Zwischen Kirche und Zimtschnecke: Abschlussbericht von Matea Renic

Matea Renic (2.v.l.) mit ihren Mitpraktikanten in Uppsala
Matea Renic (2.v.l.) mit ihren Mitpraktikanten in Uppsala

All Good Things Come To An End 

 

Mit Nelly Furtado‘s Song im Kopf heißt es auch für mich, nach fast 6 Monaten Schweden, Abschied nehmen. Nach jedem Auslandsaufenthalt realisiere ich, wie schnell doch die Zeit vergeht und wie oft man das Gefühl hatte, die Zeit anhalten zu wollen. Vor allem wenn einem so viel Gutes passiert und das Herz mit Glücksgefühlen und Freude erfüllt ist.

 

Wenn ich bedenke, warum ich mich ursprünglich beim Programm bewarb, dann standen für mich persönlich der Aufbau einer stärkeren Beziehung zu Gott und das Kennenlernen eines neuen Landes, einer neuen Kultur, neuer Menschen und deren Geschichten im Vordergrund. Ich erhoffte mir, durch die Tätigkeiten im Praktikum und den damit verbundenen Herausforderungen, in meinem Glauben wachsen zu können.

Hinter diesen Wunsch würde ich gerne ein virtuelles, grünes Häkchen setzen.

Eine prägende Zeit

Die vergangenen Monate würde ich als eine der prägendsten Zeiten in meinem Leben bezeichnen. Ich wurde gefordert, geprägt und geformt. Als Mensch und vor allem als Christin. Denn Gott zeigte sich für mich auf unterschiedliche Art und Weise. Vor allem in und durch meine Mitmenschen, die mir auf meinem Weg begegneten und an meine Seite gestellt worden sind.

Doch zunächst möchte ich dem Bonifatiuswerk danken, dass sie mir die Möglichkeit gegeben haben, eine der wertvollsten Zeiten in meinem Leben erleben zu dürfen.

Als Volontärin hatte ich die Chance in diversen Aufgabengebieten und Einsatzbereichen Erfahrungen zu sammeln und als Person zu wachsen. 

Vielfältige Einsätze am Newman-Institut

Am Newman-Institut selbst durfte ich hauptsächlich mit Pater Christoph Hermann SJ zusammenarbeiten. Pater Christoph ist ein Allroundtalent : vom Eventkoordinator für alle Veranstaltungen des Newman-Instituts bis hin zum Leiter des Priesterseminars - Pater Christoph ist auf vielen Gebieten im Einsatz. Meine Aufgabe bestand hauptsächlich darin, ihn bei der Organisation und Planung der bevorstehenden Theology of Religions Conference zu unterstützen.

Auch hatte ich die Gelegenheit nicht nur den Prozess bzw. die Vorbereitungen für eine der wichtigsten politischen Wochen in Schweden der „Almedalenwoche“ mitzuerleben, sondern auch selbst ein Teil dessen zu sein. In dieser Woche finden jährlich auf Gotland zahlreiche Seminare und Veranstaltungen zu gesellschaftspolitischen Themen statt - sei es Bildung, Energie oder Flüchtlingsarbeit. Das Newman- Institut war selbstverständlich auch vertreten und durfte sich auf einen riesigen Besucheransturm freuen - vor allem bedingt durch den Besuch des ersten, schwedischen und zu dem Zeitpunkt neu ernannten Kardinals Anders Arborelius, der als Gastredner für das Newman Institut kommen konnte. Gerne würde ich hervorheben, dass mich das Auftreten und die immense Aufmerksamkeit des frisch ernannten Kardinals faszinierte und berührte. Demütig, liebevoll und bescheiden begegnete er all seinen Mitmenschen – von den Journalisten, über allen Verantwortlichen bis hin zu uns Freiwilligen - und stellte für mich ein wahrliches Vorbild im menschlichen Umgang und im Sein dar. Die Tage in Visby gehörten definitiv zu einer meiner Schweden-Highlights. Vor allem auch durch die Tatsache, dass meine liebe Mitpraktikantin Raphalea Polk nochmals extra dafür aus Deutschland angereist war und wir diese Woche somit gemeinsam erleben und erfahren konnten.

Durch die Zusammenarbeit mit P.Christoph konnte ich auch viel über den Jesuitenorden und deren Besonderheiten dazulernen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Weiterhin haben wir Praktikanten wichtige Veranstaltungen, wie den Generalvikars-Besuch oder die Semesterabschlussfeier vorbereitet und betreut. 

Bunte Second-Hand Welt

Da das Newman-Institut eine Kooperation mit einem Second-Hand-Shop besitzt, habe auch ich, wie Maris, Anne, Raphaela und Marcel, im Erikshjälpen gearbeitet. Das Besondere an dieser Kette ist, dass fast ausschließlich alle Einnahmen an wohltätige Zwecke gespendet werden und die Mitarbeiterstruktur, bis auf wenige Ausnahmen, aus engagierten, freiwilligen Helfern besteht. Die Second-Hand Shop Kultur ist definitiv eine andere als in Deutschland und "Eriks" Kundschaft ist so bunt und vielfältig, wie die Süßigkeiten-Abteilung im schwedischen Supermarkt. Die meiste Zeit konnte ich im Café mithelfen. Ein wahrer Segen, wenn man bedenkt, dass die besten (und ja, dies ist eine objektive Feststellung ;) Zimtschnecken Schwedens bei uns verkauft werden. Auch wurde ich oftmals in der Kleiderabteilung gebraucht und konnte über den Sommer verteilt neue Bereiche kennen lernen. Da die freiwilligen Helfer nicht unterschiedlicher hätten sein können, bin ich dankbar, dass ich mit diesen wunderbaren Menschen zusammenarbeiten durfte.

Caritas "Mötesplats": ein zweites Zuhause

Matea Renic (rechts) bei einem Ausflug in Stockholm mit dem Caritas "Mötesplats"
Matea Renic (rechts) bei einem Ausflug in Stockholm mit dem Caritas "Mötesplats"

Und dann gibt es noch meinen dritten Einsatzort – die Caritas in Stockholm. Genauer gesagt den Caritas "Mötesplats".

Der Caritas Mötesplats wurde von der Ordensschwester Schwester Christina ins Leben gerufen - speziell mit dem Anliegen Flüchtlinge, Asylsuchende und Migranten durch u.a. Sprachförderung oder kulturellen Freizeitaktivitäten in die schwedische Gesellschaft zu integrieren. Doch der Treffpunkt stellt für viele Besucher mehr als das Erlernen der richtigen Konjugation oder Anwendung der Artikel dar. Vielmehr ist dieser Ort für viele Menschen zu einem zweiten Zuhause geworden, was speziell Schwester Christinas unermüdlichen Einsatz, ihrer immensen Lebensenergie, Wärme und Liebe geschuldet ist. Von dieser Energie durften und konnten nicht nur die Besucher, sondern auch wir Freiwilligen profitieren und auf unser eigenes Wirken am Mötesplats übertragen.

Jeder war und wurde herzlich empfangen; bekam eine Tasse Kaffee, etwas zu Essen, Kleidung oder Rat in alltäglichen Fragen. Doch viel wichtiger: jeder Besucher durfte mit einem offenen Ohr und Herzen seitens aller freiwilligen Helfer rechnen. Neben der Betreuung der Besucher rund um den Sprachunterricht habe ich mich oft um die Kinder der Besucher gekümmert, um so den Eltern eine ruhigere und fokussierte Lernzeit zu ermöglichen. Durch die kleinen, wundervollen Wesen habe ich gelernt und erfahren, dass ich nicht der mongolischen Sprache mächtig sein muss, um Kinder zum Lachen zu bringen und mit ihnen eine Verbindung herzustellen. Das schaffte ich auch so – mit meiner teilweise leicht unbeholfenen Art und vor allem mit und durch Gottes Liebe mit mir als sein Werkzeug. 

Eine Schwedenreise zum Abschluss

Zum Ende meines Praktikums konnte ich dann noch einmal selbst ein wenig durch das Land reisen und Schweden näher kennen lernen. So verbrachte ich einige Tage im wunderschönen Göteborg, machte einen Zwischenstopp in Lund bei den Dominikanerinnen und war abschließend einige Tage bei den Brigittinnenschwestern in Vadstena. 

Matea Renic an der schwedischen Westküste
Matea Renic an der schwedischen Westküste

Auch wenn die Einsatzgebiete unterschiedlich waren – die Aufgaben und Herausforderungen ganz anders - so haben sie alles etwas gemeinsam: die Menschen, denen ich begegnen durfte und mit denen ich zusammen wirken konnte; die mich alle, auf ihre besondere Art und Weise etwas lehren und berühren konnten und den größten und wahren Reichtum meiner Reise darstellen. Ich konnte viel von den Begegnungen schöpfen: Von den Jesuiten und allen Verantwortlichen am Newman-Institut selbst, Arbeitskollegen, die körperlich und/oder emotional eingeschränkt sind, Menschen, die ihre Heimatländer und Familien aus verschiedensten Gründen verlassen mussten, jungen Priesteramtskandidaten und meinen Mitpraktikanten und Freunden im Alltag. All die Lebensgeschichten haben mich geprägt und getragen und ich bin als Mensch Matea Renic beflügelt worden, auch oftmals über mich selbst hinauszuwachsen. Selbst Sachen, von denen man dachte, dass man sie nicht schafft, gelangen.

Ich bin dem lieben Gott dafür extrem dankbar. Denn Gott und der Heilige Geist sind ja nicht nur beim Besuch der Heiligen Messe aktiv. Nein. Gott hat sich mir besonders durch all diese Mitmenschen auf vielfältige Art und Weise gezeigt und insofern wurde ich viel mehr belohnt und beschenkt, als ich es mir jemals hätte ausmalen können.

Danke dem Bonifatiuswerk , dass ich die Möglichkeit hatte, dies zu erleben und Gottes Liebe so zu erfahren und zu spüren.

 

Ich denke, dass viel Gutes entstehen und mit einem selbst passieren kann, wenn man mit einem offenen Herzen durch das Leben geht und sich auf Dinge einlässt und mutig ist.

Gerne würde ich somit alle interessieren, noch leicht zweifelnden Menschen ermutigen, das gewohnte Umfeld – sei es auch nur zeitweise - zu durchbrechen und Vertrauen zu haben. Vor allem in Ihn. Aber auch in sich selbst. Denn mit und durch Gott ist ALLES möglich.

 

 

- Matea Renic

Die Träger des Projekts                               Kontakt

Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V. 

Kamp 22 | 33098 Paderborn

Tel.: 05251 29 96 - 0

Fax: 05251 29 96 - 88

E-Mail: info@bonifatiuswerk.de

Web: www.bonifatiuswerk.de

 

Weitere Infos zum Bonifatiuswerk

 

Anna Nick

Projektstelle des Bonifatiuswerkes am Newman-Institut 

Slottsgränd 6 | 75309 Uppsala 

Telefon: +46 76 421 36 31

E-Mail: anna.nick@newman.se

Web: www.newman.se

 

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Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, wenden Sie sich gerne direkt an:

 

Julia Jesse

Referentin Missionarische und diakonische Pastoral
Tel.: 05251 29 96 - 50
E-Mail: julia.jesse@bonifatiuswerk.de



Finanziell unterstützt wird das Bonifatius Praktikanten Programm durch das Erzbistum Paderborn.