Bergen - Abschlussbericht von Camillo von Ketteler

Bergen - hier absolvierte Camillo sein Praktikum
Bergen - hier absolvierte Camillo sein Praktikum

Im September letzten Jahres ging für mich plötzlich alles ganz schnell. Eben noch das freie Leben als frisch gebackener Abiturient ohne Verpflichtungen gelebt, brach ich am zwanzigsten des Monats zu meinem Praktikum nach Norwegen auf.

 

Innerhalb von 4-5 Wochen ergab sich die Möglichkeit, spontan für ein paar Monate nach Bergen zu gehen und dort ein neues Land, seine Einwohner, eine neue Sprache und neue Kulturen kennen zu lernen. 

 

Nachdem ich also mit meinem zukünftigen „Boss“ Dom Lukas geskypt und mich mit meinem Mitpraktikanten Matthias, der bereits im August seinen Dienst angetreten hatte, über Whatsapp ausgetauscht hatte, wurden die letzten Details geklärt und ich buchte meinen Flug.

 

Da ich von Natur aus jemand bin, der Veränderungen erstmal kritisch gegenüber steht, hatte ich einen gewissen Respekt vor meiner neuen Berufung, welcher allerdings schon mit der Landung im regnerischen Bergen zu Nichte gemacht wurde. Lukas und Matthias holten mich gemeinsam vom Flughafen ab und mir wurde direkt das „Du“ angeboten, weil das in Norwegen „so üblich ist“ – sehr sympathisch!

 

Kein Kloster, wie man es sich vorstellt

 

Auf der Fahrt zum Kloster bekam ich einen ersten Eindruck von Bergen, fuhr zum ersten Mal an meinem neuen Arbeitsplatz, dem St.-Paul-Gymnasium, vorbei und kam schließlich in meinem neuen Zuhause an. Nach einer kurzen Führung durch das Haus wurde mir klar: Das Kloster der Augustiner Chorherren in Bergen ist kein Kloster, wie man es sich vorstellt, viel mehr ein großes Haus mit kleiner Kapelle, zwei herrlichen Balkonen, eigenem Netflix-Abo und sogar einem - von uns beiden Praktikanten in den nächsten Wochen fast täglich benutzten - integriertem Trainingsraum. Also eine sehr vertraute, gemütliche Umgebung, keine düsteren Klostermauern, wie ich es mir vorgestellt hatte.

 

  

Beim anschließenden Abendessen (jeden Abend um halb acht!!!) versuchte ich Lukas und Matthias kennenzulernen. Lukas, gleichzeitig Lehrer im Gymnasium und Pfarrer in der 500 Meter entfernten katholischen Gemeinde, ist ein kluger und wahnsinnig lustiger Mann, der einen schwarzen Humor hat und immer mit Erzählungen und kleinen Anekdoten zu unterhalten weiß. Matthias aus Oldenburg, mein Alter, ist ungefähr in derselben Situation wie ich, weiß noch nicht genau, in welche Richtung es nach dem Abi gehen soll und sucht die Herausforderung durch eine Station um Ausland.

 

Außer den Beiden wohnte ich zusammen mit Dom Alois, welcher ebenfalls Pfarrer in der Gemeinde und ein wahnsinnig lieber, ruhiger und zurückhaltender Norweger, mit ausgezeichneten Kochkünsten ist. Ich lernte ihn am nächsten Morgen kennen, zusammen mit Jolanta, unserer Haushälterin, die uns allen jeden Tag den Rücken frei hielt, damit während unserer Arbeit in der Schule und Gemeinde der Haushalt nicht zu kurz kam. Auch sie schloss ich mit ihrer lieben, fürsorglichen Art direkt ins Herz, obwohl die Arme uns oft daran erinnern musste, doch ein bisschen mehr Ordnung zu halten.

 

Allgemein muss ich sagen, dass ich mich extrem schnell einleben konnte, was zum einen daran lag, dass Norwegen von Kultur und Lebensweise keine riesige Differenz zu Deutschland aufweist und ich mich bis auf zuweilen sehr diesiges Wetter und hohe Lebensmittelpreise auf kaum großartige Veränderungen einstellen musste, und zum anderen daran, dass ich, oder besser gesagt wir, das große Glück hatten, dass ich mich unglaublich gut mit Matthias verstanden habe.

 

Uns beiden wurde im Vorneherein gesagt, dass es in Bergen eigentlich nicht vorgesehen war, dass zwei Praktikanten gleichzeitig da seien und es verständlicherweise ein gewisses Risiko gebe – klar, beide müssen monatelang zusammen leben und arbeiten. Matthias allerdings ermöglichte es mir, mich in Bergen direkt zuhause zu fühlen, da wir beide ähnliche Interessen und Verhaltensweisen hatten und es für uns beide schon nach wenigen Tagen so war, als ob wir mit einem guten Freund und nicht mit einem eigentlich Fremden zusammen arbeiten und leben würden. Auch Lukas, der Deutscher ist und aus Hamburg kommt, und Alois, der durch seine langen Aufenthalte im Klosterneuburg in Wien fließend deutsch spricht, erleichterten mir die ersten Tage in Norwegen sehr.

 

Viel zu tun - unser Aufgabenfeld

  

Kurstreffen mit der VG2
Kurstreffen mit der VG2

Nun zu unserer Arbeit. Wir hielten uns hauptsächlich in der Schule auf, in der wir sechs Stunden wöchentlich die VG1 und VG2, also 11. und 12. Klasse im Fach Deutsch unterrichteten. Anfangs noch in Begleitung von Lukas, dann immer öfter auch alleine, da er joblich viel unterwegs ist und auf unzählige Flüge und Reisen im Jahr kommt. Ich lernte die beiden Klassen kennen, deren Deutschkenntnisse zwar eher begrenzt waren, welche aber viele interessante und liebe Charaktere enthielten, weshalb es oft sehr lustig im Klassenraum war.

 

Neben dem Unterricht zählten diverse Büroaufgaben, die Weihnachtsdekoration der gesamten Schule und auch die Restauration eines Raumes im Keller des Gebäudes in den drei Monaten zu meinen Aufgaben.

 

Natürlich gab es ab und an auch nervige und anstrengende Parts, aber die meiste Zeit war es für uns beide sehr lustig und besonders die Arbeitsatmosphäre dort hat mich beeindruckt, da immer viel gelacht wurde!

 

Neben der Schule kümmerten wir uns auch um die „etterskole“, welche den Kindern der Grundschule jeden zweiten Dienstag die Zeit nach der Schule bis zum Firmunterricht vertreiben sollte. Wir trafen uns, halfen bei Hausaufgaben, kochten zusammen und spielten Fußball und Volleyball in der angrenzenden Sporthalle. Obwohl die Organisation hier manchmal etwas schwierig war, bereitete die Arbeit mit den Kindern mir sehr viel Spaß.

 

  

Wir hatten also viele verschiedene Einsatzgebiete, konnten uns ausleben und auch immer kreativ mitbestimmen und hatten neben der Arbeit genug Zeit, die Gipfel über Bergen zu besteigen und die Stadt kennen zu lernen. 

 

Camillo in einem Cafe in Oslo
Camillo in einem Cafe in Oslo

Im November ging es für mich außerdem nach Trondheim, wo ich 4 Tage eine Delegation vom Bonifatiuswerk begleitete und den Autotransfer leistete. Der neue Dom der Stadt wurde eingeweiht und ich durfte an der Zeremonie teilnehmen, was wirklich eine einmalige Erfahrung für mich war. Das Wochenende war zwar sehr anstrengend und stressig für mich und Annika, eine andere Bonifatius-Praktikantin aus Oslo, die ich dort traf, allerdings auch ein beeindruckendes Erlebnis, was ich so schnell nicht vergessen werde. Außerdem schloss ich den Kontakt zu Annika, welche Matthias und ich an meinem letzten Wochenende in Oslo besuchten - ein weiteres tolles Erlebnis.

 

Und so schnell gehen drei Monate dann auch schon wieder rum, inzwischen bin ich schon wieder fast drei Wochen zurück in Münster, habe mich wieder eingelebt aber hänge trotzdem irgendwie noch mit einem Fuß in Bergen. Die drei Monate waren eine tolle Zeit für mich und ich werde Vieles sehr vermissen, weshalb ein Besuch im Frühjahr schon geplant ist! Ich habe viele liebe und interessante Menschen kennen gelernt und einen neuen Freund gefunden, der sein Praktikum nun vorerst alleine weiter führen muss. Viel Erfolg an dieser Stelle!

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Matthias Kiefer (Mittwoch, 11 Januar 2017 17:10)

    Klasse Text auf jeden fall

  • #2

    Matthias Micheel (Donnerstag, 12 Januar 2017 07:59)

    Prima Text und tolle Erfahrungen!

  • #3

    Annika Reiß (Donnerstag, 12 Januar 2017 22:59)

    Sehr schöner Text! Alles Gute

  • #4

    Camillo Ketteler (Freitag, 13 Januar 2017 14:50)

    Danke euch Allen!

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Julia Jesse

Referentin Missionarische und diakonische Pastoral
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