zum Nachdenken über „Gott und die Welt“ an. Dass Schweden katholische Diaspora ist konnten wir auf der Fahrt oftmals (in den Beinen) spüren. Alleine bis wir an die Pfarreigrenze unserer Ausgangsgemeinde St. Lars in Uppsala kamen, mussten wir fast eineinhalb Tage kräftig in die Pedale treten. Aber auch wie eng vernetzt die katholische Welt in Schweden ist, habe ich immer wieder feststellen dürfen – jeder kennt jeden und Gastfreundschaft wird großgeschrieben. Ein bewegendes Gefühl war es dann nach fast zwei Wochen in der Kathedrale St. Ansgar in Kopenhagen zu stehen und damit an dem Ort anzukommen, für den man all die Anstrengungen auf sich genommen hat. Zwar stießen wir auf unserem Weg durchaus ab und an auf Unverständnis, wenn wir vom Wallfahrtgedanken unserer Radtour erzählten. Viele Menschen – egal ob Friedhofsmitarbeiter, Tourist oder Passant − denen wir begegneten, zeigten aber ernstes Interesse an uns und unserem Vorhaben.

Was wird für mich persönlich von den letzten vier Monaten bleiben?

Sicherlich bin ich kein „anderer Mensch“ geworden. Aber die Zeit hier in Schweden hat mich unzweifelhaft beeinflusst und mir andere Blickwinkel eröffnet. Gerade schwedische Spontanität, Improvisation und Flexibilität waren immer wieder gefragt – für mich manchmal etwas ungewohnt. Einen ganz neuen Blick kann ich nun auch auf die katholische Kirche Schwedens werfen. Sie kann man sicherlich als dynamische, aufstrebende und globale Kirche beschreiben. Es war sehr spannend ein Teil dieser zwar relativ kleinen, aber wachsenden Gemeinschaft zu sein. Ein krasser Gegensatz zu der in Deutschland „großen“ und tendenziell schrumpfenden bzw. für den Großteil der Gesellschaft bedeutungsloser werdenden Kirche. Sehr beeindruckt hat mich auch, dass es aus meiner Sicht hier doch deutlich weniger „Gewohnheitskatholiken“ gibt. Man geht nicht in die Kirche, weil man es schon immer so gemacht hat. Man geht in die Kirche, weil einem der Glaube persönlich wichtig ist.

Zum Schluss bleibt nur noch eines zu sagen: Es war eine fantastische Zeit! Die Entscheidung für ein Sabbatical vom gewöhnlichen Berufsalltag mit dem Bonifatius-Praktikanten-Programm habe ich auf keinen Fall bereut! Es wird sicherlich nicht mein letzter Besuch in Schweden gewesen sein!

 

- Martin Rosenberger

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